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Finanzkrise

Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu

01.07.2009 | 08:31 Uhr
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise und der Sozialgesetzgebung schlagen sich im praktischen Tierschutz negativ nieder: Immer mehr Tiere werden aus finanziellen Gründen in Tierheimen abgegeben.

Das Spendenaufkommen ist eingebrochen, der Tierheimbetrieb kann nur noch 16 Monate auf jetzigen Niveau weitergeführt werden.

Der Deutsche Tierschutzbund ist mit 519 angeschlossenen Tierheimen und 744 Tierschutzvereinen bundesweit vertreten. In den letzten Monaten haben den Tierschutz-Dachverband immer mehr Meldungen erreicht, dass bei der Abgabe von Tieren in Tierheimen vermehrt „Finanzen" als Grund angegeben wird. Zudem droht den örtlichen Vereinen ein Spendeneinbruch als Folge der Finanzkrise, der durch die wenigen öffentlichen Zuschüsse für die Aufrechterhaltung des Tierheimbetriebes nicht aufgefangen wird.

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch der Sozialgesetzgebung schlagen sich im praktischen Tierschutz negativ nieder. Das belegt eine vom Deutschen Tierschutzbund in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Immer mehr Tiere werden aus finanziellen Gründen in Tierheimen abgegeben; notwendige Investitionen in den Tierschutzeinrichtungen sind nicht mehr finanzierbar. Der weitere Einbruch der Spenden hätte zudem dramatische Folgen: Der Tierheimbetrieb könnte nur noch 16 Monate auf dem jetzigen Niveau weitergeführt werden. Der Deutsche

Tierschutzbund fordert „Gesellschaftspakt Tierschutz“.

69 Prozent der Tiere im Tierheim werden mittlerweile mit der Begründung „finanzielle Not“ abgegeben. Zum Großteil sind Hunde die „Opfer der Finanzkrise“ (85%) der Neuzugänge in Tierheimen), danach folgen Katzen (56%) und Kleintiere (15%). Auch die Vermittlungssituation verschärft sich, vor allem Hunde sitzen länger in den Tierheimen.

Veränderung der Abgabehäufigkeit von Tieren aus finanziellen Gründen – im Vergleichszeitraum 2 Jahre
Hunde                                                                                    85 %   
Katzen56 %
Kleintiere15 %
Kranke Tiere 6 %
Vögel3 %
Großtiere1 %
Exoten1 %
Alte Tiere0 %
Steigerung der Abgabehäufigkeit aus finanziellen Gründen im Vergleich zum Vorjahr
Hunde                                                                                      29 %
Katzen26 %
Vögel12 %
Kleintiere19 %
Großtiere5 %
Exoten20 %
Kranke Tiere21 %
Durchschnitt über alle Tierarten  26 %

54 Prozent der Tierheime geben an, dass sich die Futterkosten stetig erhöhen. Die Ergebnisse der Studie, die das MAFOInstitut (Schwalbach) im Auftrag durchgeführt hat, belegen auch, dass die Tierheime „regionale Jobmotoren“ sein könnten.

Veränderung der Futterkosten zwischen 2007 und 2008
stark erhöht                                                                        8 %
erhöht46 %
nicht verändert43 %
verringert3 %
stark verringert0 %
Erhöhung der Futterkosten in 2008 im Vergleich zu 2007* 15 %  

* Alle Befragten, die angeben, dass sich die Futterkosten in 2008 im Vergleich zu 2007 erhöht bzw. stark erhöht haben

Bei 75 Prozent der Tierheime sind dringende Investitionen notwendig, die aber derzeit aus finanziellen Gründen aufgeschoben werden müssen. Die Spenden in vielen Tierheimen sind stark rückläufig. Erste Tierheime stehen vor der Insolvenz.

.

