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Anklage: Ältere Menschen dreist betrogen

13.10.2010 | 17:56 Uhr
Anklage: Ältere Menschen dreist betrogen
Auf Dagobert Duck blickten die Telefonisten vom Kopstadtplatz bei ihrer Arbeit. Die Wandmalereien stammen allerdings von den Vormietern. Das war eine Betrügerbande, die bereits verurteilt wurde. Foto: Polizei

Essen. Fleißig waren die Täter. Und dreist. Per Telefon sollen drei Angeklagte von älteren Menschen rund zwei Millionen Euro ergaunert haben. Laut Anklage gaukelten sie ihnen vor, an Internet-Gewinnspielen teilgenommen zu haben.

Nur schleppend kommt das Verfahren in Gang. Die Verteidiger rügen die Besetzung des Gerichtes, stellen Befangenheitsanträge oder kritisieren, dass Staatsanwalt Jörg Me­nard bei einem ihrer Anträge angeblich die Augen verdreht habe. Immerhin: Am zweiten Prozesstag verliest er vor der XV. Strafkammer die Anklage.

Ab Oktober 2009 saßen die Angeklagten mit ihrer Firma zunächst am Flachsmarkt, ab März 2010 am Kop­stadtplatz. Telefoniert wurde dort, aber schnell häuften sich bundesweit Anzeigen gegen die Firma. Polizei und Staatsanwaltschaft schalteten sich ein, hörten Telefone ab, schleusten verdeckte Ermittler ein. „EK Teleflachs“ nannten sie die Ermittlungskommission.

Telefoniert wurde tatsächlich viel nach den Erkenntnissen der Fahnder. Laut Anklage sollen die drei Angeklagten, Ahmet A. (35) aus Dortmund sowie die Duisburger Oktay A. (37) und Markus M. (43), Adresslisten von Lotteriegesellschaften angekauft haben. Vor allem die Daten älterer Menschen sollen sie interessiert haben. Call-Center-Agenten hätten dann die Senioren angerufen und ihnen vorgespiegelt, sie hätten an einem kostenlosen Gewinnspiel im Internet teilgenommen und die Kündigungsfrist versäumt. Für 89,85 Euro könnten sie aber doch noch aussteigen.

Tatsächlich, so Staatsanwalt Menard in seiner Anklage, hatten die Angerufenen in keinem Fall an einem derartigen Gewinnspiel teilgenommen. Mit einem Trick sollen die Angeklagten sich die Kontodaten der Angerufen erschlichen haben. Per Lastschrift hätten sie bei 47 000 Bürgern die 89,85 Euro abgebucht. Ein Teil der Kontoinhaber widersprach und buchte zurück. Trotzdem blieben laut Anklage rund zwei Millionen Euro Gewinn für die Angeklagten.

Dass dem Trio der Gewinn bewusst war, das glauben die Ermittler auch mit abgehörten Telefonaten belegen zu können. Da sollen die Angeklagten sich als „die größten Betrüger Deutschlands“ bezeichnet haben. Das Gericht hat vorerst 15 Sitzungstage bis in den Dezember terminiert.

Stefan Wette

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Kommentare
22.10.2010
22:53
Anklage: Ältere Menschen dreist betrogen
von Essen-Mitte | #2

Wer weiß, wie viel Geld tatsächlich schon ins Ausland geschleust wurde. Hoffentlich lässt das Gericht die Täter noch einige Zeit in Haft schmoren, bevor sie den betrügerisch erlangten Gewinn in ihrer Heimat genießen können.

15.10.2010
18:38
Anklage: Ältere Menschen dreist betrogen
von Mr. White | #1

Na dann gibt`s ja mindestens zwei Jahre auf Bewährung.

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