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Volksmusik

Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf

06.11.2012 | 16:56 Uhr
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
Die Kastelruther Spatzen haben mit ihrer Musik viele Leute begeistert und Preise gewonnen. Unter anderem 62 goldene, 18 Platin-Schallplatten.Foto: Heinrich Jung/WAZ FotoPool

Kastelruth.   Auf der Bühne spielten die Kastelruther Spatzen ihre Instrumente immer selbst, im Studio holten sie sich dafür jedoch professionelle Musiker heran. Ein ehemaliger Wegbegleiter nennt das einen „Riesenschwindel“. Band und Plattenfirma können die Aufregung nicht verstehen - manch ein Fan auch nicht.

Letzten Monat haben sie noch gefeiert. Haben vor 40.000 Fans „Die weiße Braut der Berge“ besungen oder „Das Geheimnis der drei Worte“ beschworen.

Beim alljährlichen Spatzenfest in Kastelruth. Wo sie herkommen, die Kastelruther Spatzen. Ganz Große ihrer Zunft und schon ewig im Geschäft. Quasi die Rolling Stones der Volksmusik. Nur zu siebt und ohne Skandale. Bis jetzt. Denn jetzt kommt heraus. Offenbar hat die Gruppe ihre CDs im Studio gar nicht selber eingespielt.

„Nur die Stimme von Sänger Nobert Rier ist echt. Sonst nichts“, sagte ihr Produzent Walter Widemair der „Bild“-Zeitung und spricht von einem „Riesenschwindel“. Band und Plattenfirma bestätigen den Einsatz von Studiomusikern, können die Aufregung aber nicht verstehen. Das sei in der Branche angeblich gang und gäbe.

„Alles erschwindelt“

Widemair ist kein Unbekannter in der Szene. Schon weil er als einer der ersten die Volksmusik mit Elementen des klassischen Schlagers anreicherte. Unter anderem als Produzent für die Kastelruther Spatzen. Die fuhren gut mit dieser Mischung, wie 61 goldene und 18 Platin-Schallplatten sowie 13 Echo-Musikpreise in den letzten 29 Jahren zeigen. Dabei können sie angeblich gar nicht spielen, behauptet Widemair. „Alles erschwindelt“, sagt er.

Volksmusik
Schummel-Vorwürfe gegen Kastelruther Spatzen

Die Kastelruther Spatzen, das "Milli Vanilli" der Volksmusik? Ein Wegbegleiter bringt die Volksmusik-Stars in Bedrängnis: Bei CD-Aufnahmen spielten sie ihre Instrumente nicht selbst, sagt er. Fans reagieren gelassen. Rückendeckung gibt's ausgerechnet von Frank Farian - dem Milli-Vanilli-Produzenten.

Auf allen Studio-CDs der Band hätten „hervorragende Studiomusiker“ zu den Instrumenten gegriffen und Sänger Norbert Rier begleitet. Er selbst habe Trompete geblasen, der Gitarrist von Howard Carpendale und der Schlagzeuger der ‚Söhne Mannheims‘ seien auch mal dabei gewesen. „Aber niemals einer von diesen Bierzeltmusikanten, die sich Spatzen nennen.“

Nur bei Live-Konzerten würden Valentin Silbernagl, Walter Mauroner, Albin Gross, Karl Heufler, Kurt Dasser und Rüdiger Hemmelmann selber spielen. Da zeige sich dann allerdings auch die „durchschnittliche Qualität“ der Musiker. „Ich habe mich oft für die unsägliche Schrammelei geschämt.“ Viele Jahre habe er geschwiegen, nun könne er nicht mehr mit der Lüge leben.

Werbung fürs eigene Buch

Sänger Norbert Rier beklagt nun eine „große menschliche Enttäuschung“, Keyboarder Albin Gross versichert, „wir hatten nie Streit mit Herrn Widemair“ und wundert sich über den Zeitpunkt der Enthüllung. Der 54-Jährige wolle offenbar für sein demnächst erscheinendes Buch über die „Kastelruther Spatzen“ („Wenn Berge nicht mehr schweigen“) werben.

In der Sache selbst aber sagt der Musikproduzent die Wahrheit. „Wie bei allen professionellen Produktionen wurden auch Studiomusiker eingesetzt“, versuchen sich Band und Plattenfirma in einem gemeinsamen Statement aus der Affäre zu ziehen. Das sei „weltweit und über alle musikalischen Genres üblich“. Zudem könne von Betrug schon deshalb nicht die Rede sein, weil man alle mitwirkenden Musiker immer im Beiheft der CD aufgeführt habe.

Fans bleiben treu

Erfahrungsgemäß allerdings liest kaum jemand solche Begleitheftchen. „Nein“, sagt Brigitte Alfs, die gemeinsam mit ihrem Mann Wilhelm vor Jahren in Haltern den Spatzen-Fanclub „Sythener Sandhasen“ gründete, „das wusste ich nicht. Das ist überraschend für mich.“ Aber es ist kein Grund, den Spatzen die Freundschaft zu kündigen. „Wichtig sind für uns die Live-Konzerte. Und da fanden wie die Gruppe immer toll.“

Ähnlich sieht es Ursula Waldow aus Dorsten, die bis vor einiger Zeit den Fanclub „Lippespatz“ leitete. Vom Ersatz im Studio habe ihr vor einiger Zeit schon mal Norbert Rier persönlich erzählt. „Damit kann ich leben.“ Mit einer Täuschung bei Konzerten nicht. „Aber da haben sie ja selbst gespielt.“

Andreas Böhme


Kommentare
07.11.2012
10:45
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von siebert2 | #9

wie verteilt die GEMA jetzt das geld?

