Keine Fahrkarte: Zugbegleiterin setzte Kind im Dunkeln aus
22.10.2008 | 18:57 Uhr 2008-10-22T18:57:03+0200Rostock. Weil ein zwölfjähriges Mädchen keine Fahrkarte dabeihatte, ist das Kind von einer Zugbegleiterin in der Dunkelheit in Parkentin in der Nähe von Rostock ausgesetzt worden.
Die Bahn bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht der "Ostsee-Zeitung" in Rostock.
Das Mädchen war am Montagabend mit ihrem Cello vom mecklenburg-vorpommerschen Bad Doberan nach Rostock zur Musikschule unterwegs und hatte ihr Portemonnaie samt Fahrkarte vergessen.
Obwohl Mitreisende anboten, eine Fahrkarte für das Mädchen zu kaufen, musste es aussteigen. Daraufhin lief die Zwölfjährige mit ihrem schweren Instrument auf dem Rücken fünf Kilometer nach Hause.
Die Mitarbeiterin sei vorläufig vom Dienst suspendiert worden, erklärte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Drastische arbeitsrechtliche Konsequenzen würden geprüft. "Wir werden uns in aller Form bei der Mutter und dem Kind entschuldigen", sagte Ahlert. Die Bahn werde mit einem Blumenstrauß und einem Länderticket zu der Familie gehen, "damit man die Bahn von einer anderen Art und Weise kennenlernt".
Es sei vor allem unverständlich, dass die von den anderen Fahrgästen angebotene Hilfe nicht in Anspruch genommen worden sei.
Prinzipiell gelte bei der Bahn die Regel, dass Minderjährige nicht von der Fahrt ausgeschlossen werden dürfen, fügte der Bahnsprecher hinzu.
Nach Angaben des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" hätte die Zugbegleiterin dem Mädchen auf jeden Fall die Chance geben müssen, die Fahrkarte nachzureichen. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, die persönlichen Daten zu notieren, die Eltern telefonisch zu benachrichtigen oder ein erhöhtes Beförderungsentgelt in Rechnung zu stellen.
"Ein Kind aber einfach auszusetzen, noch dazu am Abend, ist eine unverantwortliche Tat", sagte "Pro Bahn"-Landeschef Marcel Drews der "Ostsee-Zeitung".
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