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Iraker soll Mädchen (16) aus Essen begrapscht haben

23.08.2012 | 19:43 Uhr
Iraker soll Mädchen (16) aus Essen begrapscht haben
Eine 16-jährige Muslimin aus Essen soll sexuell genötigt worden sein.

Essen.   16 Jahre alt ist sie, in Essen geboren. Eine moderne Muslimin. Doch als sie einen 44-jährigen Wirt irakischer Herkunft eines Sexualdeliktes bezichtigt, gerät sie zwischen die Kulturen. Jetzt muss das Amtsgericht Essen versuchen, vor diesem Hintergrund die Wahrheit zu ermitteln.

Der Fall, den das Schöffengericht unter Richter Stefan Groß entscheiden muss, ist so schwierig und so einfach wie fast alle Sexualdelikte. Zum Kerngeschehen gibt es nur zwei Zeugen: den Angeklagten und das mutmaßliche Opfer. Es geht darum, ihm die Tat zweifelsfrei nachzuweisen oder ihn freizusprechen.

Der Angeklagte, der ein Café mit Spielautomaten betreibt, soll die Schülerin nachts um zwei Uhr begrapscht haben, als sie als letzter Gast von der Toilette kam und er die Gaststätte bereits abgeschlossen hatte. Festgehalten haben soll er sie, an Gesäß und Busen berührt haben. Als sie schrie, soll er die Tür geöffnet haben, sie durfte gehen.

Er bestreitet vehement: „Ich schwöre, ich habe nichts getan. Ich bin verheiratet, habe sieben Kinder. Drei meiner Töchter sind in ihrem Alter.“ Tatsächlich sei sie noch auf der Toilette gewesen, als er bereits aufräumte. Aber selbstverständlich habe er sofort die Tür geöffnet. Er beschreibt sie als damals aufreizend angezogen. Sie hätte drei Freunde dabei gehabt, die sie abwechselnd geküsst hätte. Eine Beobachtung, die nicht einmal einer seiner Gäste gemacht hat, den der Angeklagte als Zeuge zu einer anderen Frage mitgebracht hatte. Auch die Schülerin weist diese Beschreibung ihrer Person zurück: „Ich bin 16, ich bin doch keine Prostituierte.“

Einmal gelogen

Die 16-Jährige, deren Eltern persischer Herkunft sind, macht einen aufgeschlossenen Eindruck. Schwierigkeiten hat sie zu Hause. Nicht mit ihren Eltern, sondern mit ihrem Bruder: „Er ist streng islamistisch, klagt über meine Kleidung. Ich habe auch das Jugendamt eingeschaltet, weil er handgreiflich wird.“ Am Tattag hatte sie gegenüber ihrer Mutter gelogen und gesagt, sie werde bei einer Freundin übernachten. Tatsächlich zog sie mit einem gleichaltrigen Libanesen und zwei seiner Brüder los. Gemeinsam gingen sie in die Wirtschaft des Angeklagten, rauchten Shisha. Gemeinsam verließen sie das Lokal und trennten sich dort, weil die Schülerin noch einmal zur Toilette musste. Nach der mutmaßlichen Tat schlief sie im Haus einer ihrer Freunde unter dem Dachboden, damit dessen Eltern nichts mitbekamen.

Alles Details, die auch christlich erzogene 16-Jährige nicht gerne ihren Eltern erzählen. Aber bei muslimischen Mädchen ist der Druck vielleicht noch etwas größer. Und so machte die Schülerin anfangs bei verschiedenen Behörden falsche Angaben, wo sie die Nacht verbracht hatte. Dass sie der Wirt bedrängt hatte, offenbarte sie erst später. Amtsrichter Groß fragt intensiv nach. Dass eine Zeugin deutlich gemacht hat, dass sie lügen kann, stärkt ihre Position nicht. Ob sie die Sexualgeschichte vielleicht nur erfunden hätte, damit sie vor den Eltern besser aussehe, nämlich als bemitleidenswertes Opfer, fragt er einmal. Und direkt: „Das Problem ist, dass Sie gelogen haben.“ Staatsanwältin Maria Linten teilt diese Sicht nicht. „Hätte sie nichts gesagt, hätten die Eltern weiter geglaubt, dass sie bei der Freundin schlief.“

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Kommentare
20.12.2012
16:47
Iraker soll Mädchen (16) aus Essen begrapscht haben
von Schorlemme | #10

Es mag ja sein das der Islam die Religion des Friedens ist, aber viele Mörder/Terroristen beziehen sich bei ihren Taten auf den Islam. Ja ja, das...
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Iraker soll Mädchen (16) aus Essen begrapscht haben
Iraker soll Mädchen (16) aus Essen begrapscht haben
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http://www.derwesten.de/panorama/gericht/iraker-soll-maedchen-16-aus-essen-begrapscht-haben-id7017104.html
2012-08-23 19:43
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