Getötet, weil er Zivilcourage zeigte?

Hamburg..  Die große Blutlache auf dem Gehweg ist mit rotem Sand bestreut. Es ist der einzige Hinweise darauf, dass hier vor wenigen Stunden ein junger Mann gestorben ist. Die Straße im Hamburger Stadtteil Billstedt ist menschenleer, die Geschäfte sind geschlossen, die Gardinen im angrenzenden Wohnhaus zugezogen. Keine Blumen oder Fotos erinnern an den 22-jährigen Kamil B., der hier vor seiner Haustür niedergestochen wurde.

In den frühen Morgenstunden soll dem jungen Mann seine Zivilcourage zum tödlichen Verhängnis geworden sein. Er war mit drei Freunden unterwegs, als sie einen Streit zwischen einem Mann und einer Frau bemerkten.

Ersten Ermittlungen zufolge entschloss sich der 22-Jährige, sich einzumischen, um der jungen Frau zu helfen. Doch als er eingreift, sticht der Freund der Frau zu. Womit, war am Sonntagabend noch unklar – ein Messer oder vielleicht auch ein anderer spitzer Gegenstand, heißt es bei der Polizei.

Für den jungen Mann kommt jede Hilfe zu spät. Er stirbt noch am Tatort. Der mutmaßliche Täter Adrian D. flüchtet. Erst Stunden später taucht er bei einem Polizeirevier auf und stellt sich, schildert ein Polizeisprecher. Ein Beamter nimmt den 20-Jährigen vorläufig fest. „Bislang hat er nicht ausgesagt“, sagt der Sprecher. Noch am Sonntag sollte er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Von alldem bekommt am Tatort kaum jemand etwas mit. Die wenigsten wissen überhaupt, was sich hier ereignet hat. Zwei Männer, die das heruntergekommene Mehrfamilienhaus verlassen, sind entsetzt: Sie kannten den Toten flüchtig, sind von der Brutalität der Tat geschockt. Mehr wollen sie dazu nicht sagen. Auf einem Teil der Blutlache parkt mittlerweile ein Auto.

Es ist nicht der einzige Fall, bei dem an diesem Wochenende couragierte Helfer zu Opfern werden. Auch ein Polizist, der in Berlin privat mit seinem Bruder unterwegs war, wurde schwer verletzt. Er hatte beobachtet, wie ein 25-Jähriger eine junge Frau unsittlich angefasst hatte. Als er dazwischengeht, werden sein Bruder und er von dem 25-Jährigen und dessen Begleitern zusammengeschlagen.

Erinnerungen an den Fall Tuğçe

Die Taten erinnert an den Fall Tuğçe. Die junge Studentin war im vergangenen Jahr gestorben, nachdem sie vor einem Schnellrestaurant in Offenbach niedergeschlagen worden war. Sie soll sich zuvor für eine Gruppe Mädchen eingesetzt haben. Was sich genau abspielte, ist aber unklar. In Darmstadt läuft derzeit der Prozess gegen den Verdächtigen Sanel M.