Jürgen Drews wird 70 - „Ich war schüchtern und verklemmt“

Juergen Drews bei der Aufzeichnung der ZDF TV-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ im März in Hannover.
Juergen Drews bei der Aufzeichnung der ZDF TV-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ im März in Hannover.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Jürgen Drews war nicht immer der „König von Mallorca“ am Ballermann. Eigentlich sollte er Arzt werden. Am Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag

Dülmen.. Er sang bei den Les Humphries Singers, hatte „ein Bett im Kornfeld“, regierte Ballermann-Partys als „König von Mallorca“: Jürgen Drews blickt auf eine lange Karriere zurück. Am 2. April wird der Schlagersänger 70. Jürgen Overkott sprach mit ihm.

In Ihrer Warteschleife läuft „Wenn die Wunderkerzen“ brennen. Ist das schon ein Vorgeschmack auf Ihren runden Geburtstag?

Jürgen Drews: Nö. Der Song läuft schon seit drei Jahren. Mich fragen immer so viele Leute nach dem Titel. Deshalb habe ich ihn aufs Band gepackt. Aber irgendwie passt's auch: Mein Leben ist sowieso ein Wunder.

Warum?

Drews: Wenn ich bedenke, was ich mache und womit ich mein Geld verdiene – das hätte ich mir nie träumen lassen. Ich hatte immer Angebote, ich bin immer nur gefragt worden, und deshalb heißt meine neue LP auch: „Es war immer alles am besten“. Ich kann nichts dafür, dass ich „Ein Bett im Kornfeld“ gesungen habe, ich kann nichts dafür, dass ich im Film mitgespielt habe. Ich kann auch nichts dafür, dass ich zu den Les Humphries Singers kam...

Es ging immer ein Türchen auf...

Drews: ...und deshalb habe ich mein Medizin-Studium auch nicht zu Ende gemacht, sondern nach vier Semestern abgebrochen. Erst war ich mit meiner Gruppe auf Tournee – und dann mit Les Humphries. Es war ein Glück, dass meine Eltern mich ins Musikgeschäft reingeschoben haben.

Nixdorf-Party Aus welchem Grund?

Drews: Sie sehen im Archiv: Ich war schüchtern, verklemmt, unzugänglich, beratungsresistent. Da haben meine Eltern gesagt: Da hilft nur eines – der Junge muss sich auf die Bühne stellen. Ich habe aber zuerst nicht gesungen, sondern Banjo gespielt – und Gitarre. Das hat mich zu Les Humphries geführt. Und allmählich hat mich das alles ein bisschen offener gemacht.

Wie kamen Sie zum Singen?

Drews: Das war Les Humphries. Wir haben uns kennengelernt, ich mit meiner Band und er mit seiner Gruppe. Ich habe ihn gefragt, ob er unsere englischen Texte redigieren könne – oder am besten gleich neu schreiben. Und er hat mich in seinen Chor geholt. Er hat gesagt: Der ist schüchtern und sieht ganz niedlich aus (ich habe das damals nicht gesehen), der soll drei Lieder singen, ohne Instrument, solo.

Das erste Mal als Solo-Sänger muss für Sie der Horror gewesen sein.

Drews: Fürchterlich. Ich habe zwar schon in meiner Band gesungen, aber da hatten wir vier Sänger, und ich stand mit meiner Gitarre immer hinten.

Und jetzt kommt Les Humphries ins Spiel.

Drews: Er wollte, dass ich singe – und zwar ganz vorne. Mir ist beim ersten Mal die Kniescheibe weggesprungen.

Fernsehen Aber es gab positive Rückmeldungen.

Drews: Les Humphries hat mich gleich auf eine 124-Tage-Tournee mitgenommen. Dadurch habe ich das Filmen nicht mehr weitergemacht – obwohl ich aus Italien ein Angebot für eine Hauptrolle hatte. Und eigentlich wollte ich mein Studium fortsetzen.

Haben Sie je bereut, Ihr Studium aufgegeben zu haben?

Drews: Zuerst ja, heute nicht.

Sind denn medizinische Kenntnisse hängengeblieben?

Drews: Nein. Ich habe ein ganz schlechtes Gedächtnis. (Meine Frau) Ramona sagt immer, wenn ich nach irgendwelchen medizinischen Dingen frage: Mensch, Du hast doch studiert, nicht ich. Du kommst doch aus einem Arzt-Haushalt. Na ja, aber meine Texte kann ich noch behalten.

Sie haben angefangen mit englischen Texten und sind bei deutschen gelandet...

Drews: Das war erst fürchterlich. Ich wollte das nicht. Meine erste deutschsprachige Platte war Liedermacher für Arme, und dann wurde mir der Text für „Kornfeld“ zugeschickt von Dr. Michael Kunze. Das was da im Lied beschrieben wurde, habe ich selbst erlebt, und deshalb habe ich das gemacht.

Das Lied wurde zum Klassiker – und viel gecovert, einschließlich von Ihnen selbst.

Drews: Stefan Raab hatte die Idee, und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er hat mich in eine neue Generation reingebracht. Ramona, beispielsweise, kannte den Titel, aber nicht den Sänger; sie steht eigentlich nicht auf Schlager. Doch die Version mit Raab fand sie auch witzig.

Welche Musik hören Sie selbst gern?

Drews: Rock, Pop-Rock – das darf nicht zu schnulzig sein. Aber auch bei englischsprachigen Hits sind die Melodien einigermaßen eingängig – und damit vom Schlager gar nicht weit entfernt. Aber hören Sie mal in mein neues Album rein: Da sind nur drei Titel schlagermäßig. Die anderen Titel sind Deutsch-Pop. Bei mir kann es auch mal etwas härter werden, oder es kann ein Dance-Titel dabei sein. Und das ist auch der Grund, warum ich nicht so viel verkaufe wie die Amigos oder die Flippers, die immer das Gleiche machen. Ich glaube, dass meine Alben für diejenigen, die sie kaufen, interessanter sind, weil verschiedene Musikstile drauf sind. Na ja, was soll's – ich werd' doch erst 70.

Wollen Sie die 100er-Marke reißen?

Drews: Sie nicht?

Wenn ich einigermaßen fit bin...

Drews: Eben.

Tun Sie was dafür?

Drews: Ich lebe einigermaßen gesund. Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht, ich bewege mich. Und ich habe mein Lebenselixier an meiner Seite: Das heißt Ramona.

Das wird Ihre Frau freuen.

Drews: Das weiß sie doch. Wir sind immer noch verliebt ohne Ende, bis über den Stehkragen.