Gibt es bei ARD Rabatt bei Box-Sportrechten?

Arthur Abraham kämpft gegen Lajuan Simon (lks.). Foto: Roland Magunia/ddp
Arthur Abraham kämpft gegen Lajuan Simon (lks.). Foto: Roland Magunia/ddp
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Was wir bereits wissen
Die ARD hatte mit Box-Veranstalter Sauerland einen Drei-Jahres-Vertrag über 54 Millionen Euro abgeschlossen – bis WDR-Gremien muckten. Jetzt deutet sich ein deutlich billigerer Deal an.

Köln.. Der Kampf um die Boxrechte der ARD erinnerte zuletzt an den Schimanski-Klassiker „Zahn um Zahn“. So hart rangen die neunköpfige Intendanten-Riege und die Gremien ums Rechte-Paket von Sport-Mogul Wilfried Sauerland. Jetzt deutet sich ein Kompromiss an. Sein Charme: weniger Kosten für weniger Kämpfe.

Für Kritiker bietet Sauerlands Rechte-Paket kaum mehr als Kirmesboxen. Einziger Promi war Mittelgewichtler Arthur Abraham (31). Doch „Vadder Abraham“ verlor vorerst Schwung und Weltmeistergürtel.

Befürworter der Faustkämpfer indes hoffen, mit Sauerlands Haudegen bei der Fernsehjugend zu punkten, gerade im Osten. Vor allem der vorzeitig scheidende MDR-Chef Udo Reiter sieht in dem Handel eine Chance, sich nach 20-jähriger Intendanz glanzvoll zu verabschieden. Kein Wunder, dass ihm Boxen nicht nur lieb, sondern auch teuer war. 54 Millionen Euro standen zunächst zur Diskussion. Dafür sollten ARD-Zuschauer drei Jahre lang in der ersten Reihe sitzen dürfen.

Rechnung ohne die Gremien

Doch die ARD hatte die Rechnung, regelwidrig, ohne die Gremien gemacht. Während die MDR-Aufseher in Rundfunk- und Verwaltungsrat nickten, muckten die Gremien des WDR auf. Der Verwaltungsrat empfahl dem Rundfunkrat einen kritischen Blick auf den Kontrakt.

So winkte der Rundfunkrat nicht nur unumstrittene Personalien wie neue Verträge für Fernsehchefin Verena Kulenkampff und Hörfunk-Direktor Wolfgang Schmitz durch, sondern nahm sich auch die strittigen Boxrechte zur Brust. Um eine Entscheidung jedoch drückte sich der Rundfunkrat zunächst. Das Thema wurde „zur weiteren Befassung an die Ausschüsse überwiesen“.

WDR-Rundfunkrat drückt sich noch

Wahr ist aber auch: Zwischenzeitlich kam es zu „Nachverhandlungen“, wie WDR-Rundfunkratschefin Ruth Hieronymi am Mittwochmittag, einen guten Tag nach der Sitzung, erklärte. Ergebnis: „eine Verkürzung der Laufzeit und eine Reduzierung der Gesamtkosten“ gegenüber dem ursprünglichen Vertrag von 2010. Hinter vorgehaltener Hand ist die Rede von 26 Millionen Euro für zwei Jahre Boxen. Offiziell jedoch mochte niemand Summen nennen.

Auch Silvia Maric, Sprecherin von ARD-Programmchef Volker Herres, ließ sich nur den Hinweis auf konstruktive Gespräche entlocken, was gemeinhin für offenen Streit steht: „Das ist jetzt Sache der Gremien.“ Tatsächlich müssen neben dem WDR noch die Sendergremien von SWR und NDR klar machen, wo sie beim Schlagabtausch um die Boxrechte stehen.

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel hofft, mit möglichst wenig Blessuren aus dem Kampf hervorzugehen – und viele Gebührenzahler hoffen, möglichst wenig für das billige Vergnügen zahlen zu müssen.