Kunst und Verbrechen

Berlin..  Oscar-Preisträgerin Helen Mirren brilliert derzeit im Kino als „Die Frau in Gold“ - jene nach Amerika emigrierte Wiener Jüdin Maria Altmann, die nach jahrelangen Prozessen 2006 den österreichischen Staat gezwungen hat, von den Nazis konfiszierte Gemälde aus dem Besitz ihrer Familie zurückzugeben. Darunter das Klimt-Porträt ihrer Tante, „Adele Bloch-Bauer I“, das jahrzehntelang im Schloss Belvedere ausgestellt war. Für den Rekordbetrag von 135 Millionen Dollar erwarb es schließlich der New Yorker Kosmetik-Unternehmer Ronald Lauder. Ein anderes Ereignis, das die internationale Öffentlichkeit beschäftigt, sind Picassos „Die Frauen von Algier“, die jüngst im März für fast 180 Millionen Dollar den Besitzer wechselten - als teuerstes Bild aller Zeiten.

Es geht um Riesensummen

Kein Zweifel: Kunstmarkt und hochkarätige Kunstwerke wecken starke Emotionen. Und dabei geht es meist beileibe nicht um schöne Form und geistigen Gehalt der Objekte, sondern um Riesensummen und jede Menge Eitelkeiten. Im Doku-Vierteiler „Kunst und Verbrechen“ fasst 3sat einige der spektakulärsten Affären zusammen (heute, 21.40 Uhr).

Man erlebt hochkomplexe Kunstkrimis, die erstaunen lassen, wie viele VIPs und erste Adressen der Szene sich teilweise wissentlich an Machenschaften beteiligten. Und dabei auch von menschlichen Notlagen profitierten. In rasanten Schnitten - neben den Off-Erklärungen der kunstvoll kratzenden Stimme von Schauspielerin Sophie Rois - äußern sich Opfer, Täter und Ermittler - darunter der Chef des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) Glenn Lowry, der britische Kunstjournalist Peter Watson und der Berliner Anwalt Peter Raue, dazu Experten von Polizei und Justiz sowie Kunst-Detektive. Der erste Teil „Alles wegen Wally“ von Ilka Franzmann erzählt auch von Maria Altmann. Im Mittelpunkt steht jedoch ein anderer Fall von NS-Raubkunst, der zudem die Frage stellt, ob hier Gerechtigkeit überhaupt hergestellt werden kann.

Das „Porträt der Wally“ von Egon Schiele, das einst ihrer Tante gehört hatte, entdeckte eine jüdische Familie Ende 1997 auf einer Ausstellung im MoMA - ein Kampf, in den zwei Staaten verwickelt sind und in dem Gesetze neu geschaffen werden, beginnt. Der Film zeigt auch Bezüge zum aktuellen Fall Gurlitt auf. Fälschungen abstrakter Gemälde der Malergötter Pollock und de Kooning und dem Niedergang der New Yorker Nobelgalerie Knoedler geht der zweite Teil „Knoedler und der Chinese“ (14. Juni, 23.05) von Carl von Karstedt nach. In „Göttin auf Abwegen“ (15. Juni, 23.10 Uhr) nimmt Sylvie Kürsten Raubgrabungen und Antikenschmuggel am Beispiel der Aphrodite des Getty-Museum Los Angeles in den Blick. Der vierte Teil „Die Kunst ist weg“ von Andreas Gräfenstein (16. Juni, 23.10 Uhr) thematisiert am Ende den größten Kunstraub deutscher Nachkriegsgeschichte: den Diebstahl dreier Meisterwerke aus einer Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn.