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Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht

13.05.2013 | 16:22 Uhr
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
Arbeiterinnen in Bangladesh, die den Fabrikeinsturz überlebt haben, warten auf die Auszahlung ihrer Gehälter.Foto: dpa

Dhaka.   Der Trümmerberg nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch ist fast abgetragen. Die traurige Bilanz: 1127 Tote und 2438 Verletzte. Nun zieht die Regierung erste Konsequenzen. Die Rechte der Textilarbeiter würden gestärkt. Und: hunderte Fabriken werden endgültig geschlossen.

Rund drei Wochen nach der Hauseinsturz-Katastrophe mit mehr als 1100 Toten hat Bangladeschs Regierung die Rechte der Textilarbeiter gestärkt. Sie dürften sich zukünftig in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen, erklärte Sprecher Mosharraf Hossain Bhuiyan am Montag in Dhaka. Bereits am Sonntagabend hatte die Regierung entschieden, den gesetzlichen Mindestlohn von Textilarbeitern anzuheben, der derzeit bei etwa 30 Euro liegt. Eine neue Summe wurde aber noch nicht festgelegt.

Außerdem begannen die Behörden damit, in fast 950 Fabriken im Land Sicherheitsstandards durchzusetzen. Die Arbeitsbedingungen dort waren von einer Untersuchungskommission am Sonntag als riskant eingestuft worden. 18 Fabriken wurden bereits geschlossen. In den fast 4000 Textilunternehmen in Bangladesch arbeiten mehr als 3,5 Millionen Menschen.

Die Suche nach Überlebenden und Toten unter den Trümmern des einst achtstöckigen Gebäudes sollte am Dienstag eingestellt werden. In den 19 Tagen seit dem Unglück haben Soldaten, Feuerwehrleute und Helfer des Roten Kreuzes nach offiziellen Angaben bis Montag 2438 Verletzte und 1127 Leichen geborgen.

Fabrik-Katastrophe erhöht Druck auf die Textilindustrie in Bangladesch

"Wir werden die Unglücksstelle formell morgen der Distriktverwaltung übergeben", sagte Oberst Sajal Shaykhuzzaman am Montag. Vorher wollen die Rettungskräfte gemeinsam beten. Die meisten Trümmer des Gebäudes in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka seien beseitigt. Noch am Freitag hatten die Rettungskräfte eine Textilarbeiterin lebend gefunden. Sie erholt sich im Krankenhaus.

Ein Gericht wies am Montag die lokalen Behörden an, alle Unterlagen, die das eingestürzte Gebäude Rana Plaza betreffen, innerhalb von sieben Tagen einzureichen. Außerdem soll eine Liste aller Textilarbeiter erstellt werden, die in den Fabriken in den oberen Stockwerken des Gebäudes arbeiteten und noch vermisst werden. Der Gebäudeinhaber, die Fabrikbetreiber und die Ingenieure, die den Plan des Hauses genehmigten und überwachten, waren festgenommen worden.

Das Unglück hat den Druck auf die Textilindustrie in dem südasiatischen Land verstärkt, internationale Arbeits- und Sicherheitsnormen besser einzuhalten. Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Bangladesch. In dem Niedriglohnland kommt es wegen Mangel an Kontrollen immer wieder zu schweren Unfällen. (dpa/afp)


Kommentare
15.05.2013
08:15
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von melr | #5

Das Problem ist, dass man ja gar nichts anderes bekommt. Entweder das Billig-T-Shirt für 5.- Euro mit mieser Qualität, oder das Markenshirt mit Markenlabel für 30.- Euro in nicht ganz so mieser Qualität.

Solange wir dermaßen verschwenderisch mit unserer Kleidung umgehen, und die Leute einmal im Jahr den halben Kleiderschrank mit fast ungebrauchter Billigware im Kleidercontainer entsorgen, wird sich das auch nicht ändern.

Und selbst wenn: nützen würde das diesen Näherinnen in Asien auch nichts. Es gibt dort eben keine Fabriken, wo der Betreiber den Großteil des Gewinns an die Näherinnen ausschüttet.

Anscheinend sind sich manche Leute nicht bewusst, welchen gesellschaftlichen Wert diese Frauen in diesen Staaten haben. Da können wir noch so viel bezahlen, es wird schlichtweg nicht bei den Näherinnen ankommen.

Ist ja hier auch nicht anders. Relativ gesehene Billiglöhner gibt es auch hier, egal wie viel wir für die Ware bezahlen, die diese armen Kerle her stellen.

