Im Dschungel der Handytarife

Die Tarife der einzelnen Handyanbieter gleichen oft einem Dschungel.
Die Tarife der einzelnen Handyanbieter gleichen oft einem Dschungel.
Foto: Getty Images/iStockphoto
Was wir bereits wissen
Mobiles Surfen und Telefonieren werden immer günstiger. Gleichzeitig gibt es eine immer größere Auswahl an Handytarifen. Doch welches Angebot passt am besten zu mir?

Berlin..  Mobiles Telefonieren und Surfen sind in den vergangenen Jahren deutlich günstiger geworden. Gerade in den zurückliegenden Monaten hat der harte Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern die Preise für Kunden mit Smartphones noch weiter in den Keller getrieben. Schon für deutlich unter zehn Euro finden Sparfüchse inzwischen Tarife, mit denen man telefonieren, SMS schreiben und mit Hochgeschwindigkeit im Netz surfen kann.

Ein Beispiel sind die Angebote von Aldi Talk. Für 7,99 Euro im Monat bietet der Discounter ein Prepaid-Paket mit 300 Minuten oder SMS in alle Netze sowie eine Internet-Flatrate mit 300 MB Highspeed-Datenvolumen an. Mit ähnlich günstigen Tarifen buhlen Kaufland, Lidl oder GMX um Kunden. Doch wie finden Verbraucher den passenden Tarif?

Die Taktung

Auf den ersten Blick sehen die Tarife alle ziemlich gleich aus – sie unterscheiden sich jedoch bisweilen in wichtigen Details, sagt Bettina Seute vom Onlinemagazin teltarif.de. So müsse man zum Beispiel darauf achten, mit welcher Taktung die Provider abrechnen. Während die meisten Billiganbieter die Gespräche mit einer 60/60-Taktung tarifieren, rechnet Aldi die Gespräche sekundengenau ab. Dafür ist der Minutenpreis nach dem Verbrauch des Inklusiv-Volumens mit 11 Cent je Minute etwas höher als bei anderen Billiganbietern. Andererseits bietet der Discounter einen günstigen Community-Tarif für 3 Cent die Minute an, wodurch man günstig mit Freunden und Familienmitgliedern telefonieren kann, die ebenfalls eine Aldi-Talk-SIM-Karte nutzen.

Das eigene Nutzungsverhalten

„Vor Abschluss eines neuen Vertrags sollte man sich unbedingt das Nutzungserhalten der vergangenen Monate anschauen“, sagt Bettina Seute. Wie viel telefoniere ich? Mit wem? Gehen viele Gespräche ins Ausland oder reise ich viel? Lese ich nur Mails auf dem Smartphone oder will ich einen datenintensiven Musikstreaming-Dienst nutzen?

Sind diese Fragen beantwortet, konsultiert man am besten einen Tarifrechner. Neben Teltarif.de bieten zum Beispiel Verivox, Check24 oder biallo.de gute Vergleichsrechner an, mit denen sich nach Angabe des Nutzungsverhaltens schnell ein günstigster Tarif finden lässt. Teils lassen sich sehr detaillierte Angaben machen. Zum Beispiel zum gewünschten Netz.

Die Netzqualität

Die Telekom belegt bei der Netzqualität nach wie vor den ersten Rang. Nach einer Umfrage von Teltarif unter 3500 Teilnehmern bietet aber das E-Plus-Netz das beste Preis-Leistungsverhältnis. Sowohl bei der Sprachqualität als auch bei der Datennutzung erreiche E-Plus sehr gute Werte, erklärt Seute. O2 und Vodafone schnitten deutlich schlechter ab. Am besten befragt man Freunde und Bekannte oder testet mithilfe von billigen Prepaid-Karten die Qualität unterschiedlicher Netze am Wohnort und dort, wo man sich häufig mit dem Handy aufhält.

Kündigungsfristen

Von Verträgen mit langen Laufzeiten von 24 Monaten ist eher abzuraten. Die Preise sind ständig in Bewegung, und wer zwei Jahre an einen Anbieter gebunden ist, hat keine Möglichkeit zum raschen Wechseln, wenn sich die Preise ändern. Viele Gesellschaften bieten Verträge mit einmonatiger Kündigungsfrist an. Doch Vorsicht: Bei einem Wechsel in einen anderen Tarif bei einem Anbieter wird oft eine Gebühr fällig, die um die 20 Euro liegen kann. Auch die günstig beworbenen Tarife für Neukunden sind für Bestandskunden normalerweise nicht zugänglich – dann hilft nur der Wechsel zu einem anderen Anbieter und die Zahlung einer „Ablösesumme“ für die Mitnahme der Rufnummer. Das sind 25 bis 30 Euro, die die meisten neuen Anbieter aber wiederum als Startbonus gutschreiben.

Rufnummer mitnehmen

„In der Regel klappt die Rufnummernportierung problemlos“, sagt Thomas Bradler, Telekom-Experte bei der Verbraucherzentrale NRW. Sollte es Schwierigkeiten geben, sollten sich Kunden an die Bundesnetzagentur in Bonn wenden, rät der Jurist. Tipp: Prepaid-Kunden müssen bei der Mitnahme ihrer Rufnummer eine „Verzichtserklärung“ bei ihrem bisherigen Anbieter abgeben, damit die Portierung reibungslos klappt. Dieses Formular findet sich meist auf den Internetseiten des Anbieters.

Verbraucher sollten aufpassen, wenn sie zum ersten Mal ein Smartphone in Betrieb nehmen, dies aber mit einem alten Handy-Vertrag ohne speziellen Datentarif tun. Das kann schnell sehr teuer werden und passiere immer noch häufig, sagt Jurist Bradler. Auch bei einer Reise ins Ausland sollte man aufpassen, damit man nicht von teuren Roaming-Gebühren überrascht wird.

Discounter oder Platzhirsch?

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist nichts gegen die Handy-Discounter einzuwenden. Wünschten Kunden mehr Flexibilität und Service, müssten sie sich aber darüber im Klaren sein, dass die Billiganbieter oft jede Kleinigkeit außerhalb des Standardpakets extra berechneten. Bettina Seute empfiehlt den Vertragsabschluss bei einem der (teuren) Platzhirsche vor allem dann, wenn man Wert auf Zusatzleistungen wie öffentliche Hotspots oder eine zweite SIM-Karte legt.

Vergleichsrechner im Netz