Justiz ermittelt nach Absturz wegen fahrlässiger Tötung

Was wir bereits wissen
Für den Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlte am Morgen nach der Katastrophe mit 150 Toten noch jede schlüssige Erklärung. Erste Informationen zum Ablauf des Unglücks erwarten die Ermittler von einem Flugschreiber, der bereits geborgen wurde.

Paris.. Nach dem Flugzeug-Absturz in den französischen Alpen haben die Einsatzkräfte am frühen Mittwochmorgen ihre Arbeit an der schwer zugänglichen Unglücksstelle wieder aufgenommen. Ohne Schnee, Regen oder stärkeren Wind waren die Witterungsbedingungen nach Berichten französischer Medien für die Rettungskräfte und Hubschrauber besser als zunächst befürchtet.

Über die Ursachen für eine der schwersten Katastrophen in der deutschen Luftfahrtgeschichte mit 150 Toten war zunächst auch weiterhin nichts bekannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde für 14 Uhr am Ort des Absturzes erwartet und wollte dort den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident François Hollande treffen.

Flugkatastrophe Neben den wohl 67 deutschen Opfern waren auch Passagiere aus Spanien, Großbritannien, Dänemark, Australien, Israel, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Japan an Bord. US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus drückten den Angehörigen ihr Beileid aus. Beileidsbekundungen kamen auch aus zahlreichen anderen Ländern.

Rettungskräfte seit dem frühen Morgen wieder im Einsatz

In dem 1200-Einwohner-Ort Seyne-les-Alpes trafen am Dienstag neben den Rettungskräften auch zahlreiche Journalisten vor allem aus Deutschland und Spanien ein. Mehr als 300 Polizisten und 380 Feuerwehrleute seien im Einsatz, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Zwischen 5.30 und 6.00 Uhr sollten 30 Mitglieder einer Gebirgsstaffel der Polizei mit dem Hubschrauber in dem zerklüfteten Tal, in dem die Flugzeugtrümmer liegen, abgesetzt werden. Ein rund 65 Mann starker Bergungstrupp brach zu Fuß in das unwegsame Gebiet an der Absturzstelle auf. Sie sollten bei Regen und Temperaturen von rund fünf Grad in der Bergregion campieren.

Drei Fachleute der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hätten sich auf den Weg gemacht, um die Unfallstelle zu untersuchen, sagte Sprecher Germout Freitag. Vermutlich werden sie nach seiner Schätzung nicht vor 9 Uhr an der Unfallstelle ankommen. Die deutschen Fachleute wollten gemeinsam mit den französischen Kollegen prüfen, ob alle Trümmerteile zu finden seien oder das Flugzeug möglicherweise in der Luft auseinandergebrochen sei. Bilder zeigten unzählige Trümmerteile in einer kargen Felslandschaft. Die Vielzahl der Trümmer spreche für einen Aufschlag mit hoher Geschwindigkeit, erklärte Freitag. Voraussichtlich erst nach der Untersuchung im Laufe des Tages werden die Fachleute der Bundesstelle Bericht erstatten, kündigte Freitag an.

Die Wucht des Aufpralls hat die Unglücksmaschine von Germanwings nach Aussage von Rettungskräften in kleinste Trümmer zerbersten lassen. "Alles ist pulverisiert. Man kann nichts mehr auseinanderhalten. Man sieht nichts, man kann nicht einmal ein Flugzeug darin erkennen", sagte Feuerwehr-Leutnant Éric Sapet der französischen Zeitung "Le Monde" über den Anblick an der Absturzstelle in den französischen Alpen. Der Lokalpolitiker Richard Bertrand aus dem nahe gelegenen Dorf Vernet sagte: "Das größte, das ich erkennen konnte, hatte die Größe eines Auto-Kotflügels, nicht größer."

Behörden wollen Schaulustige von Unfallstelle fernhalten

Die Behörden befürchten schwierige Bergungs- und Ermittlungsarbeiten. "Man muss vermeiden, dass wichtige Indizien zerstört werden", sagte ein Sprecher des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve und betonte, es sei wichtig, Schaulustige fernzuhalten. "Man muss auch eine Art morbiden, makaberen Tourismus vermeiden", sagte er.

Flugzeugunglück Erklärungen für den Absturz des Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings, der auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf war, fehlten noch immer. Lufthansa-Chef Carsten Spohr schloss einen Zusammenhang zwischen der Reparatur des Flugzeuges am Tag zuvor und dem Absturz aus. Dabei sei es nur um die Geräuschbelastung gegangen, nichts Sicherheitsrelevantes. "Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand", sagte Spohr am Dienstag in Frankfurt/Main.