14.05.2013
14:06
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von rapo | #4

Es kommt in diesen Ländern nicht wegen "mangelnder Kontrollen" immer wieder zu schweren "Unfällen", sondern wegen unserer menschenverachtenden Haltung zum Konsum. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Klamotten für 5,99 oder 255,99 kauft. Hersteller sind meist die gleichen "Fabriken" und Stoffe, Färbemittel und "Veredelungs"methoden, z.B. für Jeans, sind die gleichen. Es ist UNSERE Haltung zu Konsum, Arbeitsbedingungen und Herstellungsmethoden, die diese sklavenhalterischen Zustände ermöglicht und aufrechthält! Da hilft auch die geheuchelte oder echte "Bestürzung" nicht, sondern Umdenken. Z.B. erinfach keine Kleidung kaufen, auf deren Einnäher steht: "hergestellt für", statt "hergestellt in". Der Profit der höherpreisigen Ware bleibt nicht bei den Armutssklaven unserer Denke, sondern bei Handel und Zwischenhandel. Wird Bangla Desh oder Pakistan für diese zu "teuer", zieht die internationale Karawane eben weiter, z.B. nach Afrika. Das müssen gerade viele chinesische hersteller feststellen

14.05.2013
10:27
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von jessiesrevenge | #3

Gut so, die sollen erstmal schauen den Sklaven dahinten die Arbeitsbedingungen zu erleichtern und ein Monatsgehalt von 30,-€ (!!) ist echt viel zu wenig, selbst für Bangladesh. Auch für 30,-€ werden die Leute hungern, obwohl sie arbeiten. Sowas muss gestoppt werden!!

13.05.2013
23:12
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von Okling | #2

Und die dann arbeitslosen Näherinnen der gschlossenen Fabriken verdienen dann gar nichts mehr. Nicht mehr in Lebensgefahr durch abbruchreife Fabrikgebäude, dafür kein Geld für Essen usw.

Ich zahle auch gerne das Doppelte für eine Hose. Dann aber bitteschön nicht mehr diesen ausschließlich zu bekommenden Mist aus den Fabriken in Asien, sondern preisangemessene, haltbare Ware aus Europa.

Mit Sicherheit zahle ich aber nicht mehr, um die gleichen miesen Nähte und chemieverseuchten Stoffe aus den gleichen (dann etwas sichereren) Fabirken zu bekommen, wo man erst noch mit zum Schneider muss, um den Schrott nacharbeiten zu lassen.

Mehr als die paar Euro Kaufpreis ist das Zeug auch nicht wert, was die da in diesen Billigfabriken produzieren.

2 Antworten
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von KuKu | #2-1

Warum kaufen Sie überhaupt diesen Mist, wenn die Nähte schlecht sind und die Ware chemieverseucht? Kaufen Sie Alles, wenn es nur billig ist? Bewerben Sie sich doch in einer Fabrik in Europa. Dort wird dann die Kleidung hergestellt, für die Sie dann gerne das Doppelte bezahlen, somit anstatt 3,99 € wahrscheinlich 7,99 €. Was meinen Sie wohl, wie hoch der Stundenlohn für Sie in dieser Fabrik dann wäre? 99 Cent? Ihr Kommentar zeugt nicht davon, dass Sie groß über das Problem nachgedacht haben.

Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von rapo | #2-2

Es ist keineswsegs nur Billigware, die in genau diesen Fabriken produziert wird. Auch die meisten Markenlabel lassen genau dort produzieren. Auch diese zahlen den Näherinnen bzw. den Fabrikanten keinen Cent höhere Stückpreise oder lassen mit weniger giftigen Farbstoffen arbeiten. Speziell Schwarzfärbungen oder die Waschungen und Behandlungen von Jeans im "Used-Look" sind extrem giftig und/oder gesundheitsschädigend. Ob man hier Billigklamotten für 5,99 oder "Edelklamotten" für 105,99 kauft, der Hersteller ist oft der gleiche, ebenso wie die verwendeten Materialien. Der Profit bleibt nicht bei den Erzeugern, sondern bei Zwischenhandel und Handel, den Preis zahlen unsere Armutssklaven. Wenn Bangla Desh oder Pakistan zu "teuer" für die Hersteller werden, zieht die internationale Karawane eben weiter, z.B. nach Afrika, das erleben gerade viele chinesische Produzenten, die schon zu "teuer" wurden. Menschenverachtend, unsere Haltung.

13.05.2013
20:48
Hunderte Textilfabriken in Bangladesch werden dicht gemacht
von IIDottore | #1

Ein erster Schritt - ich befürchte aber ,daß die Bekleidungskonzerne das nicht auf sich sitzen lassen . Vermutlich ziehen sie in ein noch ärmeres Land als Bangladesh weiter (auch wenn es das kaum noch geben dürfte ...) und natürlich werden die Preise für Bekleidung ,wenngleich selbst die höheren Lohnkosten für die Näherinnen einen nahezu unmerklichen Bruchteil ausmachen , massivst erhöht werden ....

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