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Klinik-Aufsicht zieht Konsequenzen aus Münchner Organspendeskandal

07.10.2012 | 12:51 Uhr
Foto: /dapd/Lennart Preiss

Nach dem Transplantationsskandal am Klinikum rechts der Isar in München wird der Klinikbetrieb umstrukturiert. Diese Konsequenz teilte am Wochenende Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) als Aufsichtsratsvorsitzender nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums mit. Demnach wird die Transplantationsmedizin aus der Klinik herausgelöst.

München (dapd). Nach dem Transplantationsskandal am Klinikum rechts der Isar in München wird der Klinikbetrieb umstrukturiert. Diese Konsequenz teilte am Wochenende Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) als Aufsichtsratsvorsitzender nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums mit. Demnach wird die Transplantationsmedizin aus der Klinik herausgelöst. Stattdessen solle ein selbstständiges Zentrum für Transplantationsmedizin eingerichtet werden. "Rechts der Isar" ist das Uni-Klinikum der TU München.

An dem Haus sollen Mediziner Diagnosedaten gefälscht haben, um Patienten zu einer Lebertransplantation zu verhelfen. Damit wäre in Bayern nach dem Transplantationszentrum in Regensburg ein zweites Universitätskrankenhaus vom Skandal um manipulierte Organspenden betroffen.

Heubisch betonte: "Der Aufsichtsrat behält sich weitere Schritte abhängig von den Ergebnissen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowie der Prüfungskommission der Bundesärztekammer vor." Der Aufsichtsrat habe "organisatorische und kommunikative Defizite im Bereich der Lebertransplantation am Klinikum rechts der Isar festgestellt".

Direktor soll belastendes Protokoll zurückgehalten haben

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, dass ein Abteilungsleiter am Klinikum rechts der Isar offenbar seit mehr als zwei Jahren von kriminellen Machenschaften im Zusammenhang mit einer Lebertransplantation wusste, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen. Wie eine Kliniksprecherin bestätigte, hatte der Arzt ein Gedächtnisprotokoll, das eine Organschieberei im Jahr 2010 entlarvt, unter Verschluss gehalten.

Einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" zufolge ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München I gegen vier Chirurgen vom Klinikum rechts der Isar. Demnach dreht es sich um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung wegen eines ärztlichen Kunstfehlers. Dem Bericht zufolge geht es um einen Patienten, der im vergangenen Sommer während einer Lebertransplantation auf dem Operationstisch verstarb. Jetzt solle geprüft werden, ob die behandelnden Ärzte möglicherweise eine Herzschwäche des Patienten übersehen hatten.

Ministerium will alle Kliniken kontrollieren

Das Wissenschaftsministerium in München bestätigte am Wochenende außerdem, dass noch im Oktober eine bereits im Sommer beschlossene Inspektion aller Transplantationszentren in Bayern beginnen wird. Die Kontrolle soll nach einem Bericht des Magazins "Focus" von dem Wiener Chirurgen Ferdinand Mühlbacher geleitet werden. Er sagte dem Magazin, es sei fraglich, warum "eine Stadt wie München" zwei Transplantationszentren benötige.

Angesichts der immer neuen Manipulationsfälle besteht die CSU auf einer umfassenden Neuregelung der Organspende. Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) forderte nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" in einem Brief an Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine staatliche Aufsicht über die Organisation von Organspenden und eine staatliche Beteiligung bei der Festlegung der Richtlinien für die Organvergabe.

dapd

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