Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Prozesse

Anklage: 72-Jährige als notorische Betrügerin

18.02.2010 | 18:26 Uhr

Essen. Wer sie vor der I. Strafkammer reden hört, der wundert sich. Diese 72-Jährige soll die Gabe haben, einem erwachsenen Mann betrügerisch eine Million Euro für ein Bauprojekt abgenommen zu haben? Vor dem Landgericht bestreitet sie jede betrügerische Absicht.

Die schlanke Frau mit den langen blonden Haaren hat vielleicht durch die zwei Monate U-Haft etwas von dem gewinnenden Wesen verloren, von dem ihre mutmaßlichen Opfer sprachen. Fast blindlings gaben sie ihr Geld für eine Pyrolyse- und Recyclinganlage, die angeblich im sachsen-anhaltinischen Aken entstehen sollte. Zugesichert habe Erika S. ihm eine Verdoppelung des angelegten Kapitals innerhalb eines Jahres, sagte ein Mann bei der Polizei.

Zwischen Juni 2003 und Februar 2008 soll die Rellinghausenerin den Männern vorgespiegelt haben, sie plane den Bau der Anlage in dem 10.000 Einwohner großen Städtchen Aken bei Dessau. Verwirklicht werden solle es durch die Firma CIG aus Düsseldorf, die bereits ein Grundstück erworben habe. 19 Millionen Euro habe sie aus Eigenmitteln finanziert. Tatsächlich, so die Anklage von Staatsanwalt Marc Blomenkämper, war das Projekt kaum finanzierbar. Ein Grundstück sei nie gekauft worden, auch hätten weder die Angeklagte noch die CIG ernsthaft mit der Stadt Aken verhandelt. Auch die Kreditzusagen, die sie Anlegern vorlegte, seien gefälscht worden. Ein Luftschloss also.

Erika S. weist eine direkte Betrugsabsicht von sich. „Bei diesem Projekt bin ich guten Glaubens gewesen“, sagt sie. Was auffällt, ist der Hang zu großen Zahlen. Mit 150 bis 200 Millionen Euro soll Erika S. den Finanzierungsrahmen beziffert haben. Eine Differenz, die Richter Edgar Loch groß findet. 50 Millionen Euro sind ja kein Pappenstiel. Darauf geht Erika S. nicht weiter ein. Die frühere Steuerberaterin ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Zwar hat sie einschlägige Vorstrafen, bekam aber eher niedrige Strafen. Das Bild einer notorischen Betrügerin bleibt. Ihre privaten Schulden sollen im Millionenbereich liegen. Alle drei Jahre soll sie seit den 90er Jahren eine eidesstattliche Versicherung abgelegt haben.

Mercedes S-Klasse fuhr sie, berichtet ein Zeuge. Er hat ihr 215.000 Euro für das Projekt gegeben. 100 Prozent Rendite waren versprochen, gesehen habe er nichts. Aber Schwierigkeiten habe ihm das nicht gemacht, sagt der bieder wirkende Mann. Er hat auch mal sein Konto zur Verfügung gestellt, damit der Bredeneyer die exakt 950.000 Euro überweisen konnte. Er hat es dann abgeholt und Erika S. in bar übergeben. Erst auf Nachfrage erzählt der Zeuge, dass ihn damals die Sparkasse Hattingen anrief und vor Geldwäsche warnte. Den Bredeneyer kann die Kammer zunächst nicht fragen. Er kam nicht.

Stefan Wette

Facebook
 
Kommentare
20.02.2010
14:59
Anklage: 72-Jährige als notorische Betrügerin
von aljolo | #3

Eine 72 Jährige Frau die es schafft „ vermeintlich cleveren“ Leuten Millionen ab zu schwatzen, mit dem Argument der Verdopplung in einem Jahr, darf nicht bestraft sondern sie muss geehrt werden, wegen besonders innovativer Ideen. Bestraft werden müssten die Geldgeber wegen unerträglicher Dummheit und Gier. Als Strafe sollten ihre Namen bekannt gegeben werden, damit die Bevölkerung etwas zu lachen hat.

19.02.2010
09:45
Anklage: 72-Jährige als notorische Betrügerin
von stromer1953 | #2

Wie heißt es doch so schön?
Jeden Morgen steht ein Dummer auf, man muß ihn nur finden!
Mir tun die nicht leid!

Glück Auf

18.02.2010
18:24
Anklage: 72-Jährige als notorische Betrügerin
von Nur mal so gedacht | #1

100% Rendite... Noch Fragen?
Wie kommen Leute, die so verblendet, gierig und dumm sind wie die Opfer an knapp eine Millionen €?
Wenn man die hahnebüchene Geschichte der Betrügerin liest, muss man sich wundern das sich die Opfer überhaupt selbst die Schuhe zubinden können.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3421827/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schokolade zum Anziehen
Bildgalerie
Fotostrecke
Der Kachelmann-Prozess
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Falscher Kaufhausdetektiv muss sich für Sex-Tat verantworten
Landgericht
Fünf Jahre nach der Tat muss sich ein 40-Jähriger aus Duisburg-Marxloh für den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Jungen aus Gladbeck vor dem Landgericht Essen verantworten. Er soll den Jungen im Treppenhaus des Einkaufszentrum Limbecker Platz missbraucht haben. Eine DNA-Spur führte zu dem Mann.
Betrüger-Trio erbeuteten 25 000 Euro auf Diebestour
Gericht
Für den Staatsanwalt ist die Sache klar. Das Trio aus dem Rheinland, das im Sommer 2009 ein halbes Jahr auf Beutezug ging, dabei unter anderem auch in Siegen und Olpe Geldbörsen gestohlen hat und mit Hilfe der EC-Karten die Konten der Opfer leerte, soll wegen vielfachen Bandendiebstahls ins...