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Helden des Ruhrgebietes auf Zollverein

21.10.2012 | 16:24 Uhr
Helden des Ruhrgebietes auf Zollverein
Dreharbeiten auf Zollverein: Sebastian Ströbel und Christiane Paul.Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool

Essen.   Auf Zeche Zollverein wurde am Samstag gedreht: Szenen eines RTL-Katastrophenfilms. Prominente Schauspieler wie Armin Rohde, Ingo Naujoks und Hauptdarstellerin Christiane Paul retten darin das Ruhrgebiet.

So schön ist das Wetter an diesem Samstag, dass schon am Morgen die ersten Besucher zur Zeche Zollverein nach Essen kommen. Und dann das: Blaulichter zucken, überall stehen Sanitäter und hinter der abgesperrten Halle zehn herrscht Aufregung. Zwanzig, vielleicht 30 verletzte Menschen bluten, humpeln und stöhnen, dass eine ältere Dame vor dem Absperrband sich sorgt. „Da ist bestimmt ‘was Schlimmes passiert.“ Doch der junge Mann an ihrer Seite kann sie beruhigen: „Die drehen da nur einen Film, Oma.“

„Helden“ heißt er und ist das, was der Sender RTL gerne „Event Movie“ nennt. Wo für gewöhnlich Schiffe untergehen oder Züge entgleisen. In diesem Fall ist die Lage noch ernster. Nicht nur im Ruhrgebiet, sondern überall in Deutschland.

Dreharbeiten zu "Helden" auf Zeche Zollverein (Fotos: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool).

Großes Fernsehen soll es werden mit einer großen Katastrophe. Ausgelöst von Wissenschaftlern in Genf, die im Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren wollen und dabei ein Schwarzes Loch geschaffen haben, das die Erd-Gravitation verändert. Das ist – etwas verkürzt gesagt – nicht gut.

Satelliten stürzen ab, der Strom fällt aus, weltweit herrscht Ausnahmezustand. „Ja“, sagt Hauptdarstellerin Christiane Paul, „das ist etwas unrealistisch aber sehr unterhaltsam.“ So wie Produzent Stefan Raiser es gerne mag: „Wir drehen hier ja keine Dokumentation.“

Deshalb retten in der Acht-Millionen Euro teuren Produktion neben Paul unter anderem Hannes Jaenicke, Heiner Lauterbach oder Sebastian Ströbel die Welt. Und bei den Szenen im Ruhrgebiet hilft auch Armin Rohde.

Ex-Bergmann und Schalke Fan

Der steht am späten Morgen in dreckigem Hemd, speckiger Hose mit weißen Socken in Sandalen an der Absperrung. „Sind Sie wieder ein Schurke?“, fragt ihn eine Frau. „Nee“, sagt Rohde, „ich bin einer von den Guten.“ Das ist noch untertrieben. „Willi“ heißt er im Film, ist Ex-Bergmann und Vorsitzender eines Schalke-Fanclubs. Einer der anpackt, nicht lange fackelt. „Ich vereine“, gibt der gebürtige Gladbecker zu, „ziemlich viele Klischees in meiner Person.“ Immerhin muss er sich sprachlich nicht verstellen. „Hier darf die Heimatzunge durchklingen.“

Auch Armin Rohde hilft bei der Rettung des Reviers.

Genau wie bei Ingo Naujoks, dem zweiten Helden aus dem Revier. Zusammen evakuieren die beiden ein von einer Gasexplosion bedrohtes Krankenhaus. Deshalb treibt Naujoks wenig später auch ein paar Dutzend als Patienten verkleidete Statisten durch eine Tür, die laut Drehbuch in einen stillgelegten Bergwerksschacht führt, in Wirklichkeit aber nirgendwohin. Ein halbes Dutzend Mal wird die Szene gedreht, dann ruft Regisseur Hansjörg Thurn zur Mittagspause.

Bevor es weitergeht am Nachmittag, wird bei den rund 100 Statisten noch einmal nachgebessert. Wobei das in diesem Film nicht verschönern sondern verschlimmern bedeutet. Hier noch einen Riss ins Hemd machen, dort frisches Blut auftragen oder eine gehörige Portion Dreck auf die Hose schmieren. „Jetzt wissen wir auch“, sagt eine Komparsin, „warum wir möglichst alte Klamotten anziehen sollten.“

Eine geschlossene Brücke, über die früher die Kohle zur Wäsche gefördert wurde, dient am Nachmittag als Kulisse für den Bergwerksschacht. Hier wartet zum Abschluss des Tages schon Christine Neubauer als Willis Frau Rosi und Krankenschwester mit Herz.

Besorgte Japaner

Quer durch Deutschland und in Österreich hat das Team zuvor gedreht und dabei drehbuchgerecht eine Spur der Verwüstung hinterlassen. St. Gilgen am Wolfgangsee etwa, beliebtes Ziel von Touristen aus Fernost, wurde zu einem zerstörten Schwarzwalddorf. Mit vielen Tricks und Einverständnis der Bevölkerung natürlich. Leider aber vergaß die Verwaltung die städtische Webcam vorübergehend vom Netz zu nehmen. Was Tausende Japaner im Fernen Osten in große Sorge stürzte. „Das Telefon beim Bürgermeister stand nicht mehr still“, weiß Raiser.

Gut gelaunt: Hannes Jaenicke

Könnte dem Bürgermeister von Gelsenkirchen im Herbst 2013 ähnlich gehen, wenn der Film im Fernsehen läuft. Die Spielstätte des FC Schalke 04 geht darin nämlich in Flammen auf. Fans des BVB sollten sich allerdings nicht zu früh freuen. „Das passiert“, versichert Stefan Raiser, „ausschließlich am Computer“.

Andreas Böhme



Kommentare
22.10.2012
18:50
Helden des Ruhrgebietes auf Zollverein
von Waitki | #1

Event-Movie, Movie-Event, was sind das für dumme Ausdrücke. Ein Event ist eine Veranstaltung. Also Veranstaltung-Film und Film-Veranstaltung
Ja die Sprache muss sich weiter entwickeln, aber nicht durch unsinnige englische Wortspiele verunstaltet werden

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