Germanwings-Absturz - Copilot hatte 41 Ärzte konsultiert

Staatsanwalt Brice Robin (re.) präsentiert weitere Ergebnis der Ermittlungen nach dem Absturz des Germanwings-Airbus vom 24. März.
Staatsanwalt Brice Robin (re.) präsentiert weitere Ergebnis der Ermittlungen nach dem Absturz des Germanwings-Airbus vom 24. März.
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Was wir bereits wissen
Einen Tag nach Rückführung der ersten Opfer des Germanwings-Absturzes hat die Justiz weitere Erkenntnisse präsentiert: Der Copilot war fluguntauglich.

Paris.. Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war nach Angaben des französischen Staatsanwalts fluguntauglich. "Er war nicht mehr in der Lage, ein Flugzeug zu fliegen", sagte Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Paris. Der 27-Jährige sei instabil und psychisch krank gewesen. Zudem habe er Augenprobleme gehabt: "Andreas Lubitz sah zu 30 Prozent dunkel und hatte Lichtblitze wie bei einer Netzhautablösung". Das hätten die Ermittlungen bei Ärzten ergeben.

Die Marseiller Staatsanwaltschaft will auch eine mögliche Verantwortung der Fluggesellschaft und der Konzernmutter Lufthansa klären. Er werde drei Untersuchungsrichter mit einem Verfahren gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung beauftragen, sagte Robin. Es gebe aber bisher keinerlei Beweise, dass Germanwings oder Lufthansa Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand Copiloten gehabt hätten. Auch eine Sprecherin der Lufthansa betonte, "uns liegen derzeit keine Kenntnisse über Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft konkret gegen Germanwings oder Lufthansa vor".

Copilot war gesundheitlich nicht fähig zu fliegen

Andreas Lubitz hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft den Airbus am 24. März absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Flug 4U9525 war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf.

Germanwings-Absturz Staatsanwalt Robin kündigte an, er werde das Verfahren weiterführen. Für einen möglichen Prozess wäre damit ein Gericht in Marseille zuständig. Nach Angaben des Staatsanwaltes hat er seinen Kollegen in Düsseldorf angeboten, das Verfahren zu übernehmen, da der Copilot, die meisten Opfer sowie die Fluggesellschaften aus Deutschland stammen. Auf das Angebot sei die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf aber nicht eingegangen.

Der 27 Jahre alte Copilot war nach Angaben Robins gesundheitlich nicht fähig, die Maschine zu fliegen. Zu diesem Urteil seien mehrere Ärzte gekommen. Er sei niedergeschlagen, instabil und psychisch krank gewesen, sagte Robin. Wegen der ärztlichen Schweigepflicht seien diese Informationen nicht weitergegeben worden.

Germanwings-Copilot war im Monat vor Absturz siebenmal beim Arzt

Der Copilot sei im März an zehn Tagen krankgeschrieben gewesen. In den vergangenen fünf Jahren habe er 41 verschiedene Ärzte konsultiert. Im letzten Monat vor dem Absturz waren es laut Staatsanwaltschaft sieben Besuche. Lubitz habe versucht, dies zu verheimlichen. Allerdings sei er bei einigen Arztterminen von seiner Mutter oder seiner Freundin begleitet worden.

Germanwings-Absturz Robin berichtete weiter von Augenproblemen des Piloten. Er sei deswegen auch beim Arzt gewesen, wo kein körperliches Problem festgestellt worden sei. Lubitz habe aber das Gefühl gehabt, ständig an Sehkraft zu verlieren. Der 27-Jährige habe Angst gehabt, zu erblinden, berichtete Rubin. Er habe angegeben, nachts nur noch zwei Stunden schlafen können. Zudem sei von einem Arzt eine Psychose diagnostiziert worden. Gleichzeitig habe er versucht, dies vor seinem Arbeitgeber zu verheimlichen. Lubitz habe Informationen zu seinem Gesundheitszustand nicht weitergegeben. Es gebe keine Hinweise, dass Kollegen von den Problemen gewusst hätten.

Vor der Pressekonferenz hatte Robin mehr als vier Stunden lang Angehörige der Opfer in Paris über den Stand der Ermittlungen informiert. Am Mittwoch waren die ersten Särge mit deutschen Opfer an ihre Familien übergeben worden. Nach Angaben des Staatsanwaltes ist auf politischer Ebene entschieden worden, nicht identifizierbare menschliche Überreste von der Absturzstelle in einem Sammelgrab in der Nähe des Unglücksortes beizusetzen. Dazu sollten vermutlich im Juli auch die Angehörigen der Opfer eingeladen werden.

Der Copilot von Flug 4U9525 soll den bisherigen Ermittlungen zufolge das Flugzeug am 24. März absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. (dpa)