Kanadier reagieren allergisch auf Schweinegrippe-Impfung
24.11.2009 | 18:26 Uhr 2009-11-24T18:26:00+0100
Genf. Die Impfung gegen die Schweinegrippe hat bei zahlreichen Patienten in Kanada zu schweren allergischen Reaktionen geführt. Die Behörden haben eine Impfstoff-Charge des Herstellers zurückgerufen. In Frankreich hat nach anfänglicher Zurückhaltung ein Ansturm auf die Impf-Zentren eingesetzt.
Nach der Impfung gegen das Schweinegrippe-Virus ist es bei zahlreichen Patienten in Kanada zu schweren allergischen Reaktionen gekommen. Die kanadischen Behörden hätten eine Impfstoff-Charge des Herstellers GlaxoSmithKline zurückgerufen und führten Untersuchungen durch, nachdem es zu einer «ungewöhnlichen» Häufung von allergischen Reaktionen auf die Impfung mit dem Mittel Pandemrix gekommen sei, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag in Genf. Es müsse «geklärt werden, was in Kanada passiert ist». Die WHO-Empfehlungen zur Impfung gegen das Virus A (H1N1) blieben jedoch unverändert bestehen.
Vergangene Woche hatte die WHO erklärt, dass bei der Untersuchung der bislang weltweit 30 Todesfälle nach Impfungen gegen die Schweinegrippe kein ursächlicher Zusammenhang zwischen Impfung und Tod nachgewiesen worden sei. Verglichen mit den bislang mindestens 65 Millionen weltweit verabreichten Impfstoffdosen sei die Zahl der Todesfälle äußerst gering.
Impf-Ansturm in Frankreich
Nach anfänglicher Skepsis werden in Frankreich die Zentren zur Impfung gegen die Schweinegrippe inzwischen regelrecht gestürmt. Weil in den vergangenen Tagen viele Zentren überlastet waren und Impfwillige teils stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen mussten, kündigte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot am Dienstag eine Ausweitung der Öffnungszeiten an. Auch zusätzliches Personal werde für die gut tausend Zentren abgestellt, sagte sie im Sender France Info. Im Laufe der vergangenen Woche habe sich die Zahl der Franzosen, die pro Tag zur Impfung gingen, versiebenfacht. Allein am Samstag seien 70.000 Menschen geimpft worden.
Vor Beginn der landesweiten Impfkampagne am 12. November hatten in einer Umfrage fast drei Viertel der Franzosen erklärt, sie wollten sich nicht impfen lassen. In den ersten Tagen blieben die Impfzentren praktisch leer. Experten vermuten, dass Berichte aus Norwegen über eine Mutation des A (H1N1)-Virus jetzt mehr Franzosen zur Impfung treiben. Zudem können sich seit Freitag nach Risikogruppen und Kinderbetreuungspersonal auch schwangere Frauen mit einem speziellen Impfstoff ohne Wirkverstärker gegen die Grippe immunisieren lassen. In dieser Gruppe dürfte die Impfbereitschaft deutlich höher sein als in der sonstigen Bevölkerung.
315 Schulen geschlossen
Ab Mittwoch können sich in Frankreich 5,3 Millionen Schüler weiterführender Schulen impfen lassen. Ab kommenden Montag sollen dann auch Grund- und Vorschüler folgen. Landesweit waren am Dienstag 315 Schulen wegen Schweinegrippefällen geschlossen, darunter 268 Grundschulen. (AFP)
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