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"Ich weiß nicht, was man fühlen soll"

28.10.2012 | 21:27 Uhr

Die Familie hat sich verabschiedet und mit ihr Berlin. Von einem "wunderbaren, fröhlichen Menschen", wie seine Freunde den vor zwei Wochen auf dem Alexanderplatz von Schlägern zu Tode geprügelten 20-Jährigen in Videobotschaften nennen.

Berlin (dapd-bln). Die Familie hat sich verabschiedet und mit ihr Berlin. Von einem "wunderbaren, fröhlichen Menschen", wie seine Freunde den vor zwei Wochen auf dem Alexanderplatz von Schlägern zu Tode geprügelten 20-Jährigen in Videobotschaften nennen. Es war der Abschied von einem "jungen Menschen, der seines Lebens und seiner Perspektiven beraubt worden ist", wie es Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte. Familie, Freunde und offizielle Vertreter erwiesen dem jungen Mann am Sonntag auf einer Trauerfeier die letzte Ehre.

Die Gewalttat hat Empörung, Entsetzen und Mitgefühl ausgelöst, schon in den vergangenen Tagen hatten viele Menschen am Tatort am Alexanderplatz Blumen und Kerzen niedergelegt. Zur öffentlichen Gedenkfeier in Charlottenburg kamen nun mehrere hundert Menschen. Der gemeinnützige Verein "Berliner helfen" hatte sie in Kooperation mit einem Bestattungsunternehmen und der Familie organisiert.

Zunächst verabschiedeten sich die engen Angehörigen mit einer buddhistischen Zeremonie von dem Verstorbenen. Neben Wowereit kamen auch Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) und Berlins Opferbeauftragter Roland Weber.

"Amazing Grace" für den Verstorbenen

"Ich bin ergriffen davon, was das alles für die Familie und die Freunde bedeutet", sagte Heilmann. Wowereit machte deutlich: "Heute ist nicht der Tag, um über politische Instrumente zu diskutieren. Wir nehmen Abschied, wir trauern."

Im Anschluss öffneten sich die Türen des Hauses der Begegnung für all jene Berliner, die ebenfalls ihrer Erschütterung Ausdruck verleihen wollten. Ein melancholisches Saxophon geleitete die Trauernden zu den Klängen von "Amazing Grace" in den Trauersaal.

Es ist ein junger Mensch gestorben, der sein Leben noch vor sich hatte - die Atmosphäre machte es deutlich. Pop- und R&B-Songs begleiteten eine Bildershow. Kinderfotos, Familienfotos und viele, viele Momentaufnahmen. Schnell mit dem Handy aufgenommen - in der U-Bahn oder beim Feiern.

Familie teilt Trauer mit Berlin

Die Mutter und die beiden Schwestern des Verstorbenen saßen vor dem Blumenmeer am weißen Sarg. Sie teilten mit den anwesenden Berlinern ihre Trauer und den Schmerz. Fast alle Anwesenden gingen zu ihnen und kondolierten, meist mit buddhistischer Geste: die Hände aneinander gefaltet und mit leichter Verbeugung.

In Videobotschaften erzählten Mitschüler und Freunde des Toten, wie sie ihn in Erinnerung haben. Dabei trugen sie T-Shirts mit seinem Gesicht in Comic-Optik. Die Shirts waren auch bei der Trauerfeier immer wieder bei denen zu sehen, die weinen und sich gegenseitig in den Arm nehmen. Ein Freund berichtete von Jonnys Liebe zu Mützen. Doch er sagte auch fassungslos: "Ich bin sprachlos. Ich weiß nicht, was man fühlen soll."

dapd

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http://www.derwesten.de/panorama/ich-weiss-nicht-was-man-fuehlen-soll-id7239534.html
2012-10-28 21:27
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