Jedes zweite Tierheim vor dem Aus - Streit mit Kommunen

Die finanziellen Notstände, könnten die Schließung vieler Tierheime bedeuten.
Die finanziellen Notstände, könnten die Schließung vieler Tierheime bedeuten.
Foto: dpa
Etlichen Einrichtung geht das Geld aus. Es gilt immer mehr Tiere immer länger zu versorgen. Die Kommunen sollen zahlen - wollen/können aber nicht.

Köln.. Jeff springt wild in seinem Käfig umher und stimmt in das laute Gebell rundherum ein. Vor einem halben Jahr hat ein Mann den Mischlingshund im Tierheim in Köln-Zollstock abgegeben, gefunden im Park. Rund 300 Tiere wohnen durchschnittlich im Konrad-Adenauer-Tierheim - aber wie lange noch? Den Betreibern geht das Geld aus.

"Wenn das so weitergeht, ist unser Heim in zwei bis drei Jahren am Ende", sagt Silke Schmitz vom "Kölner Tierschutzverein von 1868". Kein Einzelfall, meint der Deutsche Tierschutzbund in Bonn. Etwa jedes zweite Tierheim stehe vor der Insolvenz.

Die Tiere bleiben immer länger

Ein Grund sei der Rückgang von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Sponsoring, klagt Marius Tünte, Sprecher des Tierschutzbundes, dem über die Ortsvereine bundesweit rund 500 Tierheime angeschlossen sind. Seitdem diese Einnahmen im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 eingebrochen seien, hätten sie sich nicht mehr erholt. Gleichzeitig steige aber die Zahl der Tiere, die aus finanziellen Gründen in Heimen abgegeben würden.

Außerdem blieben die Tiere durchschnittlich immer länger dort, so dass die Kosten dramatisch stiegen. Der Betrieb des Konrad-Adenauer-Tierheims zum Beispiel kostet nach Angaben von Schmitz pro Jahr etwa 800.000 Euro - "und unsere Rücklagen schrumpfen dramatisch".

Die Gelder der Kommunen reichen nicht

Ein großes Problem ist die aus Sicht der Tierschützer unzureichende Finanzierung durch die Kommunen. Diese erstatten den Heimen für die Fundtiere, die dort abgegeben werden, in der Regel einen bestimmten Betrag, der von Stadt zu Stadt verschieden ist. Die Stadt Köln zum Beispiel zahlt für eine abgegebene Katze eine Pauschale von 100 Euro, für einen Hund von 200 Euro - das sei schnell aufgebraucht, sagt Schmitz.

Doch wie die meisten Städte muss auch Köln sparen. "Aber wir sind zu Gesprächen bereit", sagt eine Sprecherin. Jedoch habe die Stadt mit mehreren Tierheimen einen Vertrag, jegliche Änderungen müssten somit für alle gelten. "Dafür müssten die Tierheime mit ihren unterschiedlichen Strukturen erst mal an einem Strang ziehen." Und das sei wohl nicht so einfach.

Nur ein Viertel der tatsächlichen Aufwendungen

"Die Heime sind praktisch ein Fundbüro und übernehmen somit eine kommunale Aufgabe, für die die Kommunen aber nicht zahlen wollen", kritisiert Ralf Unna, Heim-Tierarzt in Köln-Zollstock und Vizepräsident des Landestierschutzverbands Nordrhein-Westfalen. Tierschutzbund-Sprecher Tünte rechnet vor: Die Unterbringung eines Hundes koste pro Tag im Schnitt 21 Euro, eine Katze schlage mit 10 Euro zu Buche. Doch von den Kommunen werde durchschnittlich nur etwa ein Viertel der tatsächlichen Aufwendungen für Fundtiere abgedeckt.

Die Städte sehen das anders. "Fundtiere sind nur Tiere, die tatsächlich verloren gegangen sind", betont Anne Wellmann, Referentin für Ordnungsrecht beim Städte- und Gemeindebund NRW. "Weder ausgesetzte noch herrenlose Tiere wie streunende Katzen fallen darunter."

Sich um diese Tiere zu kümmern, sei deshalb keine kommunale Aufgabe, sondern eine des Tierschutzes. Somit drehe sich der Streit im Grunde um die Frage, was ein Fundtier ist und was nicht. "Es gibt hier eine Grauzone, die gesetzlich nicht klar geregelt ist", bedauert Wellmann.

Einheitliche Rahmenbedingungen

Entsprechend unterschiedlich sind die Vereinbarungen, die die einzelnen Städte mit den Tierheimen geschlossen haben. "Da gibt es einen Flickenteppich von "recht gut" bis "ganz schlecht"", sagt Tünte. "Wir wünschen uns eine bundeseinheitliche Regelung, die zumindest einen vernünftigen Rahmen festlegt, innerhalb dessen sich die Erstattung durch die Kommunen bewegen muss." Auch der Städtebund spricht sich für einheitliche Rahmenbedingungen aus.

Auf NRW-Landesebene hat es nun erste Gespräche zu dem Thema gegeben - bisher aber ohne konkrete Ergebnisse. Die einzelnen Tierheime seien finanziell eben unterschiedlich gut aufgestellt, heißt es aus dem Umweltministerium in Düsseldorf. Um die Situation vor Ort zu erleichtern, stelle das Land jährlich rund 500.000 Euro an Fördermitteln bereit.

Doch das Aushandeln der finanziellen Konditionen für Fundtiere sei letztlich eine Sache zwischen Heimen und Kommunen, in die das Land nicht unmittelbar eingreifen könne. (dpa)