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Kriminalität

Kugelsichere Westen für Kinder als Geschäftsmodell

18.02.2013 | 18:18 Uhr
Kugelsichere Westen für Kinder als Geschäftsmodell
Kein Scherz: Miguel Caballero (links) überprüft die Qualität seiner Westen am lebenden Objekt.Foto: Reuters

Mexiko-Stadt.  Miguel Caballero verdient sein Geld mit Mexikos Kriminalitätsproblem. Der Schneider verkauft kugelsichere Westen. Auch für Kinder. Ein Tabubruch, mit dem sich trefflich Geld verdienen lässt. Nach den tödlichen Schüssen auf Schüler in Newtown sind vor allem Amerikaner unter Caballeros Kunden.

 Ein bisschen unwohl fühlt sich Miguel Caballero nach wie vor, wenn er von seiner neuesten Mode-Kollektion spricht. „Wir wissen, dass es ein Tabubruch ist, weil es um Kinder geht“, sagt der Kolumbianer und rutscht auf seinem Stuhl herum. „Aber wir sind nicht das Problem, wir bieten eine Lösung.“ Caballero erzählt von den vielen Hilferufen verängstigter Eltern in den USA, die ihn nach dem Massaker an 20 Schulkindern Mitte Dezember in Newtown erreichten. „Jeden Tag kamen ein Dutzend Mails“, behauptet er.

Der Schneider stattet seit Jahren Promis und Politiker mit kugelsicherer Haute Couture aus. Präsidenten, Scheichs, Unternehmer und Schauspieler tragen Anzüge, Westen und selbst gepanzerte Krawatten des Kolumbianers. Im Geschäft in Mexiko-Stadt empfängt er Kunden in einem diskreten, sichtgeschützten Verkaufsraum. In der Mitte ein Glastisch mit dem Unternehmens-Wappen. An den Wänden große Spiegel, an den Bügeln Hemden und Lederjacken mit dezenter Panzerung. Business-Mode für wichtige oder halbwichtige Erwachsene.

Kombination aus Schulranzen und klassischer Schussweste

„Kinder, das war auch für uns neu“, sagt der Unternehmer. Erst habe er gezögert, aber als die Mails immer weiter und weiter kamen, setzte er sich mit seinen Experten daheim in Bogotá ins Labor und an die Nähmaschine.

In nur zwei Wochen entwarfen sie „MC Kids“ – eine Mode-Kollektion aus vier Teilen. Sie heißen „T-Shirt Kids“, „Puffer Kids“, „Safety Vest“ und „V-Bag“. Dahinter verstecken sich ein kugelsicheres T-Shirt, eine klassische Schussweste für drunter sowie eine modische Weste für drüber, der man ihre Panzerung nicht ansieht.

Kostenpunkt: rund 150 Dollar pro Stück. Umgerechnet 112 Euro. Der Klassiker aber ist eine Kombination aus Weste und Schulranzen. Doppelt schusssicher – von hinten und von vorne. Der „V-Bag“ wiegt rund zweieinhalb Kilo und kostet 500 Dollar. „Man kann ihn im Ernstfall auch als Schutzschild vor sich halten“, sagt Caballero und schwört, dass seine Kleidungsstücke sogar den Beschuss durch eine Mini-Uzi aushalten, eine kleine israelische Maschinenpistole. Garantie gibt es bei Caballero auch. Fünf Jahre verspricht er auf die Schussfestigkeit seiner Mode.

Rat beim Kinderarzt eingeholt

Für die besonderen Anforderungen der Kleidung hat sich der Kugelfänger Rat beim Kinderarzt seiner eigenen Kinder geholt: „Bei Heranwachsenden liegen die lebenswichtigen Organe anders und sind weniger geschützt, und natürlich muss die Kleidung besonders leicht sein.“ So bestehen die Schutzeinlagen bei „MC Kids“ aus widerstandsfähigen synthetischen Stoffen wie Nylon, Aramid und Polyethylen, extra gepolstert mit einer Art Federung.

Ende Januar hat der erste Großhändler in den USA Ware für 70.000 Dollar geordert: „Nur der Anfang“, glaubt Caballero. Inzwischen seien bei ihm fast 600 Bitten verängstigter Eltern eingegangen.

Caballero ist der erfolgreichste Schneider Kolumbiens. Mit vier Angestellten und zehn von seiner Mutter gepumpten Dollar fing er 1992 an. Im ersten Jahr setzte er 17.000 Dollar um. Heute arbeiten in seinem Unternehmen 251 Näher, Designer, Verkäufer, Waffenexperten, und der Umsatz lag vergangenes Jahr bei 21 Millionen Dollar.

Filiale neben Hugo Boss

Caballero liefert seine Mode in 22 Länder. Abu Dhabi, Katar und Nordafrika sind die ertragreichsten Märkte, erst dann kommt Lateinamerika. Ideal sind für sein Unternehmen Märkte wie Mexiko, wo es viele Millionäre und Neureiche gibt, die gerne zeigen was sie haben. Hier hat er in einem der Reichenviertel von Mexiko-Stadt, zwischen Hugo Boss und einem Anbieter von Autopanzerungen, sein bisher einziges Geschäft außerhalb Kolumbiens eröffnet.

In diesen Tagen eröffnet er eine Filiale in der peruanischen Hauptstadt Lima. Denn der Markt für Hochsicherheitsmode, denen man ihr Geheimnis nicht ansieht, wächst rasant. Am Anfang waren vor allem Polizisten und Sicherheitsbeamte die Kunden von Caballero. Das ist lange vorbei. „Wir machen jetzt sogar Panzerungen für Privat-Hubschrauber“, sagt Caballero und lässt den Satz einen Moment im Raum stehen. „Gefahren und Verrückte lauern eben überall“, sagt er dann. Das habe man ja bei dem Massaker an der Grundschule gesehen.

Klaus Ehringfeld



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