Schneller Höhenverlust des Flugzeugs bleibt unerklärlich

Nach Angaben der französischen Behörden hatte die Flugüberwachung kurz vor dem Crash noch vergeblich versucht, Kontakt zu den Piloten aufzunehmen. Erste Informationen zum Ablauf des Unglücks erwarten die Ermittler von einem Flugschreiber, der bereits geborgen wurde. Das Gerät sei "beschädigt, aber verwertbar", sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve dem Sender RTL. Nähere Informationen über die Beschädigung gab es zunächst nicht. Bei dem gefundenen Flugschreiber soll es sich um den Cockpit Voice Recorder (CVR) handeln, der Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet. Nach der zweiten Blackbox wird noch an der Abstürzstelle gesucht.

Flugzeugabsturz "Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt", sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, dem Fernsehsender BFM TV. Um 11 Uhr wollte sich Robin bei einer Pressekonferenz äußern. Seine Behörde hat wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung Ermittlungen aufgenommen.

Germanwings-Flüge fallen aus - Crews fühlen sich untauglich

Die Fluggesellschaft Germanwings hat bestätigt, dass Besatzungsmitglieder am Dienstag ihren Dienst wegen des Absturzes einer Maschine in Frankreich nicht angetreten haben. "Wir haben heute tatsächlich einige Flugstreichungen in Düsseldorf und Stuttgart gehabt, weil sich Crewmitglieder unfit to fly, also nicht flugtauglich erklärt haben", sagte Airline-Geschäftsführer Thomas Winkelmann im "Heute Journal" des ZDF.

Flugzeug-Absturz "Dafür haben wir selbstverständlich Verständnis, dass sie an einem Tag wie heute nicht geglaubt haben, einen Flug sicher durchführen zu können." Wie viele Beschäftigte nicht zum Dienst erschienen, blieb unklar. Ausfälle gab es neben Düsseldorf und Stuttgart auch an den Flughäfen Köln, Berlin Tegel und Leipzig/Halle.

Lufthansa will Flüge von Tochtergesellschaft übernehmen

Auch am Mittwoch sind wieder mehrere Germanwings-Flüge gestrichen worden. Die für diese Einsätze am Mittwoch vorgesehenen Besatzungsmitglieder sähen sich nicht in der Lage, die Flüge durchzuführen, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Morgen. Von der Streichung betroffen ist auch die Verbindung am Morgen von Düsseldorf nach Barcelona - also der Flug, bei dem am Dienstag ein Airbus auf dem Rückweg abgestürzt war. Ebenfalls gestrichen ist ein Flug von Köln/Bonn nach London-Stansted.

Die Lufthansa kündigte an, mehrere Flüge der Tochtergesellschaft am Mittwoch zu übernehmen. Diese würden mit Lufthansa-Flugzeugen und Lufthansa-Crews durchgeführt. Um welche Verbindungen es sich handelt, konnte der Sprecher am Morgen noch nicht sagen.

Germanwings-Flug aus Barcelona landet mit Verspätung in Düsseldorf

Mit mehr als zweieinhalbstündiger Verspätung ist am frühen Mittwochmorgen der erste Germanwings-Flug von Barcelona nach Düsseldorf nach der Katastrophe in Südfrankreich in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt eingetroffen. Trotz des Nachtflugverbots landete Flug 4U 9529 gegen 0.25 Uhr auf dem Rollfeld in Düsseldorf.

Trauer Unter den Passagieren war auch die Spanierin Angeles Sala. Sie hatte überlegt, den Unfall-Flug vom Morgen zu nehmen - sich dann aber dagegen entschieden, weil dieser ihr zu früh war. "Und jetzt bin ich froh", sagte sie wartenden Reportern. Die Stimmung im Flugzeug sei verhältnismäßig ruhig gewesen. Man habe versucht, das Thema Absturz zu vermeiden. "Die Leute wollten nicht über das sprechen, die Leute waren ruhig", sagte sie.

Für die nächtliche Landung der Maschine aus Barcelona wurde kurzfristig eine Ausnahmegenehmigung erteilt, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Eigentlich herrscht am Düsseldorfer Flughafen Nachtflugverbot. Zu der Verspätung sei es dem Sprecher zufolge aufgrund von Problemen der Flugsicherung in Barcelona gekommen. Worin diese Probleme konkret lagen, konnte er nicht sagen. (dpa)