Geplante Investitionen in den Tierheimen in den nächsten 1 bis 2 Jahren
Baumaßnahmen allgemein (netto)                                           27 %
Katzenhaus5 %
Zwinger (für Hunde und Katzen)5 %
Neubau (netto)23 %
Neubau von Tierhäusern / Katzenhäusern / Hundehäusern 5 %
Sanierung / Renovierung (netto)21 %
Sanierung / Modernisierung / Erneuerung allgemein6 %
Sanierung der Tierhäuser / des Katzenhauses / des Hundehauses        5 %
Ausbau / Erweiterung (netto)5 %
Sonstiges (netto)6 %
Keine Investition geplant 25 %

"Wir brauchen einen Gesellschaftspakt. Tierschutz ist neben ideellem Engagement auch eine Finanzfrage. Um den Tierschutz mittelfristig zu stützen, benötigen wir 15 Millionen Euro. Was wir zudem brauchen, ist eine Berücksichtigung der Tiere bei der Bemessung von Sozialleistungen“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Und weiter: „Wenn wir jetzt nicht handeln, müssen wir die Tiere, die wir für die Kommunen betreuen, in den Rathäusern

abgeben“. In den dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheimen werden jährlich 300.000 Tiere betreut. Allein das ehrenamtliche Engagement spart den öffentlichen Haushalten jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro an Kosten für die Tierbetreuung. Dabei sind Tiere für ältere Menschen und für sozial schwache Personen oft die letzte Brücke in die Gesellschaft. Oftmals sind die Tierhalter gezwungen, ihr Tier abzugeben, weil die Tierhaltung bei der Bemessung von Sozialleistungen keine Rolle spielt. Die Entwicklung, die von Tag zu Tag dramatischer wird, ist auch für eine soziale Gesellschaft eine Entwicklung mit viel Sprengkraft.

„Tierschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Pflicht, der sich Bund, Land und Kommunen nicht entziehen dürfen. Und Tierheime übernehmen hierbei die staatliche Aufgabe, in Not geratene Tiere aufzunehmen. Der Staat verschiebt immer mehr Aufgaben auf den ehrenamtlich organisierten, karitativen Tierschutz, ohne sicherzustellen, dass der auch in der Lage ist, diese zu bewältigen", erläutert Apel.

Zusammenfassung

  • In 69% der Fälle sind finanzielle Gründe Ursache für die Abgabe eines Tieres an ein Tierheim. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Fälle der Abgabe aus finanziellen Gründen um 26% zugenommen. 55% der Befragten geben an, die Vermittlung an neue Halter ist aufgrund deren finanzieller Situation erschwert.
  • 54% der Befragten geben an, dass sich die Futterkosten für das Tierheim erhöht oder stark erhöht haben. Im Vergleich von 2007 zu 2008 wird eine durchschnittliche Steigerung von 15% berichtet.
  • 62% der Befragten bekamen bereits einen Rückgang des Spendenaufkommens zu spüren. Bei 60% der befragten Tierheime, die eine Investition in den nächsten 1 bis 2 Jahren geplant haben, liegen die durchschnittlich geplanten Investitionskosten in einem Bereich bis 50.000 Euro. 69% der geplanten Investitionen sind nicht finanziell abgesichert. 79% der geplanten, aber nicht finanziell abgesicherten Investitionen müssen aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtlage zurückgestellt werden. Bei einem Rückgang der Mitteleinwerbungen um 25% wäre nur noch die Hälfte der Tierheime in der Lage, den Betrieb mittelfristig aufrecht zu erhalten. Im Schnitt wären diese nach knapp 16 Monaten nicht mehr in der Lage, den Tierheimbetrieb wie bisher weiterzuführen.

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Kommentare
06.07.2009
19:53
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von STEUERZ.FÜR HARTZ 4 Empfänger | #36

80 % aller Hartz 4 Empfänger haben doch einen oder mehrere Hunde !!!!! Schaut EUCH mal in EURER Nachbarschaft um IHR werdet Staunen !!! Und die werden manchmal mehr gehegt und gepflegt als die eigenen KINDER !!!!

06.07.2009
19:48
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von Ehemaliger sPD Wähler | #35

WENN DIE TIERHEIME IN DEN USA ÜBERBELEGT SIND DANN WERDEN DIE HUNDE EINGESCHLÄFERT , WÄRE DOCH IN DEUTSCHLAND AUCH EINE ÜBERLEGUNG WERT !!!!!!!!!!

06.07.2009
17:07
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von Huskyeyes | #34

Ich finde, dass der eigentlich wichtigste Aspekt, sich einen Hund anzuschaffen, hier noch garnicht gennant wurde. Nämlich der soziale und psychologische Aspekt! Viele Menschen, gerade Ältere, sind heute sehr einsam. Da mag doch ein Hund oder auch ein anderes Haustier über diese schlimme Situation hinweg helfen. Und wenn ich dann lese, dass Haustiere Luxusgüter sind, dann finfe ich das schon sehr bedenklich. Ich sehe meinen Dalmatiner eher als Freund und Mitbewohner, bei dem ich nun mal der Ranghöhere bin. Als vor 2 Jahren meine Mutter verstarb, wachte eben dieses Luxusgut eine Woche über mich und stellte dazu nicht mals eigene Ansprüche. Deswegen sollten wir über Tiere nicht als Luxusgüter reden.

