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Kirchengemeinde macht Geld aus Dreck

01.10.2008 | 18:39 Uhr

Bräunlingen. (ddp) Aus Dreck "Gold" machen - zumindest in Bräunlingen im Schwarzwald wird dieser alte Alchimistentraum wahr.

Die Fledermäuse bezahlen den Aufenthalt in der Kirche mit dem Dreck, den sie hinterlassen. (Fotos: ddp)

Und das auch noch auf einem Kirchturm mit den wenig wohlriechenden Hinterlassenschaften von etwa 150 Fledermäusen: Im kleinen Bräunlinger Teilort Döggingen im Südbadischen machen clevere Kirchenleute und Naturkundler ein gutes Geschäft mit dem Geschäft der Gattung Große Mausohr-fledermaus. Deren Exkremente sind als Dünger sehr begehrt und bringen der verschuldeten Kirchengemeinde einige dringend benötigte Euro ein.

Eine große Kolonie der Tiere lebt seit Jahrzehnten unter dem Kirchturmdach von St. Mauritius und zieht dort seinen Nachwuchs groß. "Von März bis Oktober nutzt die Große Mausohrfledermaus den Turm als Unterschlupf und hinterlässt dort ihren wertvollen Kot. Den verkaufen wir als Guano zu 15 Euro das Kilogramm", sagt der katholische Pfarrer Walter Eggert. Seinen Angaben zufolge haben ein paar junge Männer aus der Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren bereits gut 60 Kilogramm vom Dachboden zusammengekratzt. "Wir verkaufen den Dung jetzt in der Gemeinde und auch darüber hinaus", berichtet der Pfarrer.

Besonders die Geranienfreunde schwören auf die Wirkung der Fledermaus-Hinterlassenschaften. Auf die Idee, den Kot gewinnbringend an Pflanzenfreunde zu bringen, kam der Vorsitzende des Dögginger Pfarrgemeinderates, Gerhard Altmann. Der Naturschutzbeauftragte Hans-Peter Straub vom Landratsamt in Villingen-Schwenningen hatte ihm bei einer Besichtigung der Fledermauskolonie erzählt, dass man den Dung als Guano verwenden kann. "Weil die Dögginger Kirchengemeinde ihre Kirche sanieren ließ und wir nach wie vor unsere Schulden abbezahlen müssen, sind wir auf die Idee gekommen, diesen Dung kiloweise abzupacken und zu verkaufen", sagt Altmann.

"Kaffeelöffelweise" soll man den Dünger anwenden, um Überdüngung zu vermeiden, rät Altmann. Auch im Wasser lässt sich das Dögginger Naturprodukt auflösen und stark verdünnt in die Blumenkästen gießen. Aus der Umgebung und selbst schon aus der benachbarten Schweiz sollen bereits Kunden angereist sein, um sich mit Dögginger Fledermausguano einzudecken. "Beim Patroziniumsfest am 22. September haben wir etwa 50 Päckchen verkauft und damit etwa 750 Euro verdient", freut sich Altmann. Den Rest werde man in den nächsten Wochen "auch noch losschlagen". Denn jetzt sei eine besonders günstige Zeit zum Düngen: "Wenn alles abgeerntet ist, ist unser Guano besonders wirksam."

Die Mausohrfledermäuse, die für die außergewöhnliche Geldquelle sorgen, stört das geschäftige Treiben um sie herum offenbar nicht. Wer die Treppe zum Kirchturm hinaufsteigt, kann mitunter ein ganz leises Piepsen hören. "Die Fledermäuse fliegen abends rein und raus und finden es vielleicht sogar schön, wenn ihnen mal jemand das Klo putzt", mutmaßt der Kirchenmann.

Von Martin Himmelheber

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