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Bahnprojekt

Kein Durchbruch bei „Stuttgart 21“-Gespräch

24.09.2010 | 16:25 Uhr

Stuttgart.Die Gegner und Befürworter von „Stuttgart 21“ sind ein kleines Stück aufeinander zugegangen - beim ersten Gespräch. Doch eine inhaltliche Annährung gab es nicht, sagen die Gegner. Immerhin soll es eine Plattform für den öffentlichen Dialog geben.

Die Gegner und Befürworter des umstrittenen Bahnprojekts „Stuttgart 21“ haben in ihrem ersten Gespräch am Freitag keine inhaltliche Annäherung erzielt. „Da hat sich nichts bewegt“, sagte der Sprecher der Projektgegner, Gangolf Stocker, auf Anfrage zum Gespräch im Stadtdekanat. Derweil präsentierten Bahnchef Rüdiger Grube und Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die neuen Sprecher des Projekts.

„Stuttgart 21“ soll als unterirdische Durchgangsstation den bisherigen Hauptbahnhof ersetzen, seit Wochen protestieren aber immer wieder tausende Menschen gegen das Milliardenprojekt.

An dem auf Einladung des katholischen Stadtdekans Michael Brock zustande gekommenen Gespräch nahmen von der Befürworter-Seite Bahn-Vorstandsmitglied Volker Kefer, Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) und der Amtschef des baden-württembergischen Umweltministeriums, Bernhard Bauer, teil. Von den Gegnern saßen der Grünen-Verkehrsexperte Werner Wölfle, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Conradi und Stocker als Sprecher des Aktionsbündnisses gegen „Stuttgart 21“ mit am Tisch.

Bahngegner rücken von kategorischer Baustopp-Forderung ab

Die Beteiligten bezeichneten die Gesprächsatmosphäre zwar als angenehm. Während Grünen-Politiker Wölfle im Anschluss sagte, dieses erste Gespräch dürfe nicht mit zu großen Erwartungen betrachtet werden, zeigte sich Stocker deutlich unzufriedener. Es sei inhaltlich nicht über ein gemeinsames Kaffeetrinken hinaus gegangen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Bahn und Land hätten für die geforderten Verhandlungen über das Projekt weder einen von den Gegnern geforderten Baustopp während dieser Zeit akzeptiert, noch hätten sie irgendein Entgegenkommen unterhalb der Ebene eines Baustopps gezeigt.

Dieses Entgegenkommen - etwa eine Phase, in der nach dem Bauzeitplan die Arbeiten sowieso ruhen - bleibe eine Bedingung für Gespräche, sagte Stocker. Damit gaben die Gegner allerdings ihre bisherige kategorische Forderung eines Baustopps als Voraussetzung für Gespräche auf. Wie der Vertreter des Aktionsbündnisses weiter sagte, bleiben die Gegner gesprächsbereit.

Derweil präsentierten Mappus und Grube eine Doppelspitze als Nachfolger des zurückgetretenen SPD-Politikers Wolfgang Drexler in der Funktion des Sprechers von „Stuttgart 21“. Diese Aufgabe werden nun gemeinsam der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Udo Andriof (CDU) und der Unternehmensberater Wolfgang Dietrich übernehmen. Grube bekräftigte bei der Präsentation der beiden, für ihn gebe es keinen Verzicht auf „Stuttgart 21“. „Ich habe einen Vertrag, diesen Vertrag erfülle ich.“ Außerdem stehe er auch hinter dem Projekt.

Mappus will Bürger an Planung beteiligen

Mappus sagte im SWR ebenfalls, dass „Stuttgart 21“ ohne Wenn und Aber gebaut werde. Er bot den Gegnern aber an, unterhalb der Grundsatzentscheidung über den Bau die Bevölkerung stärker in die mit „Stuttgart 21“ verbundenen weiteren innerstädtischen Bauprojekte einzubeziehen. „Bis hin zu Bürgerentscheiden“ sei er bereit, in der Innenstadtgestaltung von Stuttgart die Menschen zu beteiligen, es gehe schließlich um über hundert Hektar zu bebauender Fläche.

Nach einer Vielzahl von Demonstrationen der Gegner hatten am Donnerstagabend auch Befürworter von „Stuttgart 21“ demonstriert, etwa 2000 Teilnehmer beteiligten sich an der Kundgebung. Am Freitagabend wollten die Gegner ihre nächste Großdemonstration veranstalten. (afp)

DerWesten

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Kommentare
24.09.2010
15:32
„Stuttgart 21“-Gegner werden ein bisschen leiser
von vantast | #1

Ein richtiges Dilemma: Vernunft gegen (demokratische) Bürokratie. Oder: Weitermachen, weil es damals so beschlossen wurde? Viele Argumente für einen Baustop, wenige für den Weiterbau, die Macht liegt aber bei den Befürwortern, sie haben die Divisionen, für die wir alle teuer bezahlen werden.

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