Hundekrankheiten homöopathisch behandeln
24.02.2009 | 00:01 Uhr 2009-02-24T00:01:00+0100
Essen. Es ist Online-Sprechstunde. Die Tierärzte Dr. Gmeiner und Dr. Höptner beantworten ihre Fragen. In dieser Woche geht es um Lipome, Tumore und Scheinträchtigkeit. Letztes lässt sich auch homöopathisch behandeln. Dabei ist jedoch einges zu berücksichtigen.
Frage: Unsere 9 Jahre alte Hündin ist scheinträchtig. Ich habe das Gefühl, ihre Symptome, wie Unruhe, Versuch des Nestbaus, ständiges Klagen und manchmal auch Heulen wie ein Wolf, verstärken sich mit zunehmendem Alter. Sie erhält dann immer ein Medikament und nach einigen Tagen beginnt dies zu wirken. Meine konkrete Frage: Besteht die Möglichkeit, die Scheinträchtigkeit schon im Vorfeld mit homöopathischen Mitteln zu mildern?
Christoph Höptner studierte Tiermedizin an der Università Degli Studio Milano. Seine Approbation als Tierarzt erhielt er im Mai 1995.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind die "Kardiologische Diagnostik" - einschließlich Farbdopplersonographie - und die "abdominale Chirurgie".
Antwort: Speziell die Homöopathie bietet eine Vielzahl von therapeutischen Möglichkeiten. Beim Einsatz von entsprechenden Präparaten sollte immer berücksichtigt werden:
a) Causa (auslösende Ursache)
b) Modalität (Umstände und Bedingungen, die eine Verbesserung oder Verschlechterung bewirken)
c) Konstitution (Gesamteindruck des Tieres)
d) Verhaltenssymptome
e) Allgemeinsymptome
Dies zeigt, dass Homöopathie nicht ein Verabreichen von Globuli oder Tablettchen ist, sondern in der Hand des geschulten Therapeuten gezielt angewendet werden kann. Die wichtigsten Präparate hinsichtlich Scheinträchtigkeit sind:
- Asa foetida (Stinkasant oder Teufelsdreck) Es tonisiert die glatte Muskulatur, passt eher zum dicklichen, schlaffen Patienten, der Ausfluss (Sekret) riecht oft stark, die Tiere sind berührungsempfindlich, man findet ausgesprochene Nervosität - mit großem Hang zur Hysterie. Symptome werden abends schlimmer, bessern sich bei Bewegung. Potenz D4 3 mal täglich eine Dosis.
- Ignatia (Ignatiusbohne) Nerven - und Stimmungsmittel, mit auffallender Wechselhaftigkeit der Symptomatik. Es besteht mitunter Zitter- und Krampfneigung, insbesondere in der Einschlafphase. Besserung durch Wärme, Verschlechterung durch Kälte und Anstrengung. Tiere werden häufig nur einmal im Jahr läufig. Potenz D30 täglich eine Gabe, sollte längere Zeit angewendet werden - bis zu 6 Wochen.
- Pulsatilla pratensis (Kuh- oder Küchenschelle) Hat Östrogenwirkung und führt dadurch zur starken Hyperämie (Durchblutung) der Harn- und Geschlechtsorgane, Wärme verschlechtert.
- Kälte und Bewegung in frischer, kalter Luft bessert. Patienten sind meist "übertrieben" freundlich und unterwürfig, werden erst sehr spät läufig. In niedrigen Potenzen wirkt es organotrop (sprich auf die Milchdrüse), in hohen Potenzen psychotrop (verhaltensbeeinflussend). Potenz D30 tägliche Gabe. Weitere Mittel : Cyclamen, Lilium tigrinum, Phytolacca, Causticum, Sabina...
- Häufig werden Mischpräparate eingesetzt wie zum Beispiel Hormeel S, Gynäkoheel oder Pregnostat.
Frage: Ich habe einen knapp 14 Jahre alten Sibirischen Husky, er hat einen Tumor an der Nebenniere (nicht zu operieren), außerdem hat er noch Arthrose, jetzt hat mein Tierarzt auch noch erhöhte Nierenwerte festgestellt, das Spezialfutter frisst er absolut nicht, ich habe alles probiert, für das normale Futter habe ich Ipakitine Pulver bekommen, was er auch frisst. Mein Problem ist, er will nicht alleine trinken, ich muss ihm das Wasser regelrecht reinzwingen, da kommen aber auch höchstens 350-400ml zusammen, mit dem Wasser, das ich ins Futter mische. Jetzt habe ich es mal ausprobiert, mehr Wasser über das Futter zu gießen, damit es danach schmeckt, das Pulver zu vermischen, das Wasser abzugießen, und ihm dann das Wasser in Raten zu trinken zu geben. Das klappt. Können Sie mir vielleicht sagen, ob das O.K ist? Gibt es vielleicht Rezepte, die ich ihm kochen kann, so dass er das Pulver nicht braucht. Es ging im trotz Tumor und Arthrose so weit ganz gut, aber jetzt mache ich mir wirklich Sorgen. Mein Tierarzt sagt, er soll lieber das Futter fressen, aber das will er nicht.
Helmut Gmeiner ist Fachtierarzt für kleintiere. Er studierte Tiermedizin an der LMU München. 1991 erhielt er seine Approbation als Tierarzt.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind "Orthopädische Chirurgie" und "Augenheilkunde".
Antwort: Die Fütterung eines nierenkranken Patienten stellt eine große Herausforderung dar. Leider kann man mit selbstzubereiteten Diäten diesem Problem nur zum Teil gerecht werden. Sie sollten generell sehr hochwertiges Eiweiß verwenden, damit die Verdaulichkeit gut ist, um die Nieren nicht zusätzlich zu belasten. Gleichzeitig ist auf ausreichende Kalorienzufuhr zu achten, da ihr Hund ja zusätzlich an einer Tumorerkrankung leidet. Also komplexe Kohlenhydrate (z.B. Vollkornnudeln) sind gefragt. Beim Wasserhaushalt hingegen sehe ich ein Problem! Man könnte Elektrolytlösungen zusätzlich oral geben -als kurzfristige Übergangs-Lösung oder generell das Futter suppig anmachen. Fertigprodukte haben sicherlich etliche Vorteile, die Akzeptanz ist jedoch mitunter nicht gut. Lassen Sie sich doch einige kleine Futterproben mitgeben und testen sie alle durch. Zusatzpräpate zur Therapie eines Nierenpatienten sind unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgversprechenden Medikamentenanwendung. Einerseits wird Phosphor gebunden (dadurch die Belastung der Niere deutlich reduziert) und andererseits eine Fibrosierung (binde-gewebige Veränderung der Niere) merklich verzögert.
Anmerkung: Wenn ihr Tier immer weniger trinkt, deutet dies auf ein Fortschreiten der Nierenproblematik hin bzw. wird es dazu führen. Lassen Sie regelmäßig die Nierenwerte kontrollieren, um nicht den Zeitpunkt zu verpassen, wenn es soweit ist.
Frage: Unsere fast 7-jährige Golden Retriever Hündin hatte bisher immer einen zuverlässigen Zyklus zwischen 8 und 8,5 Monaten. Jetzt aber ist sie schon bei 9,5 Monaten und nichts lässt darauf schließen, dass sich in den nächsten Tagen irgend etwas "anbahnt". Was ich noch bemerken möchte, ist die Tatsache, dass sich bei ihr immer mehr Lipome in unterschiedlichen Größen bilden. Gibt es da eventuell einen Zusammenhang? Oder verschiebt sich die Läufigkeit auch ab einem gewissen Alter?
Antwort: Die Hündin gehört zu den monöstralen Tieren. Das durchschnittliche Läufigkeitsintervall beträgt 6-7 Monate. Es bestehen aber erhebliche rassebedingte und individuelle Unterschiede. Die normale Schwankungsbreite beträgt 4-12 Monate (kurze Intervalle bei kleinen Rassen, 12 Monate z.B. beim Dingo oder Basenji). Bei einer bestimmten Hündin ist normalerweise die Dauer des Läufigkeitsinervalls konstant. Der kurz möglichste Läufigkeitsabstand entspricht der Dauer der Luteolyse der Gelbkörper und beträgt 3 Monate.
Der Läufigkeitszyklus gliedert sich in vier Phasen: Proöstrus, Östrus, Metaöstrus und Anöstrus.
Bis ins Alter von 5-7 Jahren sind die Zyklusintervalle regelmäßig. Bei älteren Hündinnen verlängert sich häufig die Anöstrusphase und die Läufigkeit tritt nur noch einmal jährlich ein. Meistens sind die Anzeichen der Läufigkeit nicht mehr so deutlich ausgeprägt. Zu einem definitiven Ende des Sexualzyklus kommt es nicht, jedoch findet man bei Hündinnen, die älter sind als 9 Jahre, in 2/3 der Fälle pathologische Veränderungen an der Gebärmutter (Zysten, Hyperplasie, Atrophie, Tumoren). Daher ist es sicherlich sehr empfehlenswert, mit diesen Hündinnnen regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt ihres Vertrauens vornehmen zu lassen.
Grundsätzlich besteht zwischen dem veränderten Sexualzyklus und dem Auftreten von Lipomen kein Zusammenhang.
Das Lipom ist eine gutartige Neoplasie der subkutanen (und gelegentlich dermalen) Lipozyten. Lipome sind meist bei älteren bis alten Hunden zu sehen, wobei Dobermänner, Zwergschnauzer und Labradors besonders häufig betroffen sind. Die Tumoren treten bevorzugt am Brustkorb, Bauchraum und an den Gliedmaßen auf.
Die Online-Sprechstunde
Haben auch Sie eine Frage zu Ihrem Haustier? Dann senden Sie diese einfach an tiere@derwesten.de
Die Antworten werden jeden Dienstag auf www.DerWesten.de/tiere vorgestellt.
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- Weitere Informationen zur Praxis von Dr. Gmeiner und Dr. Höptner finden Sie unter http://www.kleintierpraxis-mh.de
18:08
Aber ansonsten eine gute Geschäftsidee......
18:06
Homöopathie ist Volksverdummung .
15:13
Ob Homöopathie so einfach von Mensch auf Hund zu übertragen ist, wage ich mal zu bezweifeln. Schliesslich konnte noch nie ein Hund die Studien anstellen, wie bestimmte Mittel auf ihn wirken.
Soweit ich weiss spielt dabei auch der Placeboeffekt eine sehr grosse Rolle und es ist etwas schwierig meinem hund zu erklären, das das Mittel das er gar nicht bemerkt ihm hilft, gesund zu werden.
In einem muss ich allerdings zustimmen, in unheilbaren Fällen wie Krebs hilft Homöopathie genauso gut oder schlecht wie jedes andere Mittel.
11:59
Zumindest übernimmt diesen Hokus-Pokus keine Krankenkasse.
22:03
Homöopathie ist Scharlatanerie.
10:32
Danke für den wirklich interessanten Beitrag. Ich lese immer wieder gerne interssante und ausführliche Hunde Ratgeber. Besondern über die Behandlung von Krankheiten