Gesundheits-Angaben auf Kindernahrung sind oft irreführend

Eine Masche? Die Lebensmittelindustrie trickst mit Gesundheitsversprechen - auch bei Lebensmitteln für Babys.
Eine Masche? Die Lebensmittelindustrie trickst mit Gesundheitsversprechen - auch bei Lebensmitteln für Babys.
Foto: Archiv/dpa
Was wir bereits wissen
Vor allem bei Baby- und Kindernahrung umgehen Produzenten oft eine korrekte Kennzeichnung. Manche Aufmachung führt Verbraucher bewusst in die Irre.

Berlin.. Viele Lebensmittelhersteller halten sich bei ihren Gesundheitsversprechen nicht an die erlaubten Grenzen der Darstellung. Vielmehr werden Verbraucher durch übertriebene Angaben auf der Vorderseite der Verpackung in die Irre geführt. So heißt es zum Beispiel auf dem Etikett eines Speiseöls „für ein gesundes Herz-Kreislaufsystem“. Dabei hat das Produkt gar keine spezifisch gesundheitsfördernden Eigenschaften. Nach der EU-Health-Claim-Verordnung dürfte lediglich von einem Beitrag zu einer normalen Herzfunktion die Rede sein.

Diesen und andere Verstöße gegen eine korrekte Aufmachung ergab ein bundesweiter Markttest der Verbraucherzentralen. „63 Prozent der untersuchten Produkte locken mit potenziell irreführenden Aussagen“, stellt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vor Beginn der Grünen Woche in Berlin fest. Selbst wenn auf der Rückseite der Verpackung alle Inhaltsstoffe richtig angegeben werden, kommt dies bei den Kunden als Botschaft nicht mehr an. Denn bei den meisten Verbrauchern entscheidet der erste Eindruck über das Image als gesundes oder weniger gesundes Lebensmittel.

Aufmachung beeinflusst die Verbraucher

Ein Vergleichstest des Göttinger Instituts Agrifood Consulting im Auftrag des vzbv zeigt, wie leicht sich Konsumenten von der Aufmachung eines Produktes beeinflussen lassen. Eine Flasche Zitronensprudel wurde den Probanden ohne erkennbare Gesundheitsaussage gezeigt. Nur knapp 40 Prozent schrieben der Brause Kalorienarmut zu.

Lebenmittel Den anderen Testpersonen wurde dieselbe Flasche gezeigt, diesmal nur zusätzlich mit einem kleinen Bild einer schlanken Sportlerin beim Joggen. Plötzlich glaubten zwei Drittel der Testpersonen, dass das Getränk kalorienarm sei und zu einer ausgewogenen Ernährung beitrage. Ein weiterer Versuch ergab, dass sich am ersten Eindruck kaum etwas ändert, selbst wenn die Angaben auf der Rückseite diesem Image widersprechen.

Besonders oft mogeln Hersteller bei Kindernahrung

Besonders oft mogeln die Hersteller bei Kindernahrung. „75 Prozent haben Versprechen, die so nicht zugelassen sind“, kritisiert Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale. So wird zum Beispiel mitunter ein „gesundes Wachstum“ versprochen, obwohl die Inhaltsstoffe dazu nichts Besonderes beitragen. Irreführend sind immer wieder auch die Angaben zu Zucker und Fett. So preisen manche Hersteller auf der Vorderseite ihr Produkt als „frei von Zuckerzusätzen“ oder „ungesüßt“ an. Tatsächlich enthalten die Zutaten aber oft Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe. Auch wenn die Zutaten von Natur aus zuckerhaltig sind, muss dies nicht extra erwähnt werden.

„Lebensmittel sind keine Medikamente“, kritisiert Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Kunden würden regelmäßig in die Irre geführt. Huizinga fordert von der EU strengere Vorgaben für die Werbung mit Gesundheitsversprechen. Vzbv-Chef Klaus Müller verlangt von den Herstellern, dass sie sich an die zugelassenen Aussagen halten. Außerdem sollten Produkte mit viel Zucker und Fett gar nicht mehr mit gesundheitsbezogenen Werbeaussagen auf den Markt kommen. „Zu oft betreiben die Lebensmittelhersteller Schönfärberei auf dem Etikett“, ärgert sich Müller.