Groß, knackig, dunkel – Kirschen haben Hochsaison

Süßkirschen zählen zum klassischen Naschobst.
Süßkirschen zählen zum klassischen Naschobst.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Kirschen haben Hochsaison. Wir erklären, wo die Steinfrucht herkommt, wie sie sich die Kunden wünschen und was sie beim Einkauf beachten sollten

Essen.. Kirschen haben Hochsaison. Wir erklären, wo die Steinfrucht herkommt, wie sie sich die Kunden wünschen und was sie beim Einkauf beachten sollten.

Die Herkunft

Archäologische Funde lieferten den Beweis: Wildkirschen standen schon bei Steinzeitmenschen auf dem Speiseplan. In Höhlen entdeckten die Forscher versteinerte Kerne.

Wie die später gezüchtete Süßkirsche nach Nord- und Mitteleuropa kam, ist Spekulation. Einer weit verbreiteten Theorie zufolge soll der römische Feldherr Lucullus die Frucht – ursprünglich Keras genannt – etwa im Jahr 70 vor Christus aus Kleinasien importiert und deren Anbau in Rom vorantrieben haben. Von dort habe sie sich weiter verbreitet.

Anbaugebiete & Saison

Die Kirschernte in Deutschland ist in vollem Gange. Die Saison hat jetzt ihren Höhepunkt, sie reicht von Anfang Juni bis Ende Juli. „Die Ernte verläuft regional unterschiedlich. Im Alten Land in Niedersachsen zum Beispiel startet sie meist zehn bis 14 Tage später als in Mittel- und Süddeutschland“, sagt Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch aus Bornheim-Merten. Wegen unterschiedlicher Erntezeiten und einer schonenden Lagerung mithilfe von Kohlendioxid seien auch im August noch frische deutsche Kirschen im Handel erhältlich.

In Nordrhein-Westfalen werden Angaben der Landwirtschaftskammer zufolge Sauer- und Süßkirschen auf einer Fläche von 80 Hektar angebaut. Hauptanbaugebiete sind dem Verbraucherinformationsdienst aid zufolge Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern.

Bis vor wenigen Wochen waren die Erwartungen an die diesjährigen Erträge groß, die Landwirtschaftskammer rechnete mit einer „guten Saison“. Dann kamen Hitze und Gewitter: „Ich weiß von einem Kollegen, dass es im Hauptanbaugebiet rund um Mainz empfindliche Verluste bei der Haupternte gibt“, sagt Schmitz-Hübsch. Früchte seien verbrannt oder aufgrund starker Regenfälle bei Hitzegewittern geplatzt. Schmitz-Hübschs Betrieb ist nicht betroffen, seine Kirschbäume sind überdacht.

Kundenwunsch & Geschmack

Während die Sauerkirsche in Deutschland fast nur noch für die industrielle Verarbeitung angebaut wird, ist die Süßkirsche „eine klassische Naschfrucht“, sagt Bernd Dinkhoff, Baumobstberater von der Landwirtschaftskammer NRW. Von ihr gibt es bis zu 1200 Sorten, im Handel aber spielten nur noch zehn bis 15 eine Rolle. Die Präferenz des Kunden sei eindeutig: „Der Trend zur festen, dunklen Großfrucht ist klar zu erkennen“, so Obstbauer Schmitz-Hübsch. Gefragt seien Frucht-Durchmesser von 26 bis 30 Millimeter. Ab einer Fruchtgröße von 28 Millimetern sprechen Anbauer von Premiumkirschen.

Ernte Für Schmitz-Hübsch ist Größe allein aber nicht alles. Für einen guten Geschmack müsse das Verhältnis von Zucker- und Säuregehalt stimmen. Die Sorte „Kordia“ sei für ihn die schmackhafteste. „Kirschen, die viel Zucker, aber wenig Säure haben, schmecken flach“. Schmitz-Hübsch empfiehlt zudem die Sorten „Schneiders“, „Summit“ oder „Samba“.

Einkauftipps & Lagerung

„Finden Sie Ihre Sorte“, rät Schmitz-Hübsch den Kunden. Besser als im Handel funktioniere das Probieren im Direktvertrieb (Infos und Suchhilfen auf www.landservice.de) oder auf dem Markt. In Sachen Frische gibt der Obstbauer folgende Einkauftipps: „Die Frische erkennen Verbraucher vor allem am Stielbild“ – Schmitz-Hübsch zufolge das Qualitätskriterium schlechthin. Durchgehend grün müssten die Stiele sein, auch eine einheitliche Färbung der Früchte stehe meist für Qualität. „Wenn sich in den Schalen hell- und dunkelrote Früchte mischen, könnte das dafür sprechen, dass einige Kirschen zu früh geerntet worden sind.“ Kirschen reifen nach der Ernte nicht mehr nach.

Bei vier, fünf Grad Celsius im Kühlschrank und mit Stiel gelagert – am besten feucht in einer abgedeckten Schale – könnten frische Kirschen mehrere Tage halten. Sind sie etwas älter, sollten sie innerhalb von zwei Tagen gegessen werden. Dass Kirschen vor dem Verzehr nicht unter fließendem Wasser gereinigt werden sollen, sei Unsinn: „Nach dem Pflücken kann die Schale nicht mehr platzen.“

Die Preise

Ob es an Ertragrückgängen aufgrund von Hitze und Gewitterregen liegt, ist ungewiss. Fest steht: Ein Kilogramm deutscher Süßkirschen kostete Angaben des Agrarinformationsdienstes zufolge in der vergangenen Woche im Schnitt (alle Geschäftstypen) 4,89 Euro – und damit fast 30 Cent mehr als vor einem Jahr. Das Kilo türkische Kirschen war günstiger: 3,90 Euro.