Króls letzter „Tatort“

Frankfurt/Main..  Der Alkohol wird dem eigensinnigen „Tatort“-Kommissar Frank Steier (Joachim Król) zum Verhängnis. Der 54-Jährige quittiert den Dienst, nachdem der Angeklagte in einem Prozess um den Tod eines kleinen Mädchens frei gesprochen wurde. Steier ist der einzige Zeuge, der den Todesschützen überführen kann, doch seine Aussage erscheint dem Gericht nicht belastbar. Nach durchzechter Nacht stand er bei dem Einsatz noch voll unter Alkohol. Bevor der Ermittler aber aus der Polizei ausscheidet, durchlebt er im „Haus am Ende der Straße“ noch einen Psychothriller unter Desperados. Armin Rohde gibt darin als Ex-Polizist Rolf Poller den Ton an.

Die ARD strahlt den letzten „Tatort“ mit Król an diesem Sonntag um 20.15 Uhr aus. Es ist der zweite Solo-„Tatort“ mit dem vielfach ausgezeichneten Schauspieler. Zuvor war bereits Nina Kunzendorf als Steiers Kollegin Corinna Mey ausgeschieden. Das neue „Tatort“-Duo des Hessischen Rundfunks, Margarita Broich und Wolfram Koch, ermittelt am 17. Mai zum ersten Mal in „Kälter als der Tod“.

Theaterähnliche Stimmung

Das Mädchen, das während eines Verhörs im Frankfurter Gallusviertel von einer Kugel tödlich getroffen wird, geht Steier auch nach dem Prozess nicht aus dem Kopf. Er verfolgt den Todesschützen Nico Sauer (Maik Rogge) nach dessen Freispruch und erfährt dabei zufällig, dass dieser zusammen mit seinem Bruder Robin (Vincent Krüger) und dessen Junkie-Freundin Lisa (Janina Schauer) einen Einbruch plant.

Bei dem Einbruch in die Villa wird der überraschend zurückkehrende Hausbesitzer getötet. Dessen Nachbar, Ex-Polizist Poller, hat dies beobachtet und wird deshalb von dem Einbrecher-Trio verfolgt. Sie dringen in sein „Haus am Ende der Straße“ ein, denn zumindest Nico will den Zeugen unbedingt aus dem Weg räumen. Bei dem Versuch, Poller zu retten, wird Steier von ihm niedergeschlagen und zusammen mit den drei Einbrechern in das verwahrloste Haus gesperrt.

Schuldgefühle, Selbstjustiz, Skrupellosigkeit und Sucht sind die Eckpunkte des spannenden Psychothrillers, der sich in Pollers Haus entwickelt - während im Präsidium über Häppchen und Plakate für Steiers Abschied nachgedacht wird. Die Einbrecher und der Ermittler sind dem verzweifelten Ex-Polizisten Poller, seinen Vorstellungen von Gut und Böse („Die Welt ist schlecht“) und seinen entlarvenden Tests ausgeliefert.

Großartig dabei vor allem die von Schuldgefühlen und Alkoholproblemen geplagten Protagonisten Król und Rohde. Steier will wieder „Held im eigenen Film sein“. Für Poller dagegen ist dieser Versuch gescheitert: „Mein Film läuft schon lange nicht mehr.“

Die schauspielerische Leistung sorgt für eine dichte, mitunter theaterähnliche Stimmung. Die kontrastreichen und pointierten Bilder von Kameramann Armin Alker und die Musik von Filmkomponist Thomas Mehlhorn sorgen ebenfalls für einen packenden Abgang Króls.