02.07.2009
14:41
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #33

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.07.2009
13:55
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von Christian123456 | #32

@ Hartz IV Berater:
Sie sind es doch, der unter der Hitze leidet: Hartz IV ist doch genau dafür gedacht, wofür es reicht: Für das allernötigste - mehr nicht. Natürlich ist es traurig, dass kein Luxus (und somit auch keine Tierhaltung) mehr möglich ist oder nur sehr schwer. Ich habe aber auch keine Lust, fremder Leute Luxus zu finanzieren. Denn wenn der Staat diesen Leuten auch noch Luxus finanziert, hat das folgende Konsequenzen: Sozialbeiträge steigen noch mehr, ebenso wie die Steuern. Noch weniger Menschen gehen arbeiten, weil es sich nicht mehr lohnt und der Staat ja eh Luxus bezahlt.

02.07.2009
13:51
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von Christian123456 | #31

@ GJC:
Deutsche Sprache, schwere Sprache, nicht? Sie empfinden die Kotbeseitigung als lästig? Nicht wirklich oder?

02.07.2009
13:18
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von Jessiw | #30

@bigottsucks
hat doch nichts damit zu tun, aber solange immer mehr Hunde nach Deutschland kommen aus Tierschutzvereinen die im Ausland arbeiten umso mehr Hunde sitzen doch schlußendlich im Tierheim, was meinen Sie denn was mit ihnen passier?
Ein Tip im Gelsenkirchener Tierheim sitzen zum Teil Hunde schon seit 10 (!!!!!!) Jahren im Tierheim ohne Hoffnung auf Vermittlung und solange bevorzugt Welpen aus Spanischen Tierschutzvereinen kommen wird sich da auch nichts ändern, was meinen Sie denn was dann mit den Hunden hier in Deutschland gemacht wird, wenn es zuviele werden? Werden die Tierheime dann größer und reicher? Nein! Es wird dann auf kurz oder lang darauf hinauslaufen das hier die Todesspritze ebenfalls wieder eingeführt wid und um das zu verhindern kann man nur die Einfuhr stoppen und Züchter stärker kontrollieren und den Kauf von Jungtieren erschweren, da viele Leute sich Hunde holen und gar nicht wissen was sie sich wirklich ins Haus holen und die Hunde landen dann völligst verzogen im Tierheim weil die Leute dachten es sei ihr Kind, ist es aber nicht es ist und bleibt ein Raubtier!

02.07.2009
11:16
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von Wie auch immer | #29

# Spacedrummer, erst nachdenken, dann schreiben, ok?

Nr. 27 hat vollkommen Recht, außerdem ist er kein Beamter, was man schon daran erkennen kann, dass er von einer Entlohnung nach dem TVÖD sprach.

Weshalb hat es eine Person die Leistungen nach SGB 12 erhält schwerer, als eine arbeitende Person die das Gleiche Geld zur Verfügung hat und noch dafür jeden tag 8 Stunden arbeiten muß?????

Und wer Tiere für die besseren Menschen hält muß schon sehr verbittert sein.

01.07.2009
18:57
Blockierter Kommentar.
von spacedrummer | #28

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.07.2009
17:01
Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu
von pao_do | #27

@ Hartz IV Berater - mir als Angestellter im öffentlichen Dienst Vergütungsgruppe TVÖD 7 oder auch als Handwerker welcher nicht in der IG Metal organisiert ist geht diese Diskussion um Hartz IV dermassen auf den Sender, dass können Sie mir gar nicht gauben. Ich kann Ihnen gerne meine Lohnabrechnung zeigen (1180 Euro netto - wovon ich alles selbst bezahlen muss), alternativ können wir auch die Lohnabrechnung von Frisösen etc nehmen, die für täglich 8 Stunden malochen noch nicht mal 1000 Euro netto haben. Und wir werden immer mehr und ich kann Ihnen sagen, viele von uns haben nicht mal 400 Euro im Monat für die reinen Lebenshaltungskosten - trotzdem wir jeden morgen aufstehen und 5 Tage die Woche arbeiten !

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