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In Frankreich lernen Dreijährige Deutsch

21.02.2011 | 17:56 Uhr
In Frankreich lernen Dreijährige Deutsch
Mit dem Lernprogramm „Kinderkiste“ werden Kinder in Frankreich spielerisch ans Deutsche herangeführt. Foto: ofaj, kinderkiste

Paris.  Deutsch als Fremdsprache wird in Frankreich immer beliebter. Viele Eltern beklagen sich schon, wenn kein Deutschunterricht für ihre Kinder angeboten wird.

Paris, elftes Arrondissement, die Vorschule in der „Rue de la Roquette“: Tom, ein pfiffiger Blondschopf in Jeans, grünem T-Shirt und kariertem Hemd, ist der Star dieses Morgens. Und ein Exot. Denn er spricht nur eine Sprache: Deutsch. Gwendolyne, Antoine, Océane, Ulysse und die anderen – alle zwischen drei und fünf Jahre alt – können hingegen nur Französisch. Trotzdem kommen sie überraschend schnell ins Gespräch. „Tom, wo bist du?“, schallt es akzentfrei aus 26 glockenhellen Kinderkehlen.

Tom, unser Held, ist kein Junge aus Fleisch und Blut, sondern eine Handpuppe, die der nagelneuen „deutsch-französischen Kinderkiste“ entsprungen ist: einem prallem Lernkoffer, der Poster und Musik-CDs, Karten- und Brettspiele enthält – und ein Ziel hat: den Kleinsten auf beiden Seiten des Rheins die Sprache des jeweils Anderen näherzubringen. Nicht durch stures Büffeln, sondern durch Spiel und Tanz. „Die Kinder tauchen ein in Toms Phantasiewelt und wollen mit ihm spielen. Aber das geht eben nur, wenn sie mit ihm Deutsch sprechen“, erläutert Claudine Bartelheimer, die Lehrerin.

Die unerwartet raschen Lernerfolge verblüffen selbst die Macher des deutsch-französischen Jugendwerks. Schon am dritten Tag geht den Kindern der „Ecole Maternelle“ das Deutsche erstaunlich leicht über die Lippen. Sie rollen das „r“ und hauchen das „h“, unterscheiden „Brezel“ von „croissant“ und den deutschen Schnellzug „ICE“ vom französischen „TGV“.

„Erfreulicherweise erleben wir eine große Nachfrage“, sagt Andrea Schäfer, Leiterin der Sprachabteilung beim Pariser Goethe-Institut und schickt ein „Aber“ hinterher. „Eltern wünschen sich Deutschunterricht und beklagen sich, dass er nicht angeboten wird.“ Der Grund: ein dramatischer Lehrermangel.

Bei offiziellen Anlässen lässt Bildungsminister Luc Chatel keine Gelegenheit aus, für die „Partnersprache Deutsch“ zu werben. Er kündigte an, 50 Deutschlehrer einstellen zu wollen. Dennoch bleibt Englisch Fremdsprache Nummer eins. Geht es nach dem Willen Luc Chatels, sollen demnächst schon Dreijährige in der Vorschule Englisch lernen. Frankreich will sein Negativ-Image in Sachen Fremdsprachen, nämlich als desinteressiert und rückständig zu gelten, ablegen. Andrea Schäfer würde es lieber sehen, wenn Frankreich die Mehrsprachigkeit förderte, damit Deutsch künftig neben Englisch ganz oben auf dem Stundenplan steht. Umfragen des Ministeriums belegten, dass Schüler dieser bilingualen Klassen ein weitaus höheres Lernniveau aufwiesen. Vorteil zwei: Sprächen mehr Franzosen Deutsch, könnten Schlüsselpositionen in der Wirtschaft einfacher besetzt werden. Die deutsch-französische Industrie- und Handelskammer schätzt, dass 4000 Leitungspositionen in französischen Unternehmen vakant bleiben, weil die Stellenbewerber kein Deutsch sprächen.

Über 270 „Kinderkisten“, mit denen Deutsch gelernt wird, gehen demnächst im ganzen Land auf Reisen. Elisabeth Berger vom Jugendwerk glaubt fest an den Erfolg.

Gerd Niewerth



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