Karoline Schuch glänzt in „Hannas Reise“

Karoline Schuch und Doron Amit brillieren als Hauptdarsteller in der zartbitteren Romanze "Hannas Reise".
Karoline Schuch und Doron Amit brillieren als Hauptdarsteller in der zartbitteren Romanze "Hannas Reise".
Foto: BR/2Pilots Filmproduction GmbH
Was wir bereits wissen
Eine bittersüße Kino-Romanze kommt ins Fernsehen. Eine zynische Zicke reist zu einem Behindertenprojekt nach Israel. Sie findet sich selbst – und ihre große Liebe.

Köln.. Wenn der Publikumserfolg das Maß aller Dinge wäre, dürfte dieser Film nicht zur besten Sendezeit laufen. „Hannas Reise“ fiel nämlich im vorigen Jahr im Kino komplett durch. Kaum mehr als 15.000 Zuschauer verirrten sich in den Autorenfilm der Regisseurin Julia von Heinz, die das Drehbuch mit John Quester schrieb. Dabei verdient die deutsch-israelische Komödie größere Beachtung. Selten wurde mit so leichter Hand eine Verbindung zwischen den Gräueln der Nazi-Zeit und dem Lebensgefühl der jungen Generation von heute gezogen.

Warum das Ende der Ausbildung so wichtig ist

Die unter anderem von der Filmstiftung NRW geförderte Leinwand-Romanze beruht locker auf Theresa Bäuerleins Roman „Das war der gute Teil des Tages“. Es geht um die Geschichte einer Wandlung, die sich auf die Formel bringen lässt: Eine junge Frau wird erwachsen – und zwar anders als von ihr geplant. Zugleich macht der Film aber auch klar, dass emotionales Erwachsenwerden inzwischen nicht mehr mit dem Ende der Pubertät, sondern mit dem Ende der Ausbildung verbunden ist.

Die ehrgeizige BWL-Studentin Hanna (Soap-Sternchen Karoline Schuch in ihrer ersten großen Rolle) versucht sich in ihre erste Stelle zu tricksen. Ihre Mutter (Suzanne von Borzody) soll mit gefälschten Papieren über Mitarbeit in einem israelischen Behinderten-Projekt nachhelfen. Doch sie lässt sich nicht darauf ein. Vielmehr nötigt die Mutter ihre Karriere-Tochter dazu, sich den Nachweis vor Ort zu erarbeiten.

Zynische Zicke öffnet sich

Hanna verkörpert den Teil der jungen Deutschen, die glauben, mit der Nazi-Vergangenheit nichts zu tun zu haben. Ihr Kollege Itay (Doron Amit) indes konfrontiert sie mit sarkastischen Holocaust-Witzen.

Serie Zudem erfährt Hanna bei den obligatorischen Begegnungen mit einer KZ-Überlebenden (Lia Koenig) davon, dass bereits die Mutter der jungen Deutschen dort war. Sie wollte Abbitte leisten für ein dunkles Kapitel Familien-Geschichte.

Die anfänglich zynische Zicke Hanna beginnt, sich emotional immer mehr zu öffnen: für die Schrecken der Vergangenheit, aber auch für den Zauber der Gegenwart. Itay erweist sich als einfühlsamer, charmanter Mann, der trotz bedrückender familiärer Pflichten seine Lebensfreude behalten hat.

Die richtige Sprache – und die richtige Bildsprache

Für beide wird die jeweilige Fremde zum Sehnsuchtsort. Hanna verliebt sich in Tel Aviv, und Itay träumt von der Weltstadt Berlin. So sind beide Hauptfiguren für einander Spiegel: Die eine scheint zu haben, was der anderen fehlt.

Für das Lebensgefühl der jungen Generation in Deutschland und Israel findet der Film die richtige Sprache – und die richtige Bildsprache an einem bisher nur selten gezeigten Ort.

Fazit: Zartbitterer Romanze gelingt Balance zwischen Leichtigkeit und Schwermut. Tolle Hauptdarsteller.

ARD, Mittwoch 20.15 Uhr