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Griechenland-Krise

Griechen können sich Autofahren nicht mehr leisten

17.01.2013 | 19:12 Uhr
Griechen können sich Autofahren nicht mehr leisten
Die Krise in Griechenland trifft auch die Autohäuser.Foto: Kostas Tsironis/Getty Images

Athen.   Seit Beginn der Krise 2009 haben bereits 612 000 Griechen ihre Au­tos abgemeldet. Erstmals seit Kriegsende geht die Zahl der zugelassenen Wagen jetzt von Jahr zu Jahr zurück. Als jetzt die Kfz-Steuer für 2013 fällig wurde, haben sich rund 100 000 Autobesitzer von ihren Wagen getrennt.

Lange hat Manolis Petropoulos gespart für seinen Traum. Im Frühjahr 2009 stand er endlich vor der Tür, der silbergraue Mercedes ML – zur Hälfte selbst bezahlt, den Rest gab die Bank als Kredit. Noch drei Monate muss Manolis Raten zahlen, aber Autofahren kann er nicht mehr. Der Mercedes steht in der Garage, die Nummernschilder sind abgeschraubt. Manolis ist einer von zahllosen Griechen, die wegen der Krise aufs eigene Auto verzichten müssen.

Als jetzt die Kfz-Steuer für das Jahr 2013 fällig wurde, standen rund 100 000 Autobesitzer vor den griechischen Finanzämtern Schlange. Nicht, um die Steuern zu zahlen, sondern um die Nummernschilder ihrer Autos zurückzugeben. Seit Beginn der Krise 2009 haben bereits 612.000 Griechinnen und Griechen ihre Au­tos abgemeldet. Erstmals seit Kriegsende geht die Zahl der zugelassenen Wagen in Griechenland jetzt von Jahr zu Jahr zurück. Pkw, die ohne Kennzeichen als Dauerparker am Straßenrand stehen, sind inzwischen ein gewohnter Anblick in Griechenland.

40 Prozent weniger Neuwagen

Auch für Manolis wurde das Traumauto inzwischen zum Albtraum. „1100 Euro Kfz-Steuer sollte ich für dieses Jahr bezahlen, dazu eine neu erhobene Luxussteuer von 2980 Euro. Das Geld habe ich nicht“, sagt der 38-Jährige, der im Athener Stadtteil Pangrati ein Restaurant betreibt. Sein Umsatz ist im vergangenen Jahr um 25 Prozent eingebrochen. Zuerst hatte Manolis gehofft, seine M-Klasse gegen ein kleineres Modell eintauschen zu können, um Steuern zu sparen. Aber kein Händler wollte den Geländewagen in Zahlung nehmen.

Die Autohäuser trifft die Krise mit voller Wucht. 2012 gingen die Neuwagenverkäufe um 40 Prozent zurück – nachdem sie bereits 2010 um 35 Prozent eingebrochen waren. Im vergangenen Jahr konnten die Händler nur noch 58.452 neue Autos verkaufen.

Gerd Höhler



Kommentare
19.01.2013
23:35
Griechen können sich Autofahren nicht mehr leisten
von Karlot | #2

Bei der Griechenlandfrage wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, das alles läge an der Staatsschuldenkrise.
Die Ursache der Staatsschudlenkrise ist die Bankenrettung. Es sind also alles noch Auswirkungen der Finanzkrise, für die die einfachen Menschen jetzt zahlen müssen.
Die schrumpfende Wirtschaft ist der oktroyierten Austeritätspolitik geschuldet.
Das alles passiert ABSICHTLICH. Griechenland ist ein Experiment. Bald sind andere auch dran.

Das europäische Sozialstaatsmodell ist ins Visier der Neoliberalen geraten.

19.01.2013
18:45
Griechen können sich Autofahren nicht mehr leisten
von bearny67 | #1

Hier kann man am wunderschönen Beispiel sehen, dass Autos keine Autos kaufen.
Nix Kohle? Dann S- Bahn. Oder Schusters Rappen.
Die anderen Lehren aus dem Beispiel sind
a) nicht mehr ausgeben als man hat
b) vernünftige Löhne garantieren auch einen hohen Absatz
c) Staatsdefizit, Renten etc. sind gesichert durch die Abgaben.

Führt automatisch zu den Forderungen:
Weg mit Leiharbeit
Weg mit dem 3. Arbeitsmarkt (450€ Jobs)

Nur so können wir die Griechen langfristig bezahlen ;-)

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