Kirchensprecher finden Schoko-Jesus geschmacklos
27.11.2008 | 16:19 Uhr 2008-11-27T16:19:00+0100Essen/Duisburg. Mit seiner Jesusfigur aus Schokolade füllt der Duisburger Frank Oynhausen eine kulinarisch-religiöse Marktlücke. Die ersten Prototypen sind bereits im Internet zu bestellen. Darf man da rein beißen? Kirchensprechern bereitet schon der Gedanke Bauchschmerzen.
Advent: Die Straßen erleuchtet, die Schaufenster voller Plüsch-Rentiere, Weihnachtsmänner ziehen wiegenden Schrittes die Mittelgänge der Einkaufszentren entlang. In den Ohren hat sich bereits vor Wochen der rotwangige Musikschulchor mit der „Weihnachtsbäckerei“ festgesetzt. So war es immer in den vergangenen Jahren. Doch dieses Fest soll anders werden. Dank Jesus.
Jesus mit Patent
Denn der Heiland ist jetzt patentiert und aus Schokolade. Der „Original GoldJesus®“ soll den Blick zurück lenken auf seinen Namensgeber, auf die Menschwerdung des Göttlichen, auf die Verkörperung der Liebe, auf weihnachtliche Werte. Damit die Leute auch hinschauen, hüllt sich der Original GoldJesus® in eine Goldfolie, die ihm „eine besonders hochwertige Optik“ verleihen soll. So beschreibt es jedenfalls der Hersteller. Wer ihn auspackt, hält hundert Gramm Vollmilchschokolade in Händen, die ihn mit einem „liebevollen, kämpferischen Gesichtsausdruck“ anschauen.
„Blasphemie!“, empören sich die einen. „Kitsch“, winken die anderen verächtlich ab. Als einen Beitrag zur Debatte um religiöse Werte will es der Erfinder verstanden wissen. Frank Oynhausen ist studierter Soziologe und ehemaliger Recycling-Unternehmer. Der evangelischen Kirche hat er sich während seiner 54 Lebensjahre stets verbunden gefühlt und er ist eifrig bemüht, das mit den Stationen seines religiösen Werdegangs zu belegen: Auf die Konfirmation folgte 1973 die Kriegsdienstverweigerung aus religiös-ethischen Motiven. Den Zivildienst leistete er selbstverständlich in einer Kirchengemeinde, trug sich mit dem Gedanken an ein Theologiestudium, gab dann aber der Soziologie den Vorrang. Ja, sagt Oynhausen, er sei ein religiöser Mensch.
Die Kirchen sind nicht angetan
Allerdings: „Was die Kirche aus Jesus über die Jahrhunderte gemacht hat, das ist nicht mein Ding. Für mich ist Jesus ein kämpferischer Mensch.“ Oynhausen ist das ebenfalls, wie auch nicht anders zu erwarten von jemandem, der sich um einer Schokofigur willen mit den Autoritäten anlegt. Die finden die Idee nämlich gar nicht süß.
„Wenn die Schokolade so geschmacklos ist wie die Geschäftsidee, würde ich sie nicht kaufen“, presst Andreas Duderstedt von der Pressestelle der Evangelischen Kirche von Westfalen grimmig hervor. Und nein, er sei auch nicht bereit, das auszuführen. Das erkläre sich wohl von selbst. Außer empörtem Schnauben ist von ihm keine weitere Stellungnahme zu haben. Zu anderen Themen natürlich gern.
Nur keinen „Schmunzel-Jesus“
Der katholische Kollege vom Erzbistum Paderborn, Ägidius Engel, schickt zwar einen milden Seufzer voraus ob der Publicity, die das unliebsame Schokoprodukt dieser Tage erfährt. Seine Einwände führt er dennoch aus: „Theologische und religionspädagogische Bauchschmerzen“ bereite ihm der Vollmilch-Jesus. Gott komme „uns seit 2000 Jahren in Form der Hostie auf die Zunge. Ich will nicht in hundert Jahren einen Schmunzel-Jesus essen.“
Auch die Laienbewegung „Wir sind Kirche“ schätzt das Produkt als „fragwürdig“ ein: „Jesu Botschaft ist eine „Frohe Botschaft“, sie ist nicht alt und verstaubt, aber auch nicht schokoladensüß und sie zergeht nicht leicht auf der Zunge.“
Fair Trade und Bio
Kirchensprecher Engel sieht den schokoladigen Gottessohn gar schon im Regal stehen zwischen Osterhasen und Weihnachtsmännern oder im Andenkenladen zwischen den Bergen anderen „Glaubenskitsches“. Ja, mancher Wallfahrtskram mache ihm „genauso Bauchschmerzen“. „Ich bin für die Armen und Entrechteten ans Kreuz geschlagen worden und die Leute machen einen Schoko-Jesus aus mir“, bringt er es auf den Punkt.
