Lauterbach und Thun spielen in schrägem Sauerland-Film

Heiner Lauterbach und Fritz von Thun bei den Dreharbeiten zu dem Film "Forever Sauerland" in der Auferstehunhgskirche und der Fussgaengerzone von Arnsberg.
Heiner Lauterbach und Fritz von Thun bei den Dreharbeiten zu dem Film "Forever Sauerland" in der Auferstehunhgskirche und der Fussgaengerzone von Arnsberg.
Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool
Was wir bereits wissen
Zwei schrullige Typen in einer oberschrulligen Geschichte: Heiner Lauterbach und Friedrich von Thun sind für einen ARD-Film in einem Leichenwagen unterwegs im Sauerland. „Forever Sauerland“ soll eine Liebeserklärung sein an Land und Leute. Ein Besuch bei den Dreharbeiten.

Arnsberg.. Dunkle Wolken türmen sich über Arnsberg, es sieht nach Regen aus. Doch durch das hohe Fenster der Kirche mitten in der Stadt fällt Sonnenlicht. Das ist allerdings kein Wunder, das ist ein großer Scheinwerfer, den sie draußen auf dem Bürgersteig aufgebaut haben. Denn hier wird gefilmt. Deshalb sitzen auch Heiner Lauterbach und Friedrich von Thun unter der Orgel, trinken Bier aus Dosen und sinnieren leise über das Leben und den Tod.

Ganz allein – sieht man mal von dem halben Dutzend Menschen um Regisseur Nikolai Müllerschön ab, die Kamera, Ton und Licht bedienen. „Forever Sauerland“ soll der Film heißen, der Anfang 2015 ins Erste kommen wird.

ARD-Komödie Keine drei Minuten wird die Szene später zu sehen sein, aber gedreht wird sie an diesem Morgen mehr als drei Stunden. Von vorne, von hinten, aus der Totalen, in Nahaufnahmen. Müllerschön ist jedes Mal begeistert von der Leistung seiner Hauptdarsteller: „Ihr seid fantastisch.“

Zwei Kerle mit rauer Schale

Während drinnen umgebaut wird, greift Lauterbach gegen Mittag draußen zu einer Erfrischung. Schlägerkäppi zu Acht-Tage-Bart trägt er, hat gemäß Drehbuch derbe Schuhe an den Füßen, und die abgewetzte Arbeitsjacke zur Jeans so weit offen, dass das Unterhemd zu sehen ist. Auch von Thun gibt den Naturburschen, mit Wollmütze auf dem Kopf, Bartstoppeln im Gesicht und kariertem Hemd zu fester Hose. Wie sich Drehbuchautoren zwei Kerle mit rauer Schale über einem weichen Kern eben so vorstellen.

Liebe, Tod und Freudschaft

Worum es geht? Friederich von Thun muss nicht lange überlegen. „Eigentlich um alle großen Themen des Lebens. Also Liebe, Tod und Freundschaft.“ Die offizielle Inhaltsangabe wird etwas präziser. Lauterbach spielt Horst Kierspe, von Thun ist sein Kumpel Johann Schlorke. Beide haben sich, aus Gründen, die hier nicht verraten werden sollen, schon vor langer Zeit in die Einsamkeit des Sauerlandes zurückgezogen, wo Kierspe am Möhnesee einen Bootsverleih betreibt. Bis ihn die Schatten der Vergangenheit einholen, seine Zukunft zudem zeitlich eher begrenzt ist. Die ernste, melancholische Szene in der Kirche sei allerdings kein Maßstab für den ganzen Film, versichert Lauterbach. „Da geht es auch mal lustiger zu.“

Henning Beckhoff Tragikomödie nennt die ARD so etwas gerne, Lauterbach sagt lieber „Roadmovie“. „Das ist ein ganz außergewöhnliches Projekt. In meinen 35 Jahren habe ich für die ARD noch nichts Vergleichbares machen dürfen. Dieser Film trägt fast schon anarchistische Züge.“ Ein wenig vielleicht wie die US-Bestatter-Serie „Six Feet Under“ findet der 61-Jährige. Und das nicht nur, weil er als Kierspe immer wieder mit einem Cabrio-Leichenwagen durch das Land der 1000 Berge brettert. Mehr so wegen der ganzen Geschichte des Films und seinen Figuren. „Wir haben“, sekundiert sein Regisseur, „in Deutschland selten so doppelbödige Figuren wie in diesem Fall.

Die Figuren sollen an echte Vorbilder angelehnt sein

Und das Sauerland? Von Thun hat „nicht viel gesehen von der Gegend“, Lauterbach war „als Kind öfter mal zum Skifahren hier“, und bekommt Jahrzehnte später bestätigt, was er einst schon empfand. „Schöne Landschaft, nette Leute hier.“

Deshalb hat Produzent und Drehbuchautor Mathias Lösel sie auch genau dort angesiedelt. „Der Film ist eine Liebeserklärung an das Sauerland und an die Menschen“, sagt er und behauptet, die Figuren seien an reale Vorbilder angelehnt. „Ein wenig eigen und stolz auf die Region.“

„Forever Sauerland“ will jedenfalls kein Film wie jeder andere werden. Das ist lobenswert aber nicht ohne Risiken. Die Geschichte sei schon „sehr speziell“, hat die zuständige Redakteurin Carolin Haasis neulich zugegeben: „Aber man muss auch mal mutig sein und etwas anders machen, sonst wird das Fernsehen ja nicht besser.“