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Keshas Kampf für Freiheit löst Welle der Solidarität aus

25.02.2016 | 05:33 Uhr
Keshas Kampf für Freiheit löst Welle der Solidarität aus
Sängerin Kesha will aus dem Vertrag mit ihrem Produzenten aussteigen, sie wirft dem Mann vor, sie sexuell missbraucht zu haben.Foto: dpa

New York.   US-Sängerin Kesha wirft ihrem Produzenten Missbrauch vor und will aus dem Vertrag raus. Taylor Swift und Lady Gaga unterstützen sie im Rechtsstreit.

Aufstand der weiblichen Popstars: Durch die Musikwelt rauscht eine Welle der Solidarität für Kollegin Kesha (28). Die Sängerin will aus ihrem Vertrag mit dem Plattenlabel des Topproduzenten Lukasz Gottwald (42) alias Dr. Luke aussteigen. Im Oktober 2014 schon hatte sie ihren Förderer verklagt. Dr. Luke habe sie jahrelang beleidigt, bedroht, bedrängt, einmal sogar vergewaltigt. Er bestritt die Vorwürfe, reagierte mit einer Verleumdungsklage. Letzte Woche die Niederlage. Eine New Yorker Richterin schmetterte Keshas einstweilige Verfügung ab. Sie muss mit Dr. Luke sechs weitere Alben aufnehmen.

Sofort ging ein Aufschrei unter jungen Musikerinnen los: Bemerkenswert in einer Branche, in der es gilt, sich nicht mit den Großen anzulegen. Grammy-Abräumerin Taylor Swift (26) etwa spendete der auch finanziell ruinierten Kesha 250 000 Dollar für den Prozess. „Ich verneige mich vor deinem Mut“, schreibt Lady Gaga (29) im Internet. „Es tut mir leid, dass du dieses Erlebnis ertragen musstest“, schreibt Lily Allen (30).

"Was Kesha passiert, zeigt, wie das Rechtssystem Frauen verletzt"

Andeutungsvoll gibt sich Kelly Clarkson (33), die ebenfalls mit Dr. Luke zusammengearbeitet hat: „Wenn ich nichts Nettes über eine Person sagen kann, sage ich nichts. Also sage ich nichts zu Dr. Luke.“ Schauspielerin Lena Dunham (29, „Girls“) sieht den Fall politisch: „Was Kesha passiert, zeigt, wie das amerikanische Rechtssystem Frauen verletzt. Es versagt darin, sie vor den Männern zu beschützen, die sie als ihre Peiniger identifiziert haben.“

Miley Cyrus (23), Britney Spears (34), Katy Perry (31): Dr. Luke hat sie alle gefördert. Manch eine blieb im unerbittlichen Spiel um Aufmerksamkeit und Geld auf der Strecke. So wie Kesha. Dr. Luke nahm die Schulabbrecherin als 18-Jährige unter seine Fittiche, verpasste ihr ein aggressives Rotzgören-Image, machte aus dem S in ihrem Namen ein Dollarzeichen. Die Strategie ging auf: 2009 landet sie mit „Tik Tok“ einen weltweiten Nummer-eins-Hit; 33 Millionen Platten verkaufte sie insgesamt. Dann der Absturz: Alkohol, Essstörung, Klinik.

Jurist vergleicht den Fall mit Missbrauchsklagen gegen Cosby

Jetzt will Kesha nur noch raus aus dem Vertrag mit Dr. Lukes Plattenlabel Kemosabe Records, einer Tochterfirma des Giganten Sony. Doch der Vertrag, so die Richterin, sei hart verhandelt und für die Industrie typisch. Den könne sie nicht schwächen. Und was die angebliche Vergewaltigung angeht? Da fehlten ihr die medizinischen Atteste. Kesha brach in Tränen aus. „Ich weiß, dass ich nicht mit Dr. Luke arbeiten kann“, hatte Kesha in ihrem Antrag geschrieben. „Ich fühle mich in keinerlei Hinsicht sicher.“

Keshas Anwalt Mark Geragos will weiterkämpfen. Er ist sich sicher, dass sich bald noch mehr Opfer melden werden. Der Jurist vergleicht seinen Fall mit den Missbrauchsklagen gegen Bill Cosby (78). „Dr. Luke ist ein rachsüchtiger, bösartiger Mann“, sagt er.

Kesha "wird nie ein ärztliches Attest haben"

Nach der angeblichen Vergewaltigung ging Kesha nicht zur Polizei, sie machte den Vorfall erst in ihrer Zivilklage öffentlich. Dr. Luke bestreitet, jemals Sex mit Kesha gehabt zu haben: „Sie war wie eine Schwester.“ Ihr sei es nur um eine Neuverhandlung des Vertrages gegangen und darum, „mehr Geld zu erpressen“. Bevor sie die Klage einreichte, habe er als Drohung eine Kopie der Klageschrift erhalten.

Auch Lena Dunham ist bewusst, dass Kesha die Vorwürfe nie belegen kann. „Sie wird nie ein ärztliches Attest haben. Sie wird nie ein Videoband haben, das uns zeigt, wie Gottwald sie bedrohte und erniedrigte“, sagt sie. Aber die Zeit, in der Frauen schweigen, aus Angst, ihren Job zu verlieren, sei vorbei.

Oliver Stöwing

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2016-02-25 05:33
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