An dieser Front sieht Oynhausen keine Gefahr: „Unser Jesus wird nicht schmunzeln.“ Nein, der Erfinder betrachtet seine Initiative als Schützenhilfe für „die Werte, die Jesus lehrte und lebte.“ „Nächstenliebe, Verantwortungsbewusstsein, Solidarität, Ehrlichkeit und eine Erziehung zu diesen Werten“. So ist es auf der Homepage zum Produkt nachzulesen und zur Sicherheit heißt es dort auch, dass diese Normen nicht dem Abendland vorbehalten seien. Klar, dass der Serien-Jesus aus fair gehandelter Bio-Schokolade hergestellt wird. „Was anderes passt auch gar nicht“, befindet Oynhausen.
Geschäft steht nicht im Vordergrund
Die Idee zum Produkt, so will es der Entstehungsmythos, ist gleichfalls aus einer ethischen Debatte entstanden. Auf dem Kaiserberg in Duisburg-Düssel, wo die Anwohner ihre Vierbeiner ausführen, disputierte der Soziologe beim Gassigehen mit einem emeritierten Professor über den Wandel der Werte und die Beliebigkeit derselben. „Solch eine Wertediskussion neu zu beleben, das wär’ es doch!“, dachte sich Oynhausen. Eine religiöse Figur als Stolperstein beim adventlichen Einkaufsbummel… „Das Geschäft stand überhaupt nicht im Vordergrund“, beteuert der Duisburger. Mit der raschen Nachfrage habe er „nicht gerechnet“.
Die Produktion findet derzeit noch in „aufwändiger Handarbeit“ statt, zu haben sind die Prototypen für 15 Euro das Stück. Produziert sind bisher Exemplare „im kleinen dreistelligen Bereich“, teilt der Fabrikant mit. Anfragen liegen aber laut Oynhausen für etwa tausend vor, man kommt kaum nach und denkt über rasche Investitionen in die Serienproduktion nach.
Zustimmung auch aus religiösen Kreisen
Vereinzelt besteht sogar in religiösen Kreisen Interesse: Eine niedersächsische Kirchengemeinde hat schon eine Bestellung aufgegeben. Und ein Theologe aus dem Saarland, als Pfarrer Angestellter der Pfälzischen Landeskirche, bloggt den beiden gar aus der Seele, wenn er im Internet-Tagebuch schreibt: „Lieber als dieser seltsame Typ im roten Mantel mit weißem Fellbesatz, der einen großen Sack auf dem Rücken trägt, manchmal im glitzernden Cola-Laster angefahren kommt, und nicht viel mehr zu sagen hat als: „Ho Ho Ho – also, lieber als dieser Typ wär’ mir der Schokojesus allemal.“
Da ist Oynhausen ganz einverstanden: „Am liebsten wäre es mir, wenn der Goldjesus den Weihnachtsmann ganz verdrängt.“ Das bleibt abzuwarten. Ebenso wie die religiös bedingten „Bauchschmerzen“ orthodoxer Popen. Denn in den nächsten Tagen will das russische Fernsehen einen Beitrag zum Thema drehen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dereinst Schoko-Ikonen in Moskauer Süßwarenabteilungen. Jünger sind jedenfalls schon angedacht.
11:45
Hm, Schokolade macht dick, ist also nix für Frauen.
Ich finde, man sollte den Typen in Gummi giessen, nen kleinen motor einbauen, welcher das Ding zum vibrieren bringt und Ihr Kinderlein kommet, abspielt.
Das ganze dann Weihnachtsvibrator verkaufen.
Wäre bestimmt der Hit.
12:07
den lattenjupp bitte in bitter schokolade mit 70%
12:39
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16:16
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. In der katholischen Messe wird der Leib Jesu zu Brot (Oblaten, als Brotersatz etwas dürftig) und sein Blut zu Wein, und beides wird verzehrt, jeweils in der zweiten Variante. Warum geht man nicht mit der Zeit und verknuspert einen Schokojesus, gefüllt mit Orangenlikör? Damit schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, und die Kirchen wären wieder voll.
15:04
Angriffe auf das Christentum hat gibt es schon seit mehr als 2000 Jahren, aber das Christentum hat bis heute überlebt und wird auch weiter überleben.
Jesus: Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte werden nicht vergehen.
14:08
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01:49
...wenn ich wüßte, dass da ein leckerer Brandy drin ist...?
23:42
Der Papst hat sich noch nicht geäüßert ... ist wohl z.Z. wieder damit beschäftigt, die pädophilen Gewohnheiten bzw. Neigungen seiner Amtsbrüder zu vertuschen ....
21:45
Am besten mit Kirschfüllung,damit der Schokojupp auch beim abbeißen auch schön suppt.
21:39
Und zu Ostern den Lattenjupp® anstelle des Osterhasen in Schoko
...jo das schaffen wir! :-D