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„Katholische Kirche ist größte Schutzorganisation für Pädosexuelle“

19.02.2010 | 11:13 Uhr
„Katholische Kirche ist größte Schutzorganisation für Pädosexuelle“

Dortmund.Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen kritisiert die Sexual-Psychologin Sophinette Becker die „autoritären Strukturen, die Tradition der Vertuschung und die Doppelmoral der katholischen Kirche. Diese sei die größte Schutzorganisation für Pädosexuelle der Welt.

Missbrauch bedeutet oft jahrelange Qualen. „Für die Opfer ist es bei geliebten Personen noch schwieriger, sich gegen die Übergriffe zu wehren und sie zu verarbeiten“, erklärt Dr. Sophinette Becker, Leitende Psychologin der Sexualmedizinischen Ambulanz am Klinikum der Goethe-Universität in Frankfurt. Auch wenn das Kind noch keine sexuellen Erfahrungen hat, könne es spüren, dass es das, was der Erwachsene mit ihm macht, nicht will. Scham und Angst hindern die Opfer oft daran, darüber zu sprechen: „Die Angst, die die Opfer in der Situation des Missbrauchs empfunden haben, sucht sie in gleicher Stärke immer wieder heim. Deshalb vergeht oft so viel Zeit, bis Missbrauchsopfer sich öffnen“, sagt Psychotherapeut Manfred Singmann. „Die Bilder flammen auf, und die Opfer haben das Gefühl, es könnte jeden Moment wieder passieren.“

Sadistische Rituale

Sexueller Missbrauch zählt in der Kriminalstatistik zu den „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“. Dazu gehören Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, aber auch sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen unter Ausnutzung eines Vertrauensverhältnisses. 1615 Fälle erfasste die Polizei deutschlandweit 2008. Ging die Zahl der Sexualdelikte insgesamt zurück, so ist die Zahl der Missbrauchsfälle an Schutzbefohlenen um 4,3 Prozent gestiegen.

„Es gibt zwei Arten von Tätern in diesen Internaten“, erklärt Sophinette Becker. „Die einen veranstalten sadisitische Rituale, sind dann anschließend zärtlich-sexuell zu den Opfern. Die anderen, das sind die stukturierten Pädosexuellen, haben einen besonders guten Draht zu ihren Opfern und missbrauchen sie dann.“

Wenn Lehrer, Priester oder andere Menschen, die pädagogisch mit Kindern zu tun haben, ihre Zöglinge sexuell missbrauchen, dann sind es meist nicht diejenigen Erzieher, die die Kinder sowieso hassen, sagt Becker. Es seien oft die sympathischen, einfühlsamen, verständnisvollen. Das bringt die Kinder in einen unlösbaren Konflikt.

Keine Risikosicherheit

Am besten schütze man sein Kind vor sexuellen Übergriffen durch vertrauensvolle Beziehungen. „In Internaten, wo der Kontakt entfernter ist, kann das schwieriger sein.“ Letztlich „gibt es aber keine Risikosicherheit. Wir sind alle in der Lage, etwas für Kinder zu empfinden, das über die ,normale’ Liebe hinausgeht“, sagt Becker. Das Zölibat stellt sie nicht unter Generalverdacht, Verursacher für sexuelle Übergriffe zu sein. „Auf jeden Fall muss das Thema Sexualität in den Priesterseminaren besprochen werden.“ Becker sieht das Problem eher in den „autoritären Strukturen, der Jahrhunderte alten Tradition der Vertuschung und der Doppelmoral der katholischen Kirche. Das ist die größte Schutzorganisation für Pädosexuelle der Welt.“

Sabrina Radeck

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