Getrennte Eltern müssen sich auf Religion der Kinder einigen

Nach der Scheidung dürfen einzelne Elternteile nicht eigenmächtig über die Religion ihrer Kinder entscheiden.
Nach der Scheidung dürfen einzelne Elternteile nicht eigenmächtig über die Religion ihrer Kinder entscheiden.
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Was wir bereits wissen
Nach der Scheidung dürfen einzelne Elternteile nicht eigenmächtig über die Religion ihrer Kindes entscheiden. Die Entscheidung liegt bei den Kindern.

Berlin.. Gehören Eltern unterschiedlichen Religionen an und leben Kinder nach der Scheidung bei nur einem Elternteil, dürfen sie nicht verfrüht in eine der Religionsgemeinschaften eingegliedert werden. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden, wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt. Das Gericht entschied gegen die Taufe und Kommunion zweier Kinder, deren Vater einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörte als die Mutter.

Weißer Sonntag In dem verhandelten Fall lebten die zwei Kinder seit der Scheidung ihrer Eltern bei der Mutter. Die Mutter ist Christin, der Vater Moslem. Die Kinder gehörten noch keiner Religionsgemeinschaft an. Sie besuchten eine katholische Schule am Wohnort der Mutter und nahmen am Religionsunterricht teil. Die Mutter wollte die beiden Kinder katholisch taufen und sie an der Kommunion teilnehmen zu lassen. Der Vater war damit nicht einverstanden. Daraufhin beantragte die Mutter bei Gericht, ihr die alleinige Entscheidung über Taufe und Kommunion zu übertragen.

Kinder können erst ab dem 14. Geburtstag entscheiden

Religion und Kinder Das Gericht erster Instanz gab der Mutter Recht. Der Vater legte Beschwerde gegen den Beschluss ein. Er sah die Gefahr, dass sich die Kinder mit dem christlichen Glauben identifizieren und sich folglich nicht mehr für die islamische Religion interessieren würden.

Vor dem OLG hatte der Vater Erfolg: Die frühzeitige Integration der Kinder in eine der beiden Religionsgemeinschaften entspreche nicht am besten dem Kindeswohl. Auch ohne Taufe und Kommunion könnten die Kinder weiter den Religionsunterricht besuchen. Erst nach dem 14. Geburtstag können sie selbst entscheiden, zu welcher der beiden Religionsgemeinschaften sie gehören möchten. (dpa/tmn)