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Filmkritik

Gute Laune garantiert bei "Heiter bis wolkig"

05.09.2012 | 18:20 Uhr
Elyas M'Barek als Can in dem dem Film „Heiter bis wolkig“.Foto: Constantin Film Verleih

Essen.   Der wunderbar erzählten deutschen Romantikkomödie „Heiter bis Wolkig“ gelingt das Kunststück, die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu finden. Es geht um Späße im Angesicht des Todes und eine absolut sichere Methode, eine Frau ins Bett zu kriegen.

Die deutsche Romantikkomödie ist seit den Kassenerfolgen von Til Schweigers „Keinohrhasen“ und Matthias Schweighöfers „What a Man“ wieder spürbar im Aufwind. Und im Falle von Marco Petrys neuem Film „Heiter bis wolkig“ traut man sich nun auch zu, dem heiteren Geschehen einige dunkle Untertöne beizumischen.

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Die Kumpels Tim und Can haben eine perfide Abschlepp-Methode: Sie geben sich als unheilbar krank aus – bis sich Tim in Marie verliebt, deren Schwester Edda an Lymphdrüsen-Krebs leidet … Tragikomödie von Marco Petry. D '12, FSK: ab 6. Start: 06.09.12

Die absolut sichere Methode eine Frau ins Bett zu kriegen, Tim und sein Kumpel Can haben sie gefunden. Unauffällig betreten sie einen Club, dann schmeißt sich einer der Beiden mit Trauermiene an ein Mädel heran und erzählt die tränenreiche Geschichte, dass sein bester Freund unheilbar erkrankt ist, nur noch wenig Zeit auf Erden hat und so gerne noch ein einziges Mal… Der Rest lässt sich denken. Immer wieder hat der Trick funktioniert und auch bei der kessen Marie hat Tim freie Fahrt, weil Can zuvor alle Ampeln auf Grün gestellt hat.

Diesmal aber kommt etwas Unerwartetes dazwischen. Marie hat eine ältere Schwester und die ist tatsächlich krank und steht medizinisch schon mit einem Bein im Grab. Auf den Kopf gefallen ist Edda allerdings nicht. Schnell durchschaut sie Tims Spiel und eröffnet einen Katalog diverser Bedingungen, die der Junge zu erfüllen hat, wenn er bei seiner Herzdame nicht ganz böse auflaufen will.

Späße im Angesicht des Todes

Späße treiben im Angesicht des Todes, das haben noch nicht allzu viele Filme gewagt. Robert Schwentkes „Eierdiebe“ war ein gelungenes Beispiel dafür und jetzt rechtfertigt Marco Petry das Vertrauen, das er sich mit „Schule“ und „Die Klasse von 1999“ verdient hatte, und erwirkt das Gleichgewicht der Widersprüche mit einer modernen romantischen Komödie, in fabelhaft austarierter Balance zwischen Heiterkeit und Ernst. Petry hat ein sicheres Gespür für ausgelassene Stimmung, ohne dabei so zu überziehen, dass es zu nerven beginnt. Ebenso wenig bemüht er Tränendruck, wenn es auch ohne dramatisch genug ist. Er erklärt auch nicht über die Maßen, sondern weiß um die Wirkung von Andeutungen und Understatement und deshalb wirken auch die Schauspieler bei ihm stets drei bis vier Spuren lässiger und sympathischer als in anderen Filmen.

Elyas M'Barek bei der Deutschland-Premiere von "Heiter bis Wolkig"

Max Riemelt, Anna Fischer, Elyas M’Barek, das ist ein modisches Aufgebot, das trotzdem so frisch agiert, als wären diese Schauspieler gerade erst entdeckt worden. Die wichtigste Rolle aber wurde Jessica Schwarz anvertraut, und die dankt das mit einer berührenden, verletzlichen und zugleich burschikos aggressiven Darstellung, die nicht weniger ist als das Beste ihrer bisherigen Karriere.

Die Unterhaltungsmaschine schnurrt dank der zwielichtigen, zumindest selbstsüchtigen Triebmotoren der Handlungsträger geschmeidig in besinnlicher Heiterkeit. Auf dem Weg dahin aber fehlt es an jenen Unberechenbarkeiten, wie sie die Franzosen und Engländer so traumwandlerisch sicher in ihre Filme einbauen.

Keine ernste Fallhöhe

Das Drehbuch von „Heiter bis wolkig“ hält keine ernste Fallhöhe für die Figuren bereit. Spannende Konfliktmöglichkeiten hätte es genug gegeben, amouröse Rivalität unter den Schwestern etwa, aber alle wurden präzise ausgespart im Dienste gefälliger Unterhaltung. Die leistet der Film und das weit über das Maß hiesiger Konkurrenz. Er gönnt sich sogar eine märchenhafte Pointe zum Schluss und weiß – danach verlässt man das Kino garantiert in guter Laune.

Uwe Mies



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