07.11.2012
07:32
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von Papageiengeplapper | #8

Schöne Grüsse auch von Boney M und Milli Vanilli !!!

07.11.2012
07:11
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von mt62 | #7

Was für ein wichtiges Thema.... ;-)

07.11.2012
02:34
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von vaikl2 | #6

"Das sei „weltweit und über alle musikalischen Genres üblich“"

Scheinbar haben diese Holzhacker weder Ahnung von "weltweit" noch von anderen musikalischen Genres. Weder Musiker noch Produzenten, die ihre Arbeit *im Team* professionell erledigen, werden sich diesen Müll überhaupt anhören wollen. Für die Anderen bleibt ja noch der Markt der Retorten-Hitparaden.

3 Antworten
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von randyrhoadsfan | #6-1

Daß man für 3-Akkordmusik auch noch Studiomusiker anheuern muß, zeigt doch bloß, was das für Hammerwerfer und Dilettanten an ihren Instrumenten sein müssen...
...ist ja nicht bloß bei volkstümlicher Lala so.
Das Traurige daran ist, daß die meisten Könner in der Fußgängerzone für n heißen Kaffee klimpern müssen, während solche Doofmänner die dicke Kohle abgreifen.
Aber was willst Du machen...?
...bei einem Volk, das nach 30 Jahren immer noch nicht gemerkt hat, daß Dieter Bohlen immer dasselbe Lied spielt!
Das ist bei den Seppelkapellen auch nicht anders....! :((((

Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von dietergoebler | #6-2

Leider am Thema vorbei: Über Musikgeschmach kann man trefflich streiten!
Aber das Verfahren "Starmusiker" bei Alben zu beschäftigen und auch in Beiheft zu nennen ist üblich!

Bei allen Musukrichtungen und Stars!
Hier hat ein ehemaliger Managen ein Buch zu verkaufen!

Nun verstanden worum es geht?! Buchverkauf!

Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von dietergoebler | #6-3

meine natürlich MUSIKGESCMACK 1 über den so schön zu streiten ist!

07.11.2012
02:24
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von peerkeinstueck | #5

Schon witzig, dass hier die Mehrheit es absolut in Ordnung findet, dass die Fans CDs von den Kastelruthern kaufen, die überhaupt nicht von denen eingespielt wurden.

Die Welt will betrogen werden.

06.11.2012
23:05
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von schneekiller | #4

Na immer hin schafft es Herr Widemair so in einige Talksendungen und sicher findet sich so auch noch ein Platz auf der Lanzcouch bei Wetten das!!!

06.11.2012
22:39
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von wolla | #3

Meine Güte, viel Rauch um nichts. Selbstverständlich ist es auf der ganzen Welt üblich, Studioaufnahmen auch durch Studiomusiker einspielen zu lassen. Das ist nicht immer ein Qualitäts-, sondern auch ein Zeitproblem. Studiozeit ist sehr teuer und es kann für den Produzenten durchaus Kosten sparen, wenn er die zumeist sehr schnell arbeitenden Studiomusiker einsezt. Das heisst noch nicht einmal, daß die Kastelruther Spatzen dies nicht selber einspielen könnten, sie würden wahrscheinlich nur sehr viel mehr Zeit benötigen als ein Studiomusiker.
Was dieser Widmair erzählt, ist aber Unsinn. Grade Leute wie er, die im Studio ständig auf die Uhr schauen und zwar aus reinen Profitgründen, sind doch diejenigen, die Studiomusiker einsetzen, weil dies günstiger ist, als ein paar Studiostunden mehr.
Das Herr Böhme dies in seinem Artikel skandalisiert ist höchst lächerlich, da es wie gesagt, an der Tagesordnung ist.

06.11.2012
20:05
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von Partik | #2

Kommt das in Mode, Bücher auf den Markt zu bringen, wo man ehemalige Berufskollegen durch den Dreck zieht? Komische Methoden sind das mittlerweile bei den Stars ...

Vor allem, weil Live und Studio nun mal wirklich zwei Paar Schuhe sind. Live-ok, da klingen selbst Weltstars bekannterweise oft etwas dünne.

Für die Aufnahmen im Studio allerdings kommt es bei vielen Instrumenten auf eine hervorragende Beherrschung an. Da reicht es nicht, Live gute Stimmung verbreiten zu können.

Der Einsatz von erfahrenen Studiomusikern ist da vollkommene Normalität.Studiozeit ist dermaßen teuer, dass es sich oft einfach nicht lohnt, selber zum Instrument zu greifen, und manche Teile zigmal zu wiederholen, bis alles passt.

Studio ist was ganz anderes als Live. Und Bierzelt-Bands sind nun mal nicht gerade typische Studiomusiker. Um eine perfekte Instrumentenbeherrschung zu erleben, kommen die Fans sicher nicht auf die Konzerte ...

06.11.2012
18:32
Kastelruther Spatzen verteidigen sich gegen Schummel-Vorwurf
von wohlzufrieden | #1

Da singen es wohl die Spatzen von den Dächern...

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