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Grimme-Preis für Hannelore Hoger

19.01.2012 | 17:41 Uhr
Grimme-Preis für Hannelore Hoger
Hannelore Hoger (dapd)

Marl.   Berühmt wurde sie durch Alexander Kluge und Peter Zadek. Bekannt wurde sie durch „Bella Block“. Jetzt erhält Hannelore Hoger bei der Grimme-Gala die Besondere Ehrung des Volkshochschul-Verbandes.

Sie ist stur, sie ist verletzlich, sie arbeitet mit Kopf und Herz. Was für die ZDF-Fahnderin Bella Block gilt, trifft auch auf die Frau zu, die der Fernsehrolle Leben, ja Seele einhaucht: Hannelore Hoger. Das Publikum liebt sie dafür – und die Kritik. Kein Wunder, dass die Schauspielerin, die in diesem Sommer 70 wird, im Rahmen der Grimme-Gala die besondere Ehrung erhält.

Gestern wurde sie bekannt gegeben, verliehen wird sie am 23. März in Marl.

Berühmt wurde die Hamburgerin durch ihre Arbeit mit Filmemacher Alexander Kluge, der Ende der 60er das deutsche Autorenkino befeuerte mit Filmen wie „Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“.

Bekannt wurde Hannelore Hoger durch „Bella Block“. Die ZDF-Reihe gehört seit 1993 zum Besten, was das deutsche Krimi-Fernsehen zu bieten hat – nicht nur, weil Hoger die schrullige Heldin mimt, sondern auch, weil die Episoden klug dosiert gesendet werden. Am Samstag, 11. Februar, ermittelt sie wieder, „Der Fahrgast und das Mädchen“, die 31. Folge in knapp 20 Jahren.

„Meine Eltern hatten nicht viel Geld“

Rückblende. Geboren wurde Hoger in kleinen Verhältnissen. Ihr Vater war Schauspieler und als Inspizient zugleich der Mann für alle Fälle am Hamburger Ohnesorg-Theater. Hogers Mutter arbeitete daheim als Schneiderin. „Meine Eltern hatten nicht viel Geld und kannten auch Arbeitslosigkeit“, erinnerte sich Hoger in einem Gespräch mit „Bild am Sonntag“.

Der Beruf des Vaters prägte das Kind. Die Rotblonde mit den wasserblauen Augen stand bereits als Sechsjährige auf der Bühne des Ohnesorg-Theaters, mit 14 erhielt sie dort ihre erste größere Rolle. Ein Jahr später wusste Hoger, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen wollte. Sie wusste, dass sie ihren Weg selbst erkämpfen musste: „Ich begann mit 16 oder 17 zu arbeiten und habe mir mein Studium selbst finanziert.“ Bei Springer nahm sie nachts Zeitungen vom Band. „Das war so langweilig, dass ich geweint habe. Aber die Kantine war gut. Die Brötchen dort habe ich bis heute in guter Erinnerung.“

Geheiratet hat sie nie

Hoger lernte schnell, sich die Butter nicht vom Brot nehmen zu lassen. Unabhängigkeit gilt ihr viel, auch in Beziehungen, geheiratet hat sie nie.

„Eigensinnig, eigenständig, eigenwillig“ nennt sie der Deutsche Volkshochschul-Verband in seiner Begründung für den Ehren-Grimme. Kritiker Eckhard Franke von „Theater heute“ sekundiert, Hoger sei „rigide selbstbewusst, wohl nur schwer zu haben fürs weniger Attraktive“.

Hoger sagt, was sie denkt. „Konfliktscheu sind wir nicht“, verriet sie „Spiegel-Online“ in einem gemeinsamen Interview mit Tochter und Kollegin Nina. Allerdings ist Mutter Hoger nachtragend. Eine Fehde mit Theater-Zampano Peter Zadek, der sie 1972 zum Schauspiel in Bochum mitnahm, währte 20 Jahre. „Er hat es versucht, da wollte ich nicht. Als ich es versucht habe, wollte er nicht. Nun haben wir das Kriegsbeil begraben.“

Das Alter macht die Mimin milde, möglicherweise. „Ich weiß: Spute dich, die Zeit wird kürzer. Ich war immer sehr neugierig, und das bleibt hoffentlich so lange, bis der Vorhang fällt.“

Jürgen Overkott

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