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Tragödie

Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet

04.07.2012 | 18:48 Uhr
Drama in Karlsruhe: Einsatzkräfte am Tatort.Foto: Getty Images

Essen/Karlsruhe.   Eine Zwangsräumung in Karlsruhe endete als Fiasko. Als die Polizei in die Wohnung eindrang, fand sie fünf Tote vor, darunter den Täter. Der 53-Jährige hatte die Tat offensichtlich geplant.

Es ist nichts anderes als eine Hinrichtung: Zwei seiner Opfer hat er gefesselt und durch Kopfschüsse getötet, den dritten Mann findet die Polizei vor einer Couch im Wohnzimmer liegend. Der hatte noch im letzten Moment versucht, dem 53-jährigen Täter die Waffe zu entreißen. Auch er wird durch mehrere Schüsse tödlich getroffen. Ein Drama, das seinesgleichen sucht. Ein Drama, das am Mittwochmorgen seinen Anfang nimmt, als ein Gerichtsvollzieher an der Tür der Dachwohnung in der Karlsruher Nordstadt klingelt, um sie zwangszuräumen.

Auf dem Weg zur Zwangsräumung

Acht Uhr ist es da. In der Nordstadt mit ihren ehemaligen Wohnungen für US-Soldaten beginnt gerade der ganz normale Alltag. Zusammen mit dem Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes und einem Sozialarbeiter hatte sich der Gerichtsvollzieher auf den Weg zu der Zwangsräumung gemacht. Die 55-jährige Wohnungseigentümerin war mit Zahlungen in Verzug geraten, die Eigentümer-Gemeinschaft hatte auf eine Zwangsversteigerung gedrängt. Nach mehrmaligen Klingeln wird ihnen auch geöffnet, doch dann eskaliert die Situation.

Video
Karlsruhe, 04.07.12: Bei einer Geiselnahme in der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs sind am Mittwoch mehrere Menschen getötet worden. Ein Spezialeinsatzkommando fand beim Zugriff mehrere tote Personen vor, darunter wohl auch der Geiselnehmer.

So soll der 53-Jährige die Männer gebeten haben, sich auf die Couch zu setzen. Als diese sich weigern – inzwischen ist auch der neue Wohnungseigentümer dazugestoßen –, holt er aus einem Nebenzimmer Waffen. Immer noch ist der Gerichtsvollzieher nicht bereit, sich hinzusetzen. Daraufhin schießt der Mann ihm zweimal ins Bein und zwingt den 33-jährigen Schlosser, die anderen mit Kabelbindern zu fesseln. Es kommt zu dem Handgemenge mit dem Schlosser, bei dem der Täter vier- bis fünfmal auf den Mann geschossen haben soll.

Über Stunden kein Kontakt zum Geiselnehmer

Was genau danach geschieht, ist noch unklar. Überraschenderweise lässt der Geiselnehmer jedoch den Sozialarbeiter frei, der um 8.55 Uhr die Polizei alarmiert und von einem Mann „mit Handgranaten und Maschinengewehr“ berichtet, der Geiseln genommen habe.

Geiselnahme in Karlsruhe

Wenig später ist ein Spezialeinsatzkommando vor Ort, wird das Gebiet großräumig evakuiert. „Über Stunden gelang es jedoch nicht, Kontakt zum Täter aufzunehmen“, sagt Polizeisprecher Jürgen Schöfer. Als gegen 12 Uhr mittags plötzlich Rauch aus der Wohnung aufgestiegen sei, habe man sich zum Zugriff entschlossen. Zunächst findet die Polizei die vier toten Männer, darunter auch den Geiselnehmer selbst.

