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Trauer

Immer etwas rätselhaft: Der leise Abschied von Maja Maranow

09.01.2016 | 18:45 Uhr
Immer etwas rätselhaft: Der leise Abschied von Maja Maranow
Schauspielerin Maja Maranow ist am 2. Januar gestorben.Foto: imago

Berlin.  Kritiker schrieben vom „leisen Abgang“ der Maja Maranow aus der Reihe „Ein starkes Team“. Kaum jemand ahnte die traurigen Hintergründe.

Große Trauer um die bekannte Schauspielerin Maja Maranow („Ein starkes Team“), die mit 54 Jahren verstorben ist. Am Samstagabend stand noch die letzte Folge mit Maranow mit dem Titel „Geplatzte Träume“ im Fernsehprogramm. Millionen Fans der einstigen TV-Kommissarin sind erschüttert über den Tod der beliebten Darstellerin. Auch ihre Kollegen sind fassungslos.

Der Schauspieler Jan Josef Liefers hat sein Herz auf Facebook ausgeschüttet: „Ich kann gar nicht glauben, dass sie nicht mehr da sein soll. Maja war eine beeindruckende Frau, eine sympathische, coole Kollegin und eine tolle Schauspielerin.“

Sie waren „Ein starkes Team“: Die Kommissare Verena Berthold (Maja Maranow) und Otto Garber (Florian Martens) . Foto: ZDF und Katrin Knoke

Maranow, die zuletzt in Berlin gelebt hat, soll schon am vergangenen Sonnabend verstorben sein. Bekannt wurde ihr Tod erst durch Traueranzeigen. Filmproduzent Nico Hofmann von der Produktionsfirma UFA Fiction, die auch das „Starke Team“ verantwortet, hatte die bewegenden Zeilen veröffentlichen lassen: „Wir verlieren eine großartige Schauspielerin und einen wunderbaren Menschen. Wir werden dich vermissen.“

Millionen Zuschauer kannten sie seit mehr als 20 Jahren aus der erfolgreichen ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“: Maja Maranow spielte darin die Ermittlerin Verena Berthold an der Seite von Kommissar Otto Garber (Florian Martens). Maranow und Martens, Sohn von Schauspieler Wolfgang Kieling, waren auch im echten Leben zwei Jahre lang ein Paar.

Sympathisch, wandelbar und geheimnisvoll

Unvergessen sind die vielen Rollen der Schauspielerin, die mit ihrer Wandelbarkeit und einer gewissen Unnahbarkeit immer ein bisschen rätselhaft blieb – auch weil sie wenig über sich selbst preisgab. Neben der Rolle als Ermittlerin verkörperte sie auch starke Charakterfrauen mit Tiefe, unter anderem in der Serie „Die Unbestechliche“ um eine Gerichtsreporterin.

„Verena Berthold kann sich so schön festbeißen, wenn sie an etwas dran ist, sie hat wirklich Ausdauer“, sagte Maranow einst über ihre „Starkes Team“-Rolle. „Sie interessiert sich für andere Menschen, kriegt viel mit und hält sich, wenn es um ihr Privatleben geht, eher bedeckt.“

Maranow sprach so über ihre Rolle wie andere über die Schauspielerin: Eine Frau, die nur wenigen einen Blick hinter die Fassade gestattet. „Das finde ich ganz spannend, da bleibt etwas offen. Ich könnte sie mir zum Beispiel ganz gut als Freundin vorstellen, sie ist keine Plaudertasche und nicht ständig mit sich selbst beschäftigt, das qualifiziert sie auf jeden Fall“, so die Schauspielerin.

Bekannt geworden mit Dieter Wedel

Geboren wurde Maranow am 20. März 1961 in Nienburg/Weser als Tochter eines Architekten. Nach der Scheidung der Eltern wuchs sie bei ihrer Mutter auf. Ihre Ausbildung erhielt sie in Hamburg an der Hedi-Höpfner-Schule. Neben Schauspiel lernte sie Singen und Tanzen.

Im Fernsehen waren es in den 90er-Jahren in erster Linie Projekte des Regisseurs Dieter Wedel, die Maranow einem größeren Publikum bekannt machten, etwa „Der Schattenmann“ oder „Der König von St. Pauli“, in dem sie als aufreizende Dirne ihr komödiantisches Talent zeigte.

Mit „Rivalen der Rennbahn“ wurde Maranow als Sylvia Gruber in den 80er-Jahren zu einer Größe der TV-Branche und war aus dem deutschen Fernsehen kaum wegzudenken: In der zweiteiligen Liebespaarschmonzette „Das Glück am anderen Ende der Welt“ sah man sie an der Seite von Heiner Lauterbach.

Gastrollen in vielen Serien

Gastrollen übernahm sie in so gut wie allen populären Reihen und Serien, darunter „Polizeiruf 110“, „Derrick“, „Kommissarin Lucas“, „Nachtschicht“ und auch im „Tatort“: 1991 trat sie in Schimanskis letztem Fall auf. Öfter besetzt hat sie auch Matti Geschonneck, etwa im Fernsehfilm „Liebe nach dem Tod“, in dem sie in der Rolle einer Ärztin mit sensiblem Gespür die Grenzen des Lebens auszuloten verstand.

Nicht zuletzt im Drama „Zeit zu leben“ zeigte Maranow als Tochter eines Ehepaares, das beschlossen hat, seinem Leben gemeinsam ein Ende zu setzen, dass sie mehr als eine Boulevardschauspielerin sein konnte.

Im August hatte Maranow ihren Austritt beim „Starken Team“ erklärt und angekündigt, sich künftig verstärkt Einzelfilmen zuwenden zu wollen. Als Profi wusste Maranow, dass die Show weitergehen muss. Ihre Nachfolge wurde sofort geregelt: Stefanie Stappenbeck (41) wird an der Seite von Florian Martens ermitteln.

Erkrankung vor Öffentlichkeit verborgen

Warum ihr Tod eine Woche lang nicht öffentlich wurde, ist nicht klar. Am Samstag berichtete die Bild-Zeitung, sie sei an Krebs gestorben. Ein Freund der Schauspielerin schrieb dem „Stern“: „Maja hatte den Wunsch, dass die Presse nichts über ihren gesundheitlichen Zustand erfährt. Diesen Wunsch respektiere ich. Nur so viel kann ich sagen: Sie ist bei sich zu Hause im Kreise von Freunden friedlich eingeschlafen.“  

Petra Koruhn

Kommentare
10.01.2016
23:41
Der leise Abschied von Maja Maranow
von WATkommichher | #4

Leider sterben die Guten immer zu früh, während die Bösewichter zu lange leben.
Ruhe in Frieden.

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Immer etwas rätselhaft: Der leise Abschied von Maja Maranow
Immer etwas rätselhaft: Der leise Abschied von Maja Maranow
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2016-01-09 18:45
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