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Gysi: "Journalisten müssten viel mehr Geld verdienen"

29.12.2012 | 05:34 Uhr
Foto: /dapd/Patrick Sinkel

Angesichts der jüngsten Hiobsbotschaften aus der Zeitungsbranche hat sich der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, für die Einrichtung einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtenagentur ausgesprochen. Diese sollte ähnlich wie die Sparkassen organisiert sein, "da kommt auch kein Landesfinanzminister ran", sagte Gysi in einem dapd-Interview.

Berlin (dapd). Angesichts der jüngsten Hiobsbotschaften aus der Zeitungsbranche hat sich der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, für die Einrichtung einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtenagentur ausgesprochen. Diese sollte ähnlich wie die Sparkassen organisiert sein, "da kommt auch kein Landesfinanzminister ran", sagte Gysi in einem dapd-Interview. Denn die Privatisierung der Medien habe die Folge, dass es Eigentümer mit Interessen gebe: "Sie wollen erstens verdienen, zweitens eine politische Richtung vorgeben, in die sie Einfluss entwickeln wollen."

Gysi sagte: "Ich glaube, dass wir auch öffentlich-rechtliche Medien brauchen." Das sei glücklicherweise nach dem Krieg bei ARD und ZDF gesichert worden. "Wir brauchen aber auch eine öffentlich-rechtliche Agentur", fügte er hinzu.

Die Lage der Journalisten hat sich nach Einschätzung Gysis in den letzten Jahren massiv verschlechtert. "Journalisten müssten viel mehr verdienen, sonst sind sie nicht mehr unabhängig genug", sagte er. Früher hätten die Journalisten Zeit gehabt, und sie hätten auch das Recht zur eigenen Meinung gehabt. Die Bedingungen hätten sich aber inzwischen geändert. "Die Journalisten haben keine Zeit mehr zu recherchieren, deswegen wird immer mehr gegenseitig geklaut."

Weiterentwicklung der Printmedien gefordert

Der Fraktions-Vorsitzende der Linken forderte die Printmedien aber auch auf, sich weiterzuentwickeln. Sie seien nicht mehr für die schnelle Nachricht da. Die gebe es online. "Also muss man sich überlegen, wie man sie anders gestalten kann, zum Beispiel, indem die Online-Nachricht anders kommentiert wird, Hintergründe aufgezeigt werden."

In der Zeitungsbranche reihten sich in den vergangenen Monaten die Hiobsbotschaften aneinander: Die "Financial Times Deutschland" wurde Anfang Dezember eingestellt. Die "Frankfurter Rundschau" meldete Insolvenz an, dem Berliner Verlag drohen Stellenkürzungen. Bei der Nürnberger "Abendzeitung" gingen Ende September die Lichter aus. Im Oktober hatte die Nachrichtenagentur dapd Insolvenz angemeldet. Seit kurzem stehen potenzielle Investoren bereit.

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