Durch Bauchschuss getötet

Beim späteren Absuchen der Wohnung entdecken sie auch die im Bett liegende 55-jährige ehemalige Wohnungsinhaberin. Sie ist durch einen Bauchschuss getötet worden. Sich selbst schoss der Mann in den Kopf. Der Karlsruher Staatsanwalt Gunter Spitz spricht später von einem geplanten Mord, die Zwangsräumung habe die Existenz des arbeitslosen Mannes ins Wanken gebracht. Bei ihm werden außer dem Schrotgewehr ein weiteres Gewehr, zwei Pistolen und eine Übungshandgranate gefunden. Dass es sich bei dem Mann um einen Jäger handeln soll, kann die Polizei gestern nicht bestätigen.

Die Karlsruher Polizei war mit über 200 Beamten im Einsatz, evakuierte das Wohngebiet weiträumig, inklusive zweier Schulen und Kindergärten. Über Stunden kreiste ein Hubschrauber. Staatsanwalt Gunter Spitz versicherte später, es habe zuvor keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass es bei der Räumung gefährlich werden könnte.

Frau eines Opfers ist schwanger

Im niederrheinischen Schwalmtal hatte sich 2009 ein ähnliches Drama ereignet: Da erschoss ein 71-jähriger Mann zwei Anwälte und einen Gutachter, die das Haus seiner Tochter im Rahmen einer Scheidung schätzen wollten.

Winfried Kretschmann, der baden-württembergische Ministerpräsident zeigte sich schockiert: „Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen“. Der Gerichtsvollzieher und der Schlosser hinterlassen Frau und Kinder. Die Frau des 33-Jährigen ist schwanger.

 

Hayke Lanwert


Kommentare
05.07.2012
11:58
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von dafaq | #15

Was hier einige anscheinend nicht begreifen ist, dass eine Erklärung für etwas nicht zwangsläufig einer Rechtfertigung oder einer Entschuldigung gleichkommt.
Man kann also durchaus die These aufstellen, dass der Täter so gehandelt hat, weil er aus seiner Sicht nichts mehr zu verlieren hatte, oder man kann auch selbst zustimmen, dass er nichts zu verlieren hatte,sich deshalb vielleicht rächen wollte o.ä.. Das schließt nicht aus, dass man die Tat für verabscheuungswürdig erachtet.
Also vielleicht beim nächsten Mal die Gedanken vorher ordnen und dann tippen.

1 Antwort
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von Otto99 | #15-1

Und ich nehme mir heraus, die Erklärungen als Blödsinn zu bezeichnen.

05.07.2012
11:17
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von CADIZ_CF | #14

ich fürchte, das solche schrecklichen taten in zukunft häufiger vorkommen. als konsequenz einer immer asozialer werdenden welt.
empathie, respekt, hilfsbereitschaft -oder anderen auch etwas gönnen... irgendwie geht das alles den bach runter und es gibt immer mehr opfer (und "opfer") dieser traurigen entwicklung.

was für eine schreckliche vorstellung, das ein mensch sich morgens von den kindern und dem ehepartner verabschiedet und dann ermordet wird und nie mehr wieder zurück kommt.
mein herzliches beileid.

05.07.2012
10:43
Wenn man die Kommentare hier liest...
von Plattini | #13

...drängt sich der Eindruck auf, Sarrazin hatte nicht mit allem Unrecht...

DUMMHEIT gebirt DUMMHEIT...

05.07.2012
09:51
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von Unverkennbar | #12

Ihr Loser nehmt Hartz4 als Entschuldigung für alles. Dabei könnt ihr es nur nicht verkraften, dass die Deutschland AG kein Selbstbedienungsladen mehr ist.

1 Antwort
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von CADIZ_CF | #12-1

siehe #15

05.07.2012
08:43
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von wahlpottler | #11

Ob man das nun wahrhaben will oder nicht, es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass der Schütze keine zufälligen Passanten in einem blinden Amoklauf erschossen hat. Sogar die Behörden sprechen von einer geplanten Hinrichtung als Folge der Bedrohung seiner Existenz. Mit einer Hinrichtung will man jemanden bestrafen. Ob jetzt gerechtfertigt oder nicht spielt für die Opfer keine Rolle mehr, die sind in beiden Fällen tot.

Wer da Überlegungen zu den Ursachen und möglichen Lösungen abblocken will, weil sie zu unerwünschten oder unbequemen Ergebnissen führen könnten, trägt die Mitverantwortung für zukünftige Vorfälle dieser Art.

2 Antworten
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von WaddeHaddeDuddeDa | #11-1

So ein Unfug. Sorry, aber der Typ hat die Leute hingerichtet, weil er nicht ganz dicht in der Birne war!!! Wenn jeder, der sich in seiner Existenz bedroht fühlt, Leute abknallen würde, hätten wir Kriegszustände...

Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von GummiHai | #11-2

Natürlich war der Typ "nicht ganz dicht in der Birne". Der Täter darf auch nicht als Opfer stilisiert werden, was ja unsere Justiz gerne mal macht.

Es muss aber erlaubt sein, auch unbequeme Fragen stellen zu dürfen, wie #11 schon geschrieben hat. Denn wenn wir den Kurs, den unsere Gesellschaft eingschlagen hat, weiterbehalten, dann wird es aller Wahrscheinlichkeit zu weiteren solchen Vorfällen kommen.

Im Prinzip haben wir schon lange Kriegszustände. Nur die Art der Waffen und die Ausführung haben sich geändert.

05.07.2012
08:27
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von Thokle | #10

So eine Tat ist mit nichts zu rechtfertigen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

05.07.2012
07:33
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von WaddeHaddeDuddeDa | #9

Wer diese schrechliche Tat mit Hartz4 zu erklären versucht - oder schlimmer noch rechtfertigt - ist auf dem geistigen Niveau einer Amöbe angekommen.

05.07.2012
07:25
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von hispanier | #8

Mir ist unbegreiflich, wie man alles auf Hartz IV schieben kann. Egal, was auch passiert, Hartz IV wird als Auslöser vermutet. Hartz IV rechtfertigt keine Hinrichtung von Menschen. Hartz Iv rechtfertigt keine Straftat. Selbst als Erklärung ist das noch zu viel. Es gibt immer Alternativen. Ich räume ein, dass diese nicht immer schön sein müssen. Aber immer noch besser als Unbeteiligte zu töten. Auch hier bleiben Angehörige zurück, die einem ungewissen Schicksal entgegengehen.

05.07.2012
07:03
Karlsruher Geiselnehmer hat Opfer regelrecht hingerichtet
von GummiHai | #7

Ich möchte die Taten des Mannes in keinster Weise rechtfertigen, aber ich bin mir sicher, dass dies nicht die letzte Tragödie dieser Art sein wird.

Wie schon von einigen Kommentaren erwähnt, liegt das Problem wahrscheinlich schon in dem Abbau unseres Sozialstaates.

Gleichzeitig sehen Betroffene, dass z.B. die Verursacher der Banken- und Finanzkrise einfach weitermachen können wie bisher, und damit tausende Existenzen zerstört haben und weitere zerstören werden. Dort wird keiner zur Rechenschaft gezogen.

Man könnte durchaus nachvollziehen, dass die Menschen sich ungerecht behandelt fühlen. Da wir nunmal alle unterschiedlich psychisch stabil sind und auch unterschiedlich mit Situationen umgehen, liegt es durchaus im Möglichen, dass einige einfach durchdrehen.

Dies wird leider wohl nicht die letzte Meldung dieser Art sein, wenn wir so weitermachen wie bisher. Nach unten treten ist auch keine Lösung, sondern verschlimmert die Sachlage womöglich noch mehr

05.07.2012
02:29
.
von AuroraBorealis | #6

Vergessen und verhungert
In Rheinland-Pfalz streicht die Behörde einem Hartz-IV-Empfänger die Unterstützung.
http://www.zeit.de/2007/18/LS-Hungertod
usw. usw. usw.

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