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Flughafenchaos

Lage auf den Flughäfen entspannt sich langsam

05.12.2010 | 18:16 Uhr
Lage auf den Flughäfen entspannt sich langsam
So wie den Passagiere hier am Flughafen Madrid-Barajas ging es vielen Reisegästen in Spanien: Sie mussten warten. Foto: AP

Madrid. In Spanien mussten tausende Fluggäste die Nächte in den Terminals verbringen. Der Fluglotsenstreik sorgte für Chaos im ganzen Land.

Große Verspätungen, übermüdete Passagiere, Wut und Frust. Auch Sonntag waren die Auswirkungen des wilden Streiks der spanischen Fluglotsen noch auf vielen Flughäfen zu spüren. Die Kontrolltürme waren am Samstagnachmittag dem spanischen Militär unterstellt und die zivilen Fluglotsen mit Haftandrohung wieder zur Arbeit gezwungen worden.

Bis zur völligen Normalisierung der vorübergehend chaotischen Lage dürften noch ein bis zwei Tage vergehen. Gegen die staatlichen Fluglotsen wurden arbeits- und strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Mehr als 700 000 Reisende waren durch die plötzliche Arbeitsverweigerung der Lotsen seit Freitagnachmittag auf spanischen und europäischen Flughäfen sitzengeblieben. Allein auf Mallorca und den Kanarischen Inseln strandeten jeweils über 50 000 Urlauber.

Tausende Fluggäste mussten zwei Nächte in den Terminals schlafen. Die großen Flughäfen auf Mallorca, Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote, Fuerteventura, in Madrid, Barcelona, Malaga und Alicante glichen vorübergehend einem Feldlager. Nach 24 Stunden des totalen Stillstandes, mit gut 4500 abgesagten Flügen und dramatischen Szenen auf den Airports, hatte Spaniens Regierung am Samstagnachmittag den „Alarmzustand“ ausgerufen.

Hiermit waren die Fluglotsen der Armee unterstellt. Polizisten und Soldaten der Luftwaffe drangen in die Kontrolltürme im ganzen Land ein. „Sie hatten die Pistolen in der Hand“, berichtete ein Gewerkschaftssprecher, „und zwangen die Lotsen, sich wieder vor die Bildschirme zu setzen.“ Um ein neues Aufflackern des Streiks zu verhindern, soll nun mindestens für zwei Wochen die Luftwaffe im Tower die Befehle geben. „So einen Streik wird es nicht noch einmal in Spanien geben“, versprach Spaniens Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba.

Reisende reichten Sammelklage ein

Zuvor hatte die Regierung diese Protestaktion als „Erpressung“ und „Geiselnahme“ verurteilt. Rubalcaba kündigte eine Welle von Klagen und Sanktionen gegen die etwa 450 am Streik beteiligten Lotsen an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Tausende Reisende reichten eine Sammelklage mit Schadenersatzforderungen gegen die Fluglotsen ein. Trotzdem kommt neues Ungemach auf Spanien-Reisende zu: Jetzt drohen Bodenpersonal und spanische Piloten mit einem Ausstand in der Weihnachtszeit.

Auslöser dieser schlimmsten Luftfahrtkrise Spaniens war eine massive Kürzung der astronomischen Gehälter der spanischen Lotsen. Die verdienten bisher im Schnitt mehr als 300 000 Euro im Jahr. Per Gesetz, das auch die Anrechnung von Überstunden, Ruhezeiten und Krankheitstagen änderte, drückte die Regierung dies auf 200 000 Euro jährlich. Spanien durchlebt derzeit eine tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise und muss wegen seiner horrenden Haushaltsschulden einen harten Sparkurs fahren.

Spaniens Reisebranche warnte vor den schweren Verlusten, die dieser unangekündigte Ausstand haben werde. Der Luftfahrt- und Hotelsektor sprach von Einnahmeausfällen in Höhe von 300 Millionen Euro. Tourismus-Staatssekretär Joan Mesquida warnte vor den „brutalen Folgen“ des Streiks für das Urlaubsland. Der Regierungschef der Kanarischen Inseln, Paulino Rivero, beklagte „nicht wieder gutzumachende“ Schäden – und schlug vor, die am Streik beteiligten Lotsen „auf die Straße zu setzen“.

Ralph Schulze

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