Endstation Anklagebank für den ehemaligen BVB-Boss Niebaum

Ein schwerer Gang für den früheren BVB-Boss und Rechtsanwalt Gerd Niebaum.
Ein schwerer Gang für den früheren BVB-Boss und Rechtsanwalt Gerd Niebaum.
Foto: Ralf Rottmann
Hochgelobt, tief gefallen: Seit Freitag muss sich der frühere BVB-Boss Gerd Niebaum wegen Betrug und Untreue vor Gericht verantworten.

Dortmund.. Das Blitzlichtgewitter kennt er aus seiner Zeit als Präsident, der Borussia Dortmund 1997 an die Spitze des europäischen Fußballs brachte. Aber 17 Jahre später sind ihm die vielen Kameras in Saal 136 des Dortmunder Landgerichtes deutlich unangenehmer. Endstation Anklagebank, so heißt es am Freitag für Gerd Niebaum, den ehemals hoch gelobten Vereinschef und Rechtsanwalt.

Souverän erträgt der 66-Jährige dennoch das große mediale Interesse an seiner Person. Die eine Hand in der Hosentasche, plaudert er mit seinem Verteidiger Gennaro Festa, bis Susanne Rauhaus, Vorsitzende der 44. Wirtschaftsstrafkammer, „die Sache Dr. Gerd Niebaum“ aufrufen lässt.

Neues Kapitel vom Scheitern der Elite

Ein neues Kapitel, in dem vom Scheitern der Elite, etwa Middelhoff und Hoeneß, berichtet wird, schlägt diesmal die Dortmunder Justiz auf. Niebaum war ja nicht nur BVB-Präsident, sondern auch Notar und Rechtsanwalt mit einem Büro an der B 1. Eine Million Euro Gewinn warf die Kanzlei ab, listet Staatsanwalt Dirk Stickeln auf. Parallel zum beruflichen Erfolg verzeichnete der BVB, den er von 1986 an 14 Jahre lang führte, die höchsten Zuschauerzahlen des Kontinents. Alles gut. Doch parallel entwickelte sich der Absturz in Raten. Beim Verein häufte Niebaum Schulden von 120 Millionen Euro an, führte ihn fast in die Insolvenz, bevor er 2005 aufhörte. Und als Notar und Rechtsanwalt soll er zum Schluss Mandantengelder unterschlagen haben.

Prozess Im März 2005 beginnen die Vorwürfe der Anklage. Staatsanwalt Stickeln wirft ihm in einigen Punkten einen von ihm verursachten „Vermögensverlust großen Ausmaßes“ vor. Als Testamentsvollstrecker hatte Niebaum sich 2005 ein Darlehen aus dem Nachlass einer 1988 verstorbenen Frau gewährt. 459.377 Euro kassierte er, ohne sie zu den fälligen Terminen zurückzahlen zu können.

Niebaum soll Unterschrift gefälscht haben

16 Millionen Euro private Bankschulden hatte er 2004 angehäuft, dazu kam eine Million von Freunden. Doch davon erzählte er den Banken nicht alles, wenn er bis 2008 immer wieder vorstellig wurde, um neue Kredite zu erhalten. Da gab er meist nur zehn Millionen Euro Schulden an und bekam so 650.000 Euro an neuen Darlehen. Manch eine Bank durchschaute den Schwindel und lehnte ab.

Justiz Auch Urkundenfälschung zählt zu den Delikten, für die Niebaum sich verantworten muss. In der Anklage heißt es, sein Schwager habe ihm Darlehen über 600.000 Euro gewährt. Als der Schwager 2008 starb, soll Niebaum eine Fristverlängerung für die Rückzahlung aufgesetzt und mit der Unterschrift des Schwagers versehen haben.

Nachfragen abgewehrt

Zum Schluss war die Not wohl so groß, dass er Mandantengelder unterschlagen haben soll. Mal waren es 4000 Euro, mal nur 1000 Euro. Insgesamt rund 15.000 Euro. Warum er das alles getan haben soll? Es heißt, er habe in Ostdeutschland viel Geld bei „steuersparenden“ Immobilienfonds verbrannt. „Grundsätzlich“ will Niebaum sich an einem der nächsten Prozesstage äußern, lässt er seine Verteidiger erklären.

Fragen dieser Redaktion wehrt er „mit der Bitte um Verständnis“ ab. So gibt es keine Antwort auf die von Dortmunder Anwälten erzählten Gerüchte, Niebaum fahre noch immer im Porsche durch die Gegend und speise beim Edel-Italiener an der B 1.