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Krawalle und Brandstiftungen erschüttern Vororte von Stockholm

22.05.2013 | 18:58 Uhr
Krawalle und Brandstiftungen erschüttern Vororte von Stockholm
Feuerwehrmänner löschen ein brennendes Auto in Stockholm.Foto: reuters

Stockholm.   Krawalle haben in der Nacht zum Mittwoch mehrere Vororte von Stockholm erschüttert. Jugendliche fackelten Autos ab und attackierten Polizei und Rettungskräfte, teilten die Behörden mit. Eine Schule und ein Kindergarten seien durch die Brände ebenfalls beschädigt worden.

Das malerische Stockholm hat eine Kehrseite. Während die einheimischen Schweden fast ausschließlich in der wohlhabenden Innenstadt und einigen beschaulichen Vororten wohnen, kommen Einwohner mit südländischem Hintergrund normalerweise nur zur Arbeit in die Stadt. Nach Dienstschluss verschwinden sie wieder in ihren deprimierenden Beton-Vororten.

Normalerweise ist es dort sehr ruhig. Doch seit drei Nächten brennen Schulen und Autos, öffentliche Plätze werden verwüstet. Die Polizei muss anrücken, um die Löscharbeiten der Feuerwehr zu beschützen. Erwachsene, Jugendliche und sogar zwölfjährige Kinder stehen herum und schmeißen Steine auf Beamte und Feuerwehrleute.

„Die zünden irgendwo was an. Die Feuerwehr kommt zum Löschen. Die Polizei muss dann die Feuerwehr schützen. Dann fliegen die Steine, und der ganze Zirkus zieht weiter“, beschreibt Polizeisprecherin Diana Sundin die vergangenen Nächte.

Die Krawallalle begannen im Vorort Husby

Begonnen hatte der Aufruhr in der Nacht zum Montag im Vorort Husby. Die Polizei schritt in Kampfanzügen ein. Zwischen 50 und 100 Krawallmacher zählten die Ordnungshüter. In den folgenden Nächten weiteten sich die Ausschreitungen auf weitere Vororte Stockholms aus. 30 Autobrände und zahlreiche brennende Mülltonnen meldete die Polizei am Mittwoch. Zudem wurde ausgerechnet im Stockholmer Stadtteil Skärholmen – als Vorbild für Integration auserkoren – eine Schule angezündet. In Husby standen eine Vorschule sowie ein Kunst- und Handwerks-Vereinsgebäude in Flammen. Acht Menschen nahm die Polizei am Mittwoch fest.

Fahd Luyomba, Gründer eines Jugendzentrums in Husby, hält die Perspektivlosigkeit vieler Einwanderer für den Hauptgrund dieser Situation. „Hier herrscht enorme Arbeitslosigkeit und keinerlei Zukunftshoffnung.“ Dennoch gilt ein Polizeieinsatz in Husby vor einer Woche, bei dem ein 68-jähriger Einwanderer von der Polizei erschossen wurde, als auslösender Faktor. Der Mann hatte sich in einer Wohnung mit einer Machete verbarrikadiert. Er soll offensichtlich psychisch krank gewesen sein.

Augenzeugen kritisieren das Vorgehen der Polizei

Die Polizei versuchte, ihn zum Aufgeben zu bewegen. Dann stürmten Beamte die Wohnung. Der 68-Jährige lief mit der Machete auf sie zu. Einer der Polizisten drückte – angeblich zu schnell – ab und tötete den Mann. Die Stockholmer Vororte gelten im Gegensatz zu denen in London oder Paris nicht als besonders gefährlich. Augenzeugen äußerten sich in den Medien negativ über das Vorgehen der Polizei. Die Polizisten hätten die jugendlichen Krawallmacher noch mit rassistischen Sprüchen wie „Neger, Affen und Ratten“ angestachelt.

Im Zuge ihrer Deeskalationsstrategie reagierte die Polizei sofort mit einer Selbstanzeige, um den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe zu prüfen. Andere kritisieren hingegen die Randalierer. „Die machen den Rassismus in Schweden nur noch schlimmer. Diese Idioten“, schimpfte ein Mädchen gegenüber dem schwedischen Radio SR.

Der rechtsliberale Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt will sich verstärkt um die Themen Schule und Berufschancen kümmern. Zunächst gelte es aber, durch erhöhte Polizeipräsenz in den Problemvierteln Recht und Ordnung wiederherzustellen. Die sozialdemokratische Opposition kritisierte Reinfeldt. Der habe nichts für die Einwanderer getan. Seit seiner Amtsübernahme 2006 habe er vor allem Steuern für Unternehmen gesenkt, statt den Schwachen zu helfen. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten fordern weniger Einwanderung.

Andreé Anwar



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