Kinder wollen Lieblingsprogramm überall und zu jeder Zeit

Die Pinguin-Gang aus "Madagascar" hat eine eigene Serie - sie läuft bei Nickelodeon.
Die Pinguin-Gang aus "Madagascar" hat eine eigene Serie - sie läuft bei Nickelodeon.
Foto: Nickelodeon
Was wir bereits wissen
Bewegte Bilder bleiben. Aber der Übertragungsweg nicht. Die Kinder von heute – sie wachsen nicht mehr mit dem TV-Gerät. Sie bevorzugen vielmehr das Tablet. Forscher haben herausgefunden, dass das ganz junge Publikum sein Lieblingsprogramm überall und zu jeder Zeit sehen will.

Köln.. Wochenende, Ferienzeit und das Wetter ist durchwachsen. So sehen sie aus, die idealen Bedingungen für TV-Sender, die ihr Programm in erster Linie für Kinder ausstrahlen. Und davon gibt es immer mehr. In Köln hatte die Medienagentur "HMR International" deshalb jetzt zu einer Tagung über die Zukunft des Kinderfernsehens eingeladen.

Früher war die Sache ja noch übersichtlich. Da kam in der ARD Dr. Ilse Olbrig mit ihrer Kinderstunde, in der gezaubert wurde oder in der der Kinderchor "Zwitscherling" fröhliche Lieder sang.

Und obwohl es Kinderstunde hieß, dauerte die Sache gerade einmal 30 Minuten. Und weil auch nicht jeden Tag Platz im Programm war, gab es im ganzen Jahr gerade einmal 100 Stunden TV-Unterhaltung für die lieben Kleinen. Heute sind es 72 Stunden am Tag – Tendenz steigend.

Konkurrenz durch Videoportale

Denn bereits im frei empfangbaren Fernsehen gibt es mit dem Marktführer Super-RTL, dem knapp dahinter liegenden Kinderkanal, Nickelodeon und dem Disney-Channel, vier Sender, die ausschließlich oder überwiegend bunte Bilder für Kinder senden. Und am Horizont rücken bereits Internet-Videoportale wie Netflix, Watchever oder Amazon Fire näher.

Kinder-TV Fernsehen, sagt Johanna Karsenty vom französischen Marktforschungsinstitut Mediametrie, sei längst nichts Besonderes mehr für Kinder. „Es gehört einfach zu ihrem Alltag.“ Aber in dem ist zu wenig Zeit für das immer größer werdende Angebot. „In den Kinderzimmer tobt deshalb eine Schlacht um Aufmerksamkeit“, hat Karsenty festgestellt.

Super-RTL sieht sich dafür gewappnet, obwohl der Sender mit Disney jüngst einen seiner wichtigsten Programmlieferanten verloren hat. Wissenssendungen, Neuauflagen von Serienklassikern und viel Material von Dreamworks Animation sollen diese Lücke schließen.

Super-RTL wir „provokativer“

Künftig werde es bei Super-RTL „provokativer“ zugehen, kündigt Programmdirektor Carsten Göttel an und spricht von einem neuen Image seines Senders. Das dürfte im Zweifel etwas bunter und lauter werden, als das alte. Kein „Es war einmal“, wie bei Disney-Produktionen, sondern mehr das "Was wäre wenn"-Motto von Dreamworks, dass man aus Filmen wie "Shrek" oder "Madagascar" kennt.

TV-Konsum Aber der Inhalt des Programms macht ja nur einen Teil des Erfolges aus. Mindestens ebenso wichtig ist nach Ansicht vieler Experten, wo, wann und wie der Nachwuchs schaut. Bei den deutschen Kindersendern will man zwar vom klassischen Fernsehen mittelfristig nicht abrücken aber Karsenty hält feste Sendezeiten bald schon für überholt.

„Kinder wollen zu jeder Zeit, wo immer sie sind und auf jedem Gerät ihr Lieblingsprogramm schauen können.“ Auch ein Grund dafür, dass sich die meisten Jungen und Mädchen nach einer Mediametrie-Umfrage derzeit nichts mehr wünschen, als ein internetfähiges Tablet – einen flachen, kleinen Computer mit berührungsempfindlicher Oberfläche.

„Kinder erwarten Interaktivität“

Darauf kann man nicht nur Fernsehen gucken, darauf kann man auch auf Fernsehen reagieren. Und das mögen junge Zuschauer angeblich. „Kinder erwarten Interaktivität“, sagt Marc Goodchild, Produzent aus England, wo sich das Kinderfernsehen schon mehr auf die Wünsche seiner Zuschauer eingestellt hat, als die deutschen Sender.

Spezielle Serien gibt es dort, deren Verlauf sich via Tablet oder Smartphone verändern oder vertiefen lässt. "Second Screen" nennen Experten es, wenn beim Fernsehen ein zweiter Bildschirm genutzt wird. Für Kinder und Jugendliche muss man da aber möglicherweise bald umdenken.

Cheryl Taylor vom britischen Sender CBBC will jedenfalls nicht ausschließen, dass der Fernseher für diese Generation nur noch der Second Screen wird, der nebenbei läuft, denn: „Mit Tablet oder Handy lassen sich viel interessantere Sachen machen.“