Gift im Kleiderschrank

Viele Kleidungsstücke werden mit bedenklichen Substanzen gefärbt oder imprägniert. Mit ihrer „Detox-Kampagne“ will die Umweltschutzorganisation Greenpeace das ändern.
Viele Kleidungsstücke werden mit bedenklichen Substanzen gefärbt oder imprägniert. Mit ihrer „Detox-Kampagne“ will die Umweltschutzorganisation Greenpeace das ändern.
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Zahlreiche Textilien sind mit gefährlichen Chemikalien belastet. Einige Hersteller wollen das ändern und schließen sich einer Greenpeace-Kampagne an.

Krebserregende Chemikalien in Kinderschuhen, fortpflanzungsgefährdende Substanzen in Regenhosen – viele konventionelle Textilien sind mit Schadstoffen belastet. Der Lebensmittel-Discounter Aldi will nun seine Umweltstandards erhöhen: Bis 2020 sollen bestimmte Chemikalien aus der Produktion des Bekleidungssortiments verbannt worden sein. Damit reagiert der Konzern auf die Forderung der Umweltschutzorganisation Greenpeace im Rahmen der sogenannten „Detox-Kampagne“.

Worum geht es bei der Kampagne?

Schon seit 2011 protestiert Greenpeace mit der Detox-Kampagne gegen den Einsatz bestimmter Chemikalien in der Textilindustrie. Die Stoffe stehen in der Kritik, weil sie die Umwelt stark belasten und teilweise als gesundheitsschädlich eingestuft werden – nicht nur für die Angestellten in der Textilproduktion, sondern auch für die Endkunden.

Nach und nach haben sich in den vergangenen Jahren und Monaten viele Hersteller an der Kampagne beteiligt und eine entsprechende Selbstverpflichtung unterschrieben.

Im Oktober 2014 veröffentlichte Greenpeace dann einen Bericht, der speziell die Discounter unter Zugzwang setzte: Getestete Textilien und Schuhe – unter anderem von Lidl, Aldi, Penny und Tchibo – enthielten demnach einige der als schädlich beurteilten Chemie-Rückstände wie zum Beispiel PFC – sogar dann, wenn sie ausdrücklich als PFC-frei deklariert waren.

Auf welche Stoffe sollen Hersteller verzichten?

Konkret geht es in der Vereinbarung zwischen Greenpeace und den teilnehmenden Firmen um elf Substanzgruppen.

Dazu gehören giftige Schwermetalle wie Chrom, das zum Gerben von Leder eingesetzt wird und als allergieauslösend gilt. Außerdem stehen potenziell krebserregende PFC-Substanzen (Per- und polyfluorierte Chemikalien), die wegen ihrer wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften gern für Outdoorbekleidung verwendet werden, und hormonell wirksame APOE-Stoffe (Alkylphenolethoxylate), mit denen Textilien gefärbt werden, auf dem Greenpeace-Index.

Die von der Umweltschutzorganisation aufgelisteten Substanzen gefährden zudem massiv die Umwelt. So warnt das Umweltbundesamt davor, dass beispielsweise die vielfach eingesetzten PFC „kaum abbaubar“ seien und sich deshalb „in der Umwelt und in Organismen“ anreichern würden. Das ist laut Greenpeace besonders in China problematisch, da die Stoffe dort häufig ins Trinkwasser gelangen würden.

Wer beteiligt sich an der Kampagne?

Als erster Discounter erklärte sich Lidl angesichts der schlechten Testergebnisse bereit, seine Textilproduktion bis 2020 umzustellen und auf bestimmte giftige Chemikalien zu verzichten.

Zuvor hatten bereits 21 Modeunternehmen, darunter H&M, Zara, Mango, Primark, C&A, Esprit, Benetton und Puma, sowie sechs italienische Zulieferfirmen die Selbstverpflichtung unterschrieben. Tchibo, Penny und nun auch Aldi wollen die gefährlichen Stoffe künftig ebenfalls meiden.

Vor einigen Tagen zog Greenpeace außerdem eine Zwischenbilanz seiner Kampagne und gab bekannt, wie weit die beteiligten Unternehmen die Forderungen umsetzen. Demnach sind einige besonders schädliche Chemikalien bereits aus vielen Produktionen verschwunden. Der Sportartikelhersteller Adidas, der 2013 noch kritisiert wurde, weil er sich nicht an die gegebenen Versprechen hielt, gehöre mittlerweile zu den Vorzeigefirmen in Sachen „Entgiftung“.

Wie geht es weiter?

Nach Plänen der Umweltschutzorganisation sollen bald noch weitere Stoffe durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden. Die Unternehmen sollten „Inventur machen und alle Substanzen, die sie einsetzen, auf den Prüfstand stellen“, fordert die Kampagnenleiterin Kirsten Brodde. Außerdem will man die Luxusmarken mit ins Boot holen – bislang zeigten in diesem Segment nur Burberry und Valentino viel Engagement..