Königin Silvia freut sich auf ihr Leben als Großmutter

Königin Silvia von Schweden bekam am Samstagabend einen Steiger-Award für ihr gesellschaftliches Engagement für Kinder. Auch privat dreht sich bei der Königin zurzeit alles um ein Kind - Enkelin Estelle.
Königin Silvia von Schweden bekam am Samstagabend einen Steiger-Award für ihr gesellschaftliches Engagement für Kinder. Auch privat dreht sich bei der Königin zurzeit alles um ein Kind - Enkelin Estelle.
Foto: Bernd Lauter/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit Jahren engagiert sich Königin Silvia von Schweden für Kinder in Not - dafür bekam sie am Samstagabend in Bochum einen Steiger-Award. Beim Interview war dann aber auch ein ganz spezielles Kind Thema: Prinzessin Estelle, die erste Enkelin der 68-jährigen Monarchin.

Bochum.. Majestät, wir wollen ja heute eigentlich über Ihr ehrenamtliches Engagement sprechen. Aber zunächst doch mal einen ganz herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Enkelin. Ist sie süß, die Estelle…?

Königin Silvia: Oh ja, sehr süß, sehr süß. Ganz entzückend, wie ja alle Großmütter sagen. Aber vor allem sind wir natürlich froh, dass alles gut gegangen ist. Das war ja unsere Sorge. Aber dem Kind und der Kronprinzessin geht es gut. Sehr gut - von Anfang an. Das ist sehr beruhigend.

Ist die Kleine lieb, oder schreit sie viel?

Königin Silvia: Oh, da ist sie wie jedes Kind: Sie schreit, wenn sie meint, sie müsste schreien. Ansonsten ist sie eigentlich sehr lieb.

Für Sie ist es eine neue Rolle, Großmutter zu sein. Wie ist das für Sie?

Königin Silvia: Jemand hat mir gesagt, Enkelkinder sind das Dessert des Lebens. In diesem Sinne freue ich mich sehr, auf das, was kommt.

Childhood Foundation unterstützte 600 Organisationen und Projekte

Wendet sich die Kronprinzessin mit Fragen an sie?

Königin Silvia: Natürlich – ich habe drei Kinder großgezogen...

Die Kinder – darum geht es Ihnen ja auch bei Ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Warum gerade um Kinder?

Königin Silvia: Das hat sich mit der Zeit herauskristallisiert. Ich bin ja viel gereist, habe viel gesehen. Die Sorgen, die Tragödien der Kinder. Ich habe mit Menschen gesprochen, die sich solcher Fälle annehmen und gemerkt, wie schwierig es ist, die Aufmerksamkeit auf das Problem von sexuellem Missbrauch zu ziehen. Da wollte ich gerne helfen. Ich erinnere mich, vor zwölf Jahren, in Brasilien, hab ich mich mit Freunden gesprochen über die Kinder dort und die Probleme und mich dann entschieden, in die Richtung zu arbeiten. Seither haben wir mit der Childhood Foundation, und da bin ich sehr stolz drauf, 600 Organisationen und Projekte unterstützen können. Wir machen ja keine eigenen, sondern unterstützen die, die mit Rat und Tat, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen. Das ist eine große Aufgabe.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Königin Silvia: Nein, das kann ich so nicht sagen. Jedes Land hat seine eigenen Probleme, seine eigene Kultur. Aber wenn man Kindern spricht und sieht, dass sie doch wieder an die Zukunft glauben können, dass wieder ein Licht in ihren Augen leuchtet, dann ist das immer etwas ganz besonderes.

"Man darf nicht aufgeben"

Ist es nicht auch deprimierend? Die Not ist so groß…

Königin Silvia: Ja, aber man darf nicht aufgeben. Und wenn man helfen kann, wenn man Zukunft geben kann, dann gibt das Kraft. Was traurig macht, ist, dass die Zahl der Kinder in Not so groß ist. Und wir beobachten mit Sorge, dass der Kinderhandel stark zugenommen hat.

Ist es in den Jahren leichter geworden um Spenden oder Helfer zu werben – oder eher schwerer?

Königin Silvia: Es ist so: Vor 15 Jahren hat keiner über das Thema sexueller Missbrauch sprechen wollen. Man hat das Problem nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Deshalb ist es gut und wichtig, dass es jetzt wirklich auf der Tagesordnung steht. Aber man muss sich fragen, ob es auch deshalb dort steht, weil es größer geworden ist… Aber sicher ist: Wenn es nicht auf Tagesordnung steht, dann kann man nicht helfen.

Wenn sie einen Wunsch formulieren könnten, wie wäre der?

Königin Silvia: Ich würde mir wünschen, dass man aufmerksam ist. Dass man nicht die Augen schließt, wenn ein Kind in Not ist. Dass man zur Polizei geht, dass man versucht zu helfen. Damit die Kinder merken, dass man sie ernst nimmt. Und dass man ihnen glaubt, wenn sie erzählen, dass sie missbraucht worden sind.

Steiger bringt denen Licht, die im Dunklen sind

Sie bekommen viele Preise, viele Orden. Was bedeutet Ihnen der Steiger-Award?

Königin Silvia: Ich freue mich sehr darüber. Der Steiger ist ja ein interessanter Mann. Der Steiger hat die Verantwortung, seine Kumpel sicher ans Tageslicht zu bringen. Das ist ungefähr wie Situation der Kinder, die im Dunkeln sind, in Verzweiflung: Dass man denen ein Licht bringt - so sehe ich heute den Steiger, den ich empfangen darf.

Wenn Sie nach Deutschland reisen: Ist das für Sie inzwischen fremd oder ein bisschen wie nach Hause kommen?

Königin Silvia: Nach Hause kommen. Wissen Sie, es ist ein bisschen so, wie wenn man ein Kind bekommt und man liebt es. Doch wenn man das zweite bekommt, fragt man sich, ob man das genauso lieben kann. Und beim dritten wieder. Aber: Die Natur hilft. Und genauso ist es bei mir: Ich bin in Brasilien aufgewachsen, in Deutschland zur Schule gegangen, jetzt lebe ich in Schweden. Das zu vereinen, das geht sehr gut. Und deswegen ist Deutschland für mich wie nach Hause kommen.

Vielen Dank!