Hannes Jaenicke verlangt den Stopp von Jagdtrophäen

Hannes Jaenicke - Schauspieler und Umweltaktivist ist nach Afrika gereist um merh über die Könige der Savanne zu erfahren.
Hannes Jaenicke - Schauspieler und Umweltaktivist ist nach Afrika gereist um merh über die Könige der Savanne zu erfahren.
Foto: Markus Strobel
Was wir bereits wissen
Der Schauspieler engagiert sich im ZDF für den Schutz von Tieren. Diesmal ist der 55-Jährige „im Einsatz für Löwen“ (Titel). Warum, verrät er im Interview.

Mainz.. Der Schauspieler Hannes Jaenicke ist „im Einsatz für Löwen“ (Dienstag, ZDF, 20.15 Uhr). Jürgen Overkott sprach mit dem 55-Jährigen.

Sie haben in den letzten Jahren immer wieder Projekte zum Tier- und Umweltschutz gemacht. Was treibt Sie an?

Hannes Jaenicke: Ich sehe, dass man etwas bewegen kann. Meine Produktionspartner und ich staunen jedesmal, was diese ZDF-Dokumentationen in Gang gesetzt haben. Das ist ein großartiger Ansporn, weiterzumachen.

Sie machen mich neugierig.

Hannes Jaenicke: Als wir den Film über die Orang Utans gemacht haben, war ich Gast bei Johannes B. Kerner, zusammen mit einem niederländischen Wiederaufforstungsspezialisten. In dieser Talkshow hatten wir zwölf Minuten Redezeit, und die ZDF-Zuschauer haben anschließend im siebenstelligen Bereich gespendet. Das ist aber nur ein Beispiel von mehreren: Als wir den Film über Haie gemacht haben, in dem wir gezeigt haben, dass Haien die Flossen abgeschnitten und die Fische anschließend wieder ins Meer geworfen wurden, hat das KaDeWe in Berlin das gesamte Hai-Angebot aus dem Sortiment genommen.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass das Fernsehen eben doch mehr als eine Flimmerkiste ist.

Hannes Jaenicke: Man sagt, das Fernsehen macht Kluge klüger und Dumme dümmer. Wenn ich mich im Fernsehprogramm umschaue, gibt es immer großartige Sachen. Denken Sie an Arte-Filme oder BBC-Dokus. Wenn man aber das Fernsehen einfach nur drauflosdudeln lässt, macht es natürlich blöd. Es kommt also immer darauf an, was man mit dem Fernsehen macht.

Seit wann interessieren Sie selbst für Umweltthemen?

Hannes Jaenicke: Seit meinen Teenager-Jahren.

Sind Sie selbst mit Tieren aufgewachsen?

Hannes Jaenicke: Ja, aber nur mit Kleintieren, mit Hamstern, Meerschweinchen und Katzen. Ich habe heute zwei Katzen – ich war immer ein großer Katzen-Fan.

Die Liebe zu Katzen ist das eine, und das Engagement für die Umwelt ist das andere. Gab es für Sie ein konkretes Erlebnis, das Sie zum Handeln motiviert hat?

Hannes Jaenicke: Es gab eine ganze Reihe von Ereignissen. Am meisten im Gedächtnis geblieben ist mir – ich habe damals in Köln gewohnt – das große Fischsterben im Rhein von 1986. Da dachte ich, Mann, da muss jetzt mal etwas passieren. Es hat breiten Protest gegen die Chemie-Industrie gegeben. Heute schwimmen im Rhein wieder Fische, man kann sogar wieder in ihm baden! Und das ist für mich der Beweis, dass es nie zu spät ist um etwas zu retten.

Bevor Sie vom ZDF als Tierschützer verpflichtet wurden, haben Sie Reisefilme für Vox gemacht.

Hannes Jaenicke: Auch dort haben wir – mein jetziger Kameramann Markus Strobel und ich – versucht, Umweltthemen unterzubringen. Diese Szenen wurden aber immer herausgeschnitten. Und da haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, ob wir nicht ein eigenes Format starten sollten. Dabei habe ich eine Idee geklaut, das sage ich ganz ehrlich, und zwar von dem englischen Schriftsteller Douglas Adams, der mit dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ berühmt geworden ist. Eines seiner Bücher war wilden Tieren gewidmet; es hieß: „Die letzten ihrer Art“. Und ich habe mich jahrelang gewundert: Warum macht das keiner fürs Fernsehen – nicht einmal die BBC?

Bei Filmen über bedrohte Tierarten in fernen Ländern denke ich automatisch an Professor Grzimek. Spielte er in Ihrem Leben eine Rolle?

Hannes Jaenicke: Bei mir ehrlich gesagt nicht; ich bin in den USA aufgewachsen. Ich habe ihn erst kennengelernt, als ich nach Deutschland zurückkam. Für den Löwen-Film allerdings spielte er eine ganz wichtige Rolle. Zusammen mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, die Grzimek gegründet hat, und dem amerikanischen ‘Serengeti Lions Project’ war ich in der Serengeti, und da sind wir überall auf Bernhard Grzimek gestoßen.

Wie sind Sie darauf gekommen, diesmal Löwen in den Mittelpunkt zu stellen?

Hannes Jaenicke: Das war eine Entscheidung, die wir gemeinsam mit der ZDF-Redaktion getroffen haben. Wir suchen Tiere, die einen gewissen emotionalen Faktor haben, und bei Löwen ist das der Fall – schon allein, weil der Löwe das Wappentier vieler Städte und Bundesländer ist. Der Löwe ist auf Schoko-Riegeln, und MGM lässt ihn im Filmvorspann brüllen. Und in jedem Zirkus dürfen immer noch Löwen auftreten – was ich persönlich für einen Skandal halte. Nur wenige Menschen wissen, dass der Löwe ausstirbt.

Wie das konkret aus?

Hannes Jaenicke: Die ganze Welt schreit mit Recht, dass es nur noch 400.000 afrikanische Elefanten gibt. Im Vergleich dazu: Es gibt nur noch 25.000 bis 30.000 Löwen.

Wer oder was bedroht ihn am meisten?

Hannes Jaenicke: Zum einen der Habitatverlust durch die Industrialisierung Afrikas, vor allem im Agrar-Bereich. Dann die Großwildjäger aus Europa und USA, die zwischen 50.000 und 100.000 Dollar zahlen, um einen Löwen schießen zu dürfen. Und drittens die Konflikte zwischen den Viehhaltern der Massai und Löwen. Sobald ein Löwe kapiert, dass eine Kuh essbar ist, hört er auf, Antilopen zu jagen; das ist nämlich ungleich schwerer. Die Viehhalter wehren sich mit vergifteten Kadavern. Dazu kommt, dass Löwen in fast jedem Zirkus, fast jedem Zoo zu sehen sind, und das erweckt den Eindruck, als gehe es der Tierart gut. Dabei ist sie kritisch vom Aussterben bedroht.

Wie lassen sich Löwen schützen?

Hannes Jaenicke: Verbraucher, zu denen auch ich mich zähle, sollten in keinen Zoo, und vor allem in keinen Zirkus mehr gehen, der große Raubkatzen zeigt. Wildtiere im Zirkus sollten sofort verboten werden. Und die Bundesregierung muss wie z.B. Australien ein Gesetz erlassen, das die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet. Denn damit hört der Jagdtourismus sofort auf.