Kurzbesuch beim Pluto

Die Sonde „New Horizons“ ist schneller unterwegs als jede Sonde zuvor.
Die Sonde „New Horizons“ ist schneller unterwegs als jede Sonde zuvor.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
US-Raumsonde „New Horizons“ ist seit fast zehn Jahren durch das Weltall gerast. Nun erwarten Experten Fotos aus fünf Milliarden Kilometer Entfernung.

Weiter ist wahrscheinlich noch nie jemand für ein paar ordentliche Fotos geflogen. Nach neuneinhalb Jahren und rund fünf Milliarden Kilometern hat die US-Raumsonde New Horizons (Neue Horizonte) gestern um kurz vor 14 Uhr den Pluto erreicht. Wahrscheinlich.

Raumfahrt Denn ob die kleine Blechbüchse tatsächlich wie geplant in 12 500 Kilometern Entfernung am Ziel vorbeigerast ist und ihre Kameras einwandfrei gearbeitet haben, wusste gestern noch niemand. Die ersten Funksignale des Vorbeiflugs wurden in der Nacht zu heute um 3.02 Uhr deutscher Zeit erwartet. Die Sonde hat nämlich zu wenig Energie, um gleichzeitig Daten zu sammeln und sie zur Erde zu senden. Erst am Abend startete sie dann die erste Übertragung Richtung Heimat. Und die dauert trotz Lichtgeschwindigkeit viereinhalb Stunden. Außerdem entspricht die Bandbreite der Funkverbindung mit 1000 Bit pro Sekunde ungefähr der eines Modems aus den frühen 1990er Jahren.

14 Kilometer pro Sekunde

Bei all dem ist New Horizons schneller unterwegs als jede Sonde zuvor. Mit einer Geschwindigkeit von 14 Kilometern pro Sekunde. Da kann natürlich immer was passieren. Bei diesem Tempo könnte sie selbst der Zusammenstoß mit einem Stück von der Größe eines Reiskorns „in Stücke reißen“, hat Chef-Wissenschaftler Alan Stern das Problem in der „New York Times“ veranschaulicht. „Das wäre wie der Zusammenstoß mit einem Ziegelstein bei 60 Meilen.“

Geht man nun aber mal davon aus, dass alles glatt gelaufen ist, gibt es Fotos, wie es sie noch nie gegeben hat. Sie sollen helfen, mehr zu erfahren über den 1930 entdeckten Himmelskörper, der übrigens kein Planet, sondern nach neuer Kategorisierung nur ein „Zwergplanet“ ist. Das macht ihn allerdings nicht weniger interessant.

Raumfahrt Kalt ist es dort, so weit weg von der Sonne. Schätzungen zufolge herrschen nahe des Äquators um die minus 220 Grad Celsius. Forscher vermuten daher, dass die obere Schicht des Planeten aus Wasser-, Methan- und Ammoniakeis besteht. Ob sich darunter tatsächlich ein Ozean befindet, ob es Gebirge gibt und Eisvulkane – all das und noch viel mehr soll die Sonde bei ihrem Vorbeiflug untersuchen.

Dabei ist der Pluto auch ein Stellvertreter für eine neue Klasse von Himmelskörpern, die „Eiswelten“ genannt werden. Tausende wenn nicht sogar Millionen von ihnen vermuten die Experten in der Galaxie – unverändert seit das Sonnensystem vor viereinhalb Milliarden Jahren entstanden ist. Die Erforschung des Zwergplaneten sei „wie ein archäologischer Spatenstich in die Geschichte des äußeren Solarsystems“, schwärmt Nasa-Manager Stern.

700-Millionen-Dollar-Mission

700 Millionen Dollar hat dieser Spatenstich gekostet. Deshalb – und weil die Sonde ohnehin schon in der Nähe ist – soll es weiter in den so genannten Kuipergürtel gehen. Eine Region im Sonnensystem ist das, in der vermutlich Hunderttausende Eisbrocken schweben, die bei der Entstehung der Planeten übrig geblieben sind. „Den Kuipergürtel zu besuchen ist eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt – in Wahrheit sogar noch seltener“, sagt Planetenforscherin Cathy Olkin vom South-west Research Institute.