Gestatten: Xavier Naidoo

Mannheim..  An Xavier Naidoo scheiden sich die Geister. Der umstrittene Sänger aus Mannheim polarisiert mit seinen teils religiös verbrämten Liedtexten und seinen Verschwörungstheorien. Viele lieben ihn aber auch für seine offenen Worte und seine Nähe zum Publikum. Privates gibt der medienscheue Sänger nur selten preis. Kürzlich erst sagte er fast nebenbei: „Ich bin seit über einem Jahr Papa.“

Der Sender Vox will zeigen, wer der 43-Jährige (“Dieser Weg“) wirklich ist. Heute um 20.15 Uhr wird dort die vierstündige Doku „Bei meiner Seele - 20 Jahre Xavier Naidoo“ ausgestrahlt. Zu Vox hat der Künstler ein besonderes Verhältnis: Dort läuft seit mehr als einem Jahr seine Show „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“.

In der oft witzigen und manchmal auch rührenden Doku von Harold Woetzel erfährt der Zuschauer unter anderem, dass sich Naidoo vor Beginn seiner Karriere als Kochlehrling und Türsteher durchschlug. Gezeigt werden Fotos aus Kindertagen und Auftritte des Teenagers mit seiner Schülerband. Zu Wort kommen immer wieder andere Stars, die ihn gut kennen, etwa Komiker Bülent Ceylan und Sängerin Sarah Connor.

Familie stammt aus Südafrika

Naidoo erzählt die Geschichte seiner Familie, die aus Südafrika stammt. Von seiner Mutter, die gegen die Apartheid kämpfte und aus dem Land fliehen musste, und von seinem schwierigen Verhältnis zum Vater. Er nimmt die Zuschauer mit zu einem Familientreffen nach Kapstadt und verrät, dass er einen bekannten Sänger in der Verwandtschaft hat. Auch über Naidoos Kindheit und Jugend im Mannheimer Vorort Wallstadt erfährt man so einiges. Mitglieder von Naidoos Band Söhne Mannheims zeigen den winzigen Hobbykeller in der Mannheimer Gartenstadt, wo alle anfangs probten. Musikproduzent Moses Pelham, der 1998 Naidoos erstes Album produzierte, erzählt, wie aus dem Background-Sänger schließlich ein Star wurde.

Natürlich spielt auch der Auftritt vor den rechtspopulistischen sogenannten Reichsbürgern im Jahr 2014 eine Rolle. Die Reichsbürger erkennen Deutschland nicht als souveränen Staat an. Naidoo predigte am Tag der Deutschen Einheit vor dem Publikum aus dem politischen Abseits über die von den USA besetzte Bundesrepublik und rief zum Widerstand auf. Von seinen Zuschauern wurde er im Berliner Regierungsviertel beklatscht - doch seither bekommt er viel Schelte. Vorwürfe, er sei rechtsgerichtet, wurden laut.

Außergewöhnlich nahe

Der Sänger berichtet in der Doku, was ihn zu dem Auftritt bewogen hat und wie er die nachfolgende Debatte empfand. Diese Debatte habe ein Zerrbild von Naidoo gezeichnet, sagt Autor Woetzel. Er habe zeigen wollen, was wirklich hinter dem Künstler steckt. Er wolle Naidoo aber weder huldigen noch ihn verteidigen, sondern mit Distanz und zugleich Nähe seine Geschichte erzählen.

Vox-Chefredakteur Kai Sturm betonte, die Sendung sei „keine Rechtfertigungsdoku“. Man komme Naidoo außergewöhnlich nahe und sehe ihn dann „anders, neu und viel fairer“. Der eher medienscheue Künstler gebe Einblick in vieles, das er noch nie einem großen Publikum erzählt habe.

Ganz und gar privat wird es dann allerdings doch nicht: Naidoo spricht zwar über seine Familie, Frau und Sohn werden in der Doku aber nicht gezeigt. Von vornherein sei vereinbart gewesen, dass diese in der Sendung nicht zu sehen sein werden, sagt Autor Woetzel. Dafür kommt die Mutter des Sängers zu Wort. „Xavier, hab ich gesagt, du musst was Ordentliches lernen“, erzählt sie. „Und er sagt: Mama, alles, was ich will, ist singen.“