Jagd auf Heilbronner Polizistenmörder geht weiter
28.03.2009 | 16:47 Uhr 2009-03-28T16:47:00+0100
Ludwigsburg. Nachdem sich die DNA der vermeintlichen Polizisten-Möderin von Heilbronn als falsche Spur erwiesen hat, spricht die Polizei von einem "herben Rückschlag", hofft aber weiterhin auf eine Aufklärung des Falles. Derweil streiten Politiker über Konsequenzen aus der Ermittlungspanne.
Nach der «Phantom»-Ermittlungspanne geht die Suche nach dem Polizistinnen-Mörder von Heilbronn weiter. Von bislang rund 3700 Hinweisen seien noch mehrere Hundert in Bearbeitung, hatte der Leiter der Sonderkommission Parkplatz, Frank Huber, bereits am Freitagabend gesagt. Von einem Neuanfang bei den Ermittlungen könne keine Rede sein. Gleichwohl sprach er am Samstag von einem «herben Rückschlag» bei den Ermittlungen. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) kündigte unterdessen an, Konsequenzen aus der Panne zu ziehen.
Das "Phantom" gibt es nicht
Am Freitag war bekanntgeworden, dass es das «Phantom», nach dem die Polizei jahrelang wegen verschiedener Straftaten gesucht hatte, nie gegeben hat. Eine DNA-Spur, die an Tatorten in Deutschland und im Ausland gefunden worden war, war durch verunreinigte Wattestäbchen entstanden. Das Erbgut stammte von einer Verpackerin aus einem Betrieb in Bayern.
Rech sagte am Samstag am Rande eines CDU-Landesparteitags in Ludwigsburg, es müsse beim Untersuchungsmaterial für DNA-Tests «ein Höchstmaß an Qualitätssicherung» erreicht werden. Er werde dieses Thema in die Innenministerkonferenz einbringen. Darüber hinaus seien auch organisatorische Änderungen vorstellbar, etwa eine Bündelung kriminaltechnischer Institute.
Verunreinigung der Wattestäbchen wird untersucht
Rech fügte hinzu, derzeit werde an der Aufklärung des gesamten Vorgangs gearbeitet. Dabei werde unter anderem untersucht, welche Chargen der Probeentnahme-Bestecke wohin geliefert wurden und was in der Produktbeschreibung stand. Am 1. April wolle er den Innenausschuss des baden-württembergischen Landtags unterrichten. Spekulationen, kriminaltechnische Institute hätten aus Kostengründen Wattestäbchen einer minderwertigen Qualität bestellt, wies Rech zurück. Dies könne er sich «nicht vorstellen».
Schadensersatzforderungen gegen die für die Verunreinigung verantwortliche Firma schloss Rech weiter nicht aus. Auch diese Möglichkeit werde im Rahmen der Überprüfung erörtert. Allerdings müsse man zunächst die Ergebnisse abwarten, bevor sich mögliche Forderungen «qualifizieren und quantifizieren» ließen.
Schäuble verteidigt DNA-Analysen
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss Konsequenzen ebenfalls nicht aus. Die Ermittlungsbehörden würden sich sicherlich mit dem Vorfall beschäftigen, sagte er am Rande der CDU-Veranstaltung. Zweifel an der Zuverlässigkeit von DNA-Analysen wies er zugleich zurück. Mit einer DNA-Spur lasse sich eine Person identifizieren. Sie sage dagegen nichts darüber aus, was eine Person getan habe. Genau diese Zuverlässigkeit habe sich auch im Fall der verunreinigten Wattestäbchen bestätigt.
Soko-Leiter Huber bezeichnete die Ermittlungspanne als «herben Rückschlag. »Wir hatten die Hoffnung, einen Schritt weiter zu kommen. Diese Hoffnung ist nun begraben». Gleichwohl sei sein Team hoch motiviert, die Fälle weiter aufzuklären.
Spuren an 40 Tatorten
Die DNA-Spuren des vermeintlichen «Phantoms» waren seit 2001 an insgesamt 40 Tatorten gefunden worden, unter anderem im April 2007 bei dem Mord an der Polizistin in Heilbronn. Am Freitag wurde klar, dass es sich nicht um das DNA-Material einer Serientäterin, sondern um das einer Arbeiterin des Betriebs handelt, in dem die für die Spurensicherung verwendeten Wattestäbchen verpackt wurden.
Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger äußerte sich über die Entdeckung «entsetzt, aber auch erleichtert». Der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann aus Münster wies darauf hin, dass die mögliche DNA-Verunreinigung sterilisierter Wattestäbchen in Fachkreisen seit zehn Jahren bekannt sei. (ddp)
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Der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann aus Münster wies darauf hin, dass die mögliche DNA-Verunreinigung sterilisierter Wattestäbchen in Fachkreisen seit zehn Jahren bekannt sei.
hört hört
und beim nächsten oder sogar vergangenen Indizienprozess werden welche Maßstäbe gesetzt?