Island will Zigaretten nur noch auf Rezept
01.07.2011 | 19:17 Uhr 2011-07-01T19:17:00+0200
Reykjavik. Nach einem dieser Tage in Island debattierten Gesetzesentwurf sollen Zigaretten in Island nur noch in Apotheken erhältlich sein – dann gegen das Vorzeigen eines ärztlichen Attestes. Die Raucher werden so zu Suchtkranken erklärt.
Im sehr dünn besiedelten Island – 318 000 Einwohner – wird jede Hand gebraucht, um sich von dem Wirtschaftszusammenbruch von 2008 zu erholen. Dementsprechend sorgt man sich auf Island ganz besonders um die Volksgesundheit – und fürchtet den Raucher-Tod.
Auf kraftvolle Weise will das Parlament Althing in Reykjavik nun seine Bürger ins rauchfreie Zeitalter schubsen. Nach einem dieser Tage debattierten Gesetzesentwurf sollen Zigaretten aus sämtlichen Supermärkten, Tankstellen, Duty-Free-Shops und Kiosken verschwinden. Nur noch in Apotheken sollen die Glimmstängel erhältlich sein – dann gegen das Vorzeigen eines ärztlichen Attestes. Die Raucher werden so zu Suchtkranken erklärt, mit der Verpflichtung zu regelmäßigen Besuchen beim Arzt. Der soll den Patienten das scheinbar so harmlose Paffen mit Aufklärung und Entwöhnungskuren austreiben.
Behandelt wie Süchtige
Hilft das alles nichts, wird ein Rezept auf Zigaretten ausgeschrieben. Die fallen dann allerdings nicht ins vorteilhaft subventionierte Gebührensystem für Medikamente, sondern werden weiterhin zum teueren Marktwert verkauft.
Vorteilhaft ist für Island in diesem Fall die geografische Lage im Nordatlantik, weit entfernt von Nachbarländern. Kurz über die Grenze zum Zigarettenautomaten zu fahren oder sich bei Schmugglern zu bedienen, denen der lange Weg nach Island ohnehin nicht lohnend genug wäre, sind keine Alternative.
Ex-Gesundheitsministerin Siv Fridleifsdottir führt die Gesetzesinitiative an. Abgeordnete von fünf Parteien unterstützen sie. Dabei ist man auf Island schon recht weit: 1991 rauchten 30 Prozent, heute nur noch knapp 15 Prozent der Isländer regelmäßig. Die mehrfache Erhöhung der Tabaksteuer und ihre seit der Finanzkrise deutlich geschrumpften Geldbeutel sollen dazu beigetragen haben.
Heute kostet ein Paket 900 isländische Kronen (5,40 Euro). Rund 3000 Kronen (18 Euro) koste es jedoch, wenn die gesellschaftlichen Kosten fürs Rauchen mit einberechnet würden, so die Befürworter der Gesetzesvorlage.
08:19
#9 Melete:
Sehr schön geschrieben! Applaus!
07:08
@8von voltago; Capo Blockwart
Ich habe ja drauf gewettet: innerhalb der ersten 10 Postings wird die Nazikeule rausgeholt.
Wer Ihnen Ihre Kippen einschränkt, wird zum Capo erklärt, also mit einem der gefürchtesten KZ-Ausseher gleichgesetzt, denn Kapos waren meist Schwerstkriminelle, die ihre sadistische Neigungen in KZs und Vernichtungslagern an inhaftierten Juden oder Oppositionellen auslebten. Ist Ihnen das nicht irgendwie peinlich, sich so zum Opfer zu stilisieren, voltago?
Kurz vor dem Ende Ihres Beitrags kommt dann nochmal die obligatorische Beleidigung kombiniert mit dem Hinweis auf die Humorlosigkeit der Nichtraucher.
Wissen Sie, Raucher glauben gerne der Werbung: dass sie locker und lebenslustig sind (und sich so positiv von der durch und durch genormten Gesellschaft abheben). Und wollen deshalb auch gerne glauben, dass Nichtraucher folglich doch irgendwie verbiestert sein müssen - das hilft ihnen nämlich dabei, damit zurechtzukommen, dass sie von diesem kleinen mickrigen Genussgift abhängig sind. Wenn dann auch nur der Verdacht aufkommt, jemand wolle den Zugang zum Suchtmittel limitieren, werden die Reaktionen aber äußerst humorlos (oder hab ich den Witz mit dem Capo nur falsch verstanden?).
02:08
Es führt in eine durch und durch genormte Gesellschaft, und das ist nicht nur zu kritisieren, dies ist schlichtweg zum ko**en.
Und jene, die dieses befürworten sollten mal inne halten und in sich hineinlauschen, ob sie wirklich bereit sind, ihren kleinen oder großen Capo und Blockwart herauslassen wollen.
Und der Abstinenzler, der geimene schlechthin, ist ein trockenes, humorloses rationales Gesäß, Ende
Gruß
21:41
Ich hoffe, dass sich unsere Politiker endlich eine Scheibe von den Isländern abschneiden und die Suchtmittel zunächst in die Apotheke und schließlich aus der Gesellschaft verbannen. Der Abstinenzler und nicht der Süchtige muss bei uns die Norm werden.
21:33
@5von tagesschau: Alles verbieten!
Alles? Wer redet hier davon, alles zu verbieten?
Es geht hier ja wohl lediglich um ein Produkt, dem eine unübersehbare Anzahl karzinogener und toxischer Stoffe zugesetzt wird. Ein Produkt, das auch in geringster Dosierung gesundheitschädlich ist (im Gegensatz zu den sonst beschuldigten Genussgiften wie Alkohol oder Fast Food, die in Maßen verzehrt keine schädliche Wirkung haben). Ein Produkt, dass - wenn es neu eingeführt werden sollte - nie eine Zulassung bekommen könnte: denn wer sollte es auf sich nehmen, ein hoch suchterregendes Produkt zuzulassen, das bereits in geringsten Mengen gesundheitschädlich ist und nicht auch nur einen positiven Effekt auf der Habenseite zu verbuchen hat?
20:32
Alles verbieten!
Von oben kräftig gängeln!
Mehr Vorschriften für alles und alle.
Ja, so sind Politiker, die uns ins Finanzchaos führen: Immer zu Ablenkungsmanövern bereit, zur Spaltung der Bevölkerung. SIE wissen es immer besser, sind Bessermenschen, die anderen Leuten Vorschriften machen dürfen.
Island verbieten!
19:52
Scharfe Gewürze, Süßigkeiten, Fett, Cholesterin, nicht zu vergessen gefährliches Gemüse wie Sprossen oder ähnliches sollten direkt verboten werden. Was für Spinner...
19:35
Hoffentlich kommt das Pleite gegangene Island mit der Rentnerschemme zurecht.Wer früher stirbt, kriegt bekanntlich weniger lang Rente.
Wann werden in Island Lebensmittel fr dicke Schweine nur noch in Apotheken abgegeben bzw. die Lebensmittel rationiert?
Und wann werden riskante Sportarten in Island verboten? Ab wann Alkohol?
19:06
sehr gut, Island tut etwas für die Gesundheit seiner BEvölkerung, vor allem für die Nichtraucher.
18:42
Absolut klasse! Da wird das Rauchen mal als das behandelt, was es ist: eine Sucht! Da kann man sich nur wünschen, dass das